Polizeitraining auf dem Hahn: Wie Studierende mentale Stärke für Extremlagen üben
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 18:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die psychische Widerstandskraft von Einsatzkräften rückt bei der Bewältigung komplexer Gefahrenlagen zunehmend in den Mittelpunkt der Ausbildung. Polizeistudierende trainieren auf dem Hahn intensiv für den Ernstfall, um auch unter extremem Stress sowie bei außergewöhnlichen Schadenslagen mental stabil und handlungsfähig zu bleiben.
Wie ein Bericht vom 7. Oktober 2026 darlegt, bilden derartige Belastungsproben das Fundament, um angehende Einsatzkräfte gezielt auf unübersichtliche Extremsituationen vorzubereiten.
Mentale Stabilität durch praxisnahe Szenarien
Im Zentrum der Ausbildungseinheiten auf dem Hahn steht das Verhalten bei schwerwiegenden Lagen, die ein hohes Maß an psychischer Selbstbeherrschung erfordern. Bei außergewöhnlichen Schadensereignissen sind Polizistinnen und Polizisten oft unmittelbaren Gefahren und traumatischen Eindrücken ausgesetzt. Durch strukturierte Trainingsabläufe wird eingeübt, die eigene Handlungsfähigkeit trotz physischer und psychischer Erschöpfung aufrechtzuerhalten.
Die Vorbereitung auf extreme Stressfaktoren ist dabei kein isoliertes Phänomen der Polizeiausbildung. Behörden und Hilfsorganisationen binden die psychosoziale Notfallversorgung verstärkt in ihre praktischen Großübungen ein.
Bei einer Übung in Bad Oldesloe, bei der mehr als 100 Einsatzkräfte die Rettung von rund 20 Verletzten nach der Kollision eines Doppeldeckers mit einem Lastwagen simulierten, waren neben Feuerwehr, Rettungsdienst, Technischem Hilfswerk und Polizei auch Fachkräfte der psychosozialen Notfallversorgung eingebunden. Kreisbrandmeister Olaf Klaus zog nach dem Einsatz über Drehleitern und die Heckscheibe eine positive erste Bilanz.
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Ähnliche Schwerpunkte setzten Einsatzkräfte bei einer Übung im Steinbruch BMK in Öhringen-Unterohrn: Rund 100 Beteiligte probten dort bei einer simulierten Naturkatastrophe mit zahlreichen Verletzten neben der technischen Rettung auch die Einrichtung von Behandlungs- und Betreuungsplätzen sowie die organisationsübergreifende Kommunikation.
Krisenbewältigung unter institutionellem Druck
Wie stark auch Kliniken und Führungsstrukturen unter Druck geraten, zeigte eine Katastrophenschutzübung an der Unfallklinik Murnau. Rund 180 Personen, darunter 30 Auszubildende, bewältigten dort die simulierte Aufnahme von 30 Verletzten aus einem Katastrophengebiet, während der reguläre Klinikbetrieb bei 37 gemeldeten freien Betten weiterlaufen sollte.
Neben organisatorischen Herausforderungen wie der Funkkommunikation und Aufgabenverteilung traten unvorhergesehene Sicherheitsrisiken auf: Die Polizei stellte bei Kontrollen zwei Messer, eine Handgranate und eine Pistole sicher.
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Parallel dazu etablieren Bildungseinrichtungen neue Formate zur systematischen Krisenqualifizierung. An der Hochschule Bielefeld wurde ein Wahlmodul zu Katastrophenpflege eingerichtet.
Pflegewissenschaftlerin Christina Anna Hajek wies darauf hin, dass die Vorbereitung auf Großschadenslagen infolge von Ereignissen wie Covid-19 und der Ahrtal-Katastrophe bislang nicht flächendeckend in der Pflegeausbildung verankert sei. Sie forderte, Pflegefachpersonen fest in Krisenstäbe, Planungen und Evakuierungsübungen einzubeziehen.
Ergänzend dazu bietet das DRK-Bildungszentrum Nuthetal vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe geförderte Kurse an, um Selbstschutz- und Erstversorgungskompetenzen auch in der Bevölkerung zu stärken. Die vielfältigen Initiativen verdeutlichen, dass Einsatzbereitschaft bei Schadenslagen maßgeblich von psychischer Resilienz und abgestimmter Zusammenarbeit abhängt.
