Pilzsammeln, Smartphone-Apps

Pilzsammeln: Smartphone-Apps sind lebensgefährlich bei der Bestimmung

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 12:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fachleute warnen vor tödlichen Verwechslungen durch Pilz-Apps und empfehlen sichere Bestimmung, luftigen Transport sowie schnelle Hilfe.

Pilzsaison: Warum Apps bei der Pilzbestimmung gefährlich sind
Verschiedene Wildpilze auf einem moosigen Waldboden im Herbstlicht. Illustration mit AI erstellt.

Mit dem Beginn der Pilzsaison warnen Fachleute eindringlich davor, sich bei der Bestimmung von Speisepilzen auf Smartphone-Apps zu verlassen. Da bei der rein bildbasierten Erkennung fatale Verwechslungen mit hochgiftigen Arten drohen, raten Sachverständige zur Vorsicht.

Grenzen digitaler Erkennungswerkzeuge

Die Bestimmung über mobile Anwendungen birgt erhebliche Gefahren. Pilzexperte Lutz Helbig aus Südbrandenburg weist darauf hin, dass fatale Verwechslungen möglich seien, da Bilder weder riechen noch schmecken können.

Auch Pilzberaterin Sieglinde Köhler aus Striegistal stuft solche Anwendungen als gefährlich ein. Handyfotos reichen für die Freigabe eines Pilzes zum Verzehr keineswegs aus. Fachleute raten zudem dazu, Putz- und Pilzreste nach der Zubereitung stets aufzuheben, um im Ernstfall eine Identifikation zu erleichtern.

In Mitteleuropa existieren über 10.000 Großpilzarten. Davon gelten rund 200 als essbar, etwa 150 sind giftig und zehn Arten wirken tödlich. Grundsätzlich sollte nur gesammelt und verzehrt werden, was zweifelsfrei bekannt ist. Ausdrücklich gewarnt wird vor dem Grünen Knollenblätterpilz und dem Gift-Häubling, die beide tödlich giftig sind.

Zudem bestehen im Wald teils tückische Ähnlichkeiten. Bei der Unterscheidung zwischen dem essbaren Perlpilz und dem Braunen Fliegenpilz hilft das Abziehen der Huthaut: Beim Fliegenpilz zeigt sich diese chromgelb, beim Perlpilz hingegen weiß-rötlich.

Eine weitere bekannte Verwechslungsgefahr besteht zwischen dem Steinpilz und dem ungenießbaren Gallenröhrling; der Schönfußröhrling wiederum ist giftig. Neben einheimischen Arten verändert sich der Bestand im Wald auch durch Neobiota: Die aus Nordamerika stammende Falsche Rotkappe breitet sich zunehmend aus und verdrängt gebietsweise Maronen.

Saisonverlauf und klimatische Einflüsse

Die Pilzsaison erstreckt sich im Allgemeinen von Ende April bis Ende November und endet mit dem ersten Frost, wobei die Hochphase ab September einsetzt.

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Laut Einschätzung des Landesverbandes der Pilzsachverständigen (LVPS) durch Martin Groß war das laufende Jahr in Sachsen-Anhalt aufgrund des trockenen Sommers bislang kein gutes Pilzjahr, wenngleich die Monate September und Oktober die Bilanz noch verbessern könnten. Sofern es bis Ende September regnet, wird ein erquickliches Pilzwachstum erwartet. Der Steinpilz profitiert dabei von einem warmen Sommer.

In Sachsens Wäldern sprießen Pilze vor allem im Vogtland und im Erzgebirge, wo ausreichender Niederschlag fiel, während rund um Chemnitz der Regen fehlte. Dort lassen sich unter anderem Steinpilze, Flockenstielige Hexen-Röhrlinge, Maronenröhrlinge, Täublinge und Perlpilze finden. Laut Wolfgang Friese vom NABU verschieben sich die Herbstpilze bedingt durch den Klimawandel.

Richtiger Transport und Verhalten im Notfall

Neben der Bestimmung spielt die Handhabung des Sammelguts eine zentrale Rolle für die Gesundheit. Der Botanische Garten Berlin warnt vor dem Transport in Plastiktüten: Darin fangen Pilze an zu schwitzen, werden gequetscht und das enthaltene Eiweiß zersetzt sich schneller, wodurch Magen-Darm-Beschwerden und echte Lebensmittelvergiftungen drohen.

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Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie empfiehlt stattdessen die Verwendung eines luftdurchlässigen Korbs; alternativ eignet sich auch ein Leinenbeutel.

Kommt es trotz Vorsicht zu Vergiftungserscheinungen, sollte umgehend der Giftnotruf verständigt werden. Keinesfalls darf bei Verdacht auf eine Vergiftung Milch getrunken werden.

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