Polymyalgia rheumatica: Jeder vierte Patient nimmt über vier Jahre Kortison
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Behandlung der Polymyalgia rheumatica, kurz PMR, erfordert in vielen Fällen eine deutlich längere medikamentöse Therapie als ursprünglich angenommen. Britische Daten aus dem Jahr 2026 von Twohig und Kollegen verdeutlichen das Ausmaß des Glukokortikoid-Einsatzes in der klinischen Praxis.
Demnach benötigen Betroffene im Durchschnitt knapp zwei Jahre lang Glukokortikoide, um die entzündliche Erkrankung zu kontrollieren. Bei jedem vierten Patienten erstreckt sich die Verabreichung sogar über mehr als vier Jahre. Angesichts dieser langen Behandlungszeiträume rückt der Schutz vor medikamentenbedingten Folgeschäden verstärkt in den Fokus.
Studienergebnisse belegen langwierige Behandlungsverläufe
Die Untersuchung von Twohig et al., erschienen im Fachjournal Arthritis & Rheumatology, legt offen, dass eine kurzzeitige Steroidgabe bei Polymyalgia rheumatica häufig nicht ausreicht. Eine jahrelange Einnahme von Glukokortikoiden birgt jedoch erhebliche Risiken für Begleiterkrankungen.
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Zu den bekannten unerwünschten Wirkungen einer dauerhaften Therapie zählen unter anderem Knochenschwund mit drohenden Frakturen sowie Schädigungen im Magen-Darm-Trakt. Da ein Viertel der Betroffenen die Medikamente über vier Jahre hinweg einnehmen muss, stellt sich in der rheumatologischen Versorgung regelmäßig die Frage, wie unerwünschte Begleiteffekte wirksam eingedämmt werden können.
Risikoadaptierte Prophylaxe laut aktuellen Leitlinien
Um den bekannten Gefahren einer langanhaltenden Glukokortikoidtherapie entgegenzuwirken, sehen medizinische Leitlinien strukturierte Vorsorgemaßnahmen vor. Die Empfehlungen setzen auf ein risikoadaptiertes Vorgehen, das die individuellen Gegebenheiten der Patienten berücksichtigt.
Grundsätzlich raten Leitlinien dazu, bei allen Betroffenen direkt zu Beginn der Therapie eine Basisprophylaxe mit Kalzium und Vitamin D einzuleiten, um den Knochenstoffwechsel zu unterstützen.
Besteht darüber hinaus ein bereits erhöhtes Frakturrisiko, empfehlen die Leitlinien den gezielten Einsatz von Bisphosphonaten. Diese Wirkstoffgruppe soll den Knochenabbau zusätzlich hemmen und osteoporotischen Brüchen vorbeugen.
Für Patientinnen und Patienten mit einem hohen Risiko für gastrointestinale Blutungen sieht der Leitlinienstandard zudem die Gabe von Protonenpumpeninhibitoren (PPI) vor, um die Schleimhaut des Magens und oberen Verdauungstrakts vor kortisonbedingten Läsionen zu schützen.
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Unklare Evidenzbasis speziell für PMR-Patienten
Trotz der klaren Vorgaben in bestehenden Behandlungsleitlinien weist die wissenschaftliche Datenbasis weiterhin Lücken auf. Zwar ist die vorbeugende Wirkung der Begleitmedikation bei allgemeinen Kortisontherapien dokumentiert, der konkrete Nutzen einer solchen Prophylaxe speziell bei Polymyalgia rheumatica gilt in der Studienlage bislang jedoch als unklar.
Fachleute weisen darauf hin, dass gezielte Untersuchungen fehlen, die den tatsächlichen präventiven Effekt von Bisphosphonaten, PPI oder Nahrungsergänzungen isoliert für diese Patientengruppe und über derart lange Behandlungszeiträume hinweg eindeutig belegen.
Vor dem Hintergrund der britischen Erhebungen zur Behandlungsdauer bleibt die risikoadaptierte Begleittherapie in der Praxis dennoch ein wesentliches Instrument, um potenzielle Langzeitschäden einer jahrelangen Glukokortikoidgabe abzufedern.
