Präsentismus explodiert: 72% arbeiten krank – doppelt so viele wie 2015
Veröffentlicht: 19.07.2026 um 01:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Unternehmen, die jetzt nicht gegensteuern, verlieren nicht nur Personal, sondern bares Geld.
Jeder Euro bringt das 2,7-Fache zurĂĽck
Betriebliche Gesundheitsförderung ist kein Almosen, sondern eine Rendite-Investition. Analysen beziffern den Return on Investment auf 1:2,7. Jeder eingesetzte Euro senkt die Kosten durch Fehlzeiten und Fluktuation um mehr als das Zweieinhalbfache.
Das Linzer Softwareunternehmen MIC macht es vor. Seit 2013 läuft das Programm „fit2mic“ mit rund 40 Angeboten. Ergebnis: Die Krankenstandstage liegen 25 Prozent unter dem IT-Branchendurchschnitt. Die Fluktuation beträgt nur 6,6 Prozent – der Branchenschnitt liegt zwischen 15 und 20 Prozent. Das Konzept setzt auf mentale Gesundheit und werteorientierte Führung.
Die alternde Belegschaft wird zum Risiko
Der DAK-Gesundheitsreport 2026 zeigt einen klaren Zusammenhang: Wer sich krank fühlt, will früher in Rente. Bundesweit planen 52 Prozent der über 50-Jährigen einen vorzeitigen Ausstieg. In Bremen sind es 49 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern 47 Prozent.
Besonders alarmierend: Bei Beschäftigten mit schlechtem Gesundheitszustand steigt die Austrittsabsicht weiter. Der Krankenstand nimmt mit dem Alter zu. In Bremen liegt er bei den über 50-Jährigen bei 7,5 Prozent, bei den 66-jährigen Erwerbstätigen sogar bei 11 Prozent. Experten sehen darin einen klaren Auftrag zur Prävention.
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Präsentismus: Die stille Epidemie
Arbeiten trotz Krankheit wird zum Massenphänomen. Die Arbeiterkammer Oberösterreich belegt: 2025 gingen 72 Prozent der Beschäftigten mindestens einmal krank zur Arbeit. 2015 waren es noch 30 Prozent.
Besonders betroffen: Arbeitskräfteüberlassung sowie Post- und Kurierdienste. Dort liegen die Krankenstände bei bis zu 21 Tagen pro Jahr. Fachleute warnen: Rückläufige Krankenstandstage – 2025 im Schnitt 15,4 Tage – täuschen, wenn gleichzeitig mehr Menschen ihre Genesung verschieben. Die Folge: chronische Erkrankungen und längere Ausfälle.
Neue Gesetze, alte Konflikte
Das betriebliche Gesundheitsmanagement steht vor politischen Weichenstellungen:
- Arbeitsrechtsreform: Eine generelle Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag wird diskutiert, ebenso eine Ausweitung sachgrundloser Befristungen auf bis zu 48 Monate. Der DGB kritisiert beides als Misstrauensvotum gegenĂĽber Arbeitnehmern.
- Teilkrankschreibung: Ab 1. Januar 2028 soll die Teilarbeitsunfähigkeit (§ 44c SGB V) kommen – in Stufen von 25, 50 oder 75 Prozent. Voraussetzung: Zustimmung des Arbeitgebers.
- Strukturelle Kritik: Die Pharmaindustrie wettert gegen das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Es sei reine Kostendämpfung ohne Reformkraft. Die Belastung für Hersteller: 24 bis 29 Milliarden Euro jährlich.
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Ärzteverbände fordern derweil, das Gesundheitswesen stärker in die Sicherheitsarchitektur zu integrieren – mit Personalreserven und Bevorratung. Bisher fließen nur rund 5 Prozent der Gesundheitsausgaben in die Prävention. Ein eklatanter Fehler, wie die Zahlen zeigen.
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