Play Store ab 22. Juli: Google teilt App-Daten mit Drittanbieter-Stores
Veröffentlicht: 03.07.2026 um 17:55 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Organisation sieht darin eine Gefahr fĂĽr die Offenheit der gesamten Plattform.
Neue Hürden für unabhängige Entwickler
Im Zentrum der Kritik steht eine Richtlinie, die Android-Entwickler künftig zur Registrierung persönlicher Identifikationsdaten bei Google zwingt. Apps von Entwicklern, die diesen Prozess nicht durchlaufen haben, drohen erhebliche Installationshürden. F-Droid zufolge müssen Nutzer dann mit einer 24-stündigen Wartezeit und einer Reihe komplizierter Abfragen rechnen, die die Installation gezielt erschweren sollen.
Die Bewegung „Keep Android Open" – sie hat bereits Hunderttausende Unterschriften gesammelt – befürchtet, dass Google so willkürlich über die Zukunft von Apps entscheiden kann. Kritiker bemängeln, dass das System nicht einmal Malware erkenne. Stattdessen schaffe es einen Mechanismus, mit dem Google legitime Tools wie Ad-Blocker als unerwünschte Software einstufen könne.
Spyware missbraucht Googles PrĂĽf-Siegel
Die Debatte bekommt zusätzliche Brisanz durch einen neuen Sicherheitsvorfall. Bereits Mitte 2026 entdeckten Sicherheitsforscher eine Schadsoftware, die sich als offizielles „Android Developer Verification"-Tool tarnt.
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Die Spyware fordert unter dem Deckmantel der technischen PrĂĽfung weitreichende Systemberechtigungen an. F-Droids Sicherheitsteam entdeckte die Tarnung durch seinen transparenten Build-Prozess, der Unstimmigkeiten im Code aufdeckte. Sicherheitsanalysten warnen, dass Kriminelle die offizielle Terminologie von Google gezielt nutzen, um Nutzer zur Preisgabe ihrer Daten zu bewegen.
Europas Gerichte erhöhen den Druck
Googles Politikwechsel fällt in eine Zeit verschärfter regulatorischer Kontrolle. Erst am Donnerstag wies der Europäische Gerichtshof die letzte Berufung von Google gegen eine Kartellstrafe von 4,1 Milliarden Euro ab. Das Gericht bestätigte, dass Google seine Marktmacht bei Android missbraucht hatte, um die eigene Suchmaschine zu bevorzugen – unter anderem durch die Zwangskopplung des Play Stores mit Chrome und der Google-Suche.
Das Urteil stellt klar: Vorinstallationen schaffen eine „Status-quo-Verzerrung", die nicht der echten Nutzerpräferenz entspricht. Wettbewerber könnten nun Schadensersatz nach der EU-Antitrust-Schadensersatzrichtlinie fordern.
Parallel dazu setzt Google eine US-Gerichtsverfügung aus dem Epic-Games-Verfahren um. Ab dem 22. Juli 2026 muss der Konzern Play-Store-Einträge – inklusive App-Namen, Icons und Beschreibungen – mit Drittanbieter-Stores teilen. Entwickler können nur über die Play Console widersprechen. Sicherheitsfirmen warnen: Die erhöhte Sichtbarkeit auf fremden Plattformen könnte die Gefahr von gefälschten App-Kopien deutlich steigern.
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Botnetz zerschlagen: Millionen Geräte betroffen
Trotz der Kritik an seinen Entwickler-Richtlinien arbeitet Google weiter mit Strafverfolgungsbehörden zusammen. Am Donnerstag gab das Unternehmen die erfolgreiche Zerschlagung des „NetNut"-Proxy-Netzwerks (auch als „Popa" bekannt) in Kooperation mit dem FBI bekannt.
Das Botnetz hatte mindestens zwei Millionen Heimgeräte gekapert – darunter Smart-TVs und Streaming-Boxen – und daraus ein Proxy-Netzwerk für Cyberkriminelle aufgebaut. Allein im Juni 2026 verfolgten Forscher 316 Bedrohungscluster, die das Netzwerk nutzten. Google sperrte die Konten der Steuerungsinfrastruktur und aktualisierte Play Protect, um Apps mit NetNut-Komponenten zu blockieren. Experten raten weiterhin dringend davon ab, Apps zu installieren, die eine Vergütung für die Freigabe ungenutzter Internetbandbreite versprechen – sie sind häufig Teil solcher Botnetze.
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