Pilze sammeln: Von 14.400 Arten gelten nur etwa 200 als essbar
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 15:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die aktuelle Pilzsaison in Deutschland ist maßgeblich durch die anhaltende Trockenheit geprägt, was Experten zu einer vorsichtigen Einschätzung der Bestände veranlasst. Fachleute beobachten in weiten Teilen des Landes eine Verzögerung des Wachstums und weisen auf die spezifischen Bedingungen hin, die für eine erfolgreiche Ernte in der verbleibenden Hauptsaison notwendig wären.
Regionale Bestandsaufnahme und Expertenprognosen
Die Erwartungen für die Hauptsaison im Oktober bleiben gedämpft. Der Pilzsachverständige Thomas Lehr aus Hofheim am Taunus äußerte sich Ende September skeptisch und bezeichnete die Lage im Rhein-Main-Gebiet als extrem trocken. Da sommerliche Temperaturen um die 25 Grad erwartet werden, bleibe sein Pessimismus für die kommenden Wochen hoch. Lediglich in höheren Lagen bestünden bessere Aussichten.
Ähnliche Beobachtungen liegen aus Bayern vor. Laut Berichten vom 26. September 2026 verzeichneten der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV), die Bayerische Mykologische Gesellschaft (BMG) und die Universität Bayreuth ungewöhnlich wenige Pilzfunde im Freistaat. Christoph Hahn, Vorsitzender der BMG, betonte dabei die Problematik aufeinanderfolgender Trockenjahre, wenn notwendige Erholungsphasen für die Ökosysteme ausbleiben.
In der Region Fulda rechnet der Experte Alex Maier damit, dass Steinpilze in dieser Saison selten bleiben könnten. Für eine signifikante Verbesserung der Situation seien zwei bis drei Wochen anhaltender Regen erforderlich. Etwas optimistischer stellt sich die Situation in den höheren Lagen der Rhön dar.
Auch Klaus Rödder, Pilzsachverständiger aus Kradenbach in der Vulkaneifel, konstatierte eine zu große Trockenheit für große Hoffnungen im Oktober, verwies jedoch darauf, dass Pilze als eigenwillige Lebewesen gelegentlich für Überraschungen sorgen könnten.
Biologische Faktoren und veränderte Fundbedingungen
Trotz der oberflächlichen Trockenheit überdauert das Pilzgeflecht laut Lotte Krüger vom LBV im Boden, was zu einer zeitlichen Verschiebung der Saison führen kann. In Gebieten wie dem Bayerischen Wald oder den Alpen ist allerdings bereits ab Mitte Oktober mit ersten Bodenfrösten zu rechnen, was das Zeitfenster für das Wachstum einschränkt.
Die Trockenheit macht die Pilzsuche 2026 schwierig — aber nicht aussichtslos. Wer weiß, wo der Boden noch Feuchtigkeit hält, findet trotzdem essbare Arten. Der kostenlose Guide zeigt, wie Sie die DWD-Bodenfeuchte-Karte als Radar nutzen, die 200 essbaren Arten sicher bestimmen und Ihre Funde richtig transportieren. Sammel-Guide jetzt anfordern
In Südhessen wird die Lage ebenfalls als schwierig eingestuft. Irmtraut Lampert aus Darmstadt berichtete jedoch von Fundorten im Odenwald. Eine ökologische Besonderheit stellt das Absterben vieler Kiefern dar, was das Aufkommen bestimmter Arten wie der Krausen Glucke, von Austernseitlingen und Schwefelporlingen begünstigen kann. Dr. Till Panter aus Rheinhessen berichtete unterdessen von Funden mickriger Steinpilze mit deutlichen Trockenschäden sowie von Wiesenchampignons.
In Rheinland-Pfalz war der August laut Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) deutlich zu trocken und außergewöhnlich warm; nennenswerte Niederschläge traten erst in der zweiten Monatshälfte auf. Auch in der Schweiz, konkret in Grenchen, werden nach einem trockenen Sommer erst jetzt wieder erste Funde bei den örtlichen Kontrollstellen verzeichnet.
Leitfaden für Sammler und fachliche Beratung
Experten empfehlen Sammlern, sich in der aktuellen Situation an den Bodenfeuchte-Messungen des DWD zu orientieren. In Regionen, in denen schwere oder extreme Dürre ausgewiesen ist, seien die Erfolgsaussichten gering. Erfolgversprechender sei die Suche an moorigen oder sumpfigen Stellen sowie an den kühleren Nordseiten von Waldgebieten.
Von rund 14.400 Pilzarten in Deutschland gelten nur etwa 200 als essbar — und 150 als giftig. Bei mickrigen, trockengeschädigten Exemplaren steigt die Verwechslungsgefahr zusätzlich. Der kostenlose Guide zeigt Ihnen die wichtigsten Bestimmungsmerkmale, die kritischen Doppelgänger und wann Sie einen Fund besser stehen lassen. Sicher bestimmen — Guide sichern
Für die Sicherheit beim Sammeln gelten strikte Regeln:
* Es sollten ausschließlich sicher bestimmte Pilze verzehrt werden.
* Von den rund 14.400 Pilzarten in Deutschland gelten laut DGfM etwa 200 als essbar, 150 als giftig und 10 als tödlich giftig.
* Überalterte oder sehr große Exemplare sollten im Wald verbleiben.
* Für den Transport wird ein luftiger Korb anstelle einer Plastiktüte empfohlen.
Zur fachlichen Unterstützung werden verschiedene Termine angeboten. Die AOK Hessen veranstaltet am 9. Oktober eine kostenlose Pilzlehrwanderung im Naturpark Taunus bei Kelkheim. Zudem plant Hessen Forst für Ende Oktober einen Pilztag im Wildpark „Alte Fasanerie“ in Hanau, der eine Frischpilzausstellung umfasst. Die klassische Pilzsaison endet üblicherweise Anfang November.
