PrÀvention, KassenÀrzte

PrÀvention: KassenÀrzte fordern 20% Steuererhöhung auf Tabak

Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 07:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die KBV verlangt von Gesundheitsminister Linnemann eine umfassende PrÀventionsoffensive und deutlich höhere Steuern auf Genussmittel, um die Gesundheit der Bevölkerung nachhaltig zu verbessern.

KBV-Chef Gassen fordert radikale Wende in der PrÀventionspolitik
Ein Stethoskop und ein Tablet mit Gesundheitsstatistiken auf einem Schreibtisch in einer modernen Arztpraxis. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die Debatte um eine wirksame Gesundheitsvorsorge in Deutschland hat Anfang August 2026 eine neue Dynamik gewonnen. Der Vorstandsvorsitzende der KassenÀrztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, mahnte eine grundlegende Neuausrichtung der PrÀventionspolitik an. In seinen Stellungnahmen forderte er von Bundesgesundheitsminister Linnemann einen echten Neustart sowie eine umfassende PrÀventionsoffensive, um den steigenden gesundheitlichen Herausforderungen der Bevölkerung zu begegnen.

Kritik am Lebensstil und Forderungen fĂŒr Bildungseinrichtungen

Hintergrund der Forderungen ist eine kritische Bestandsaufnahme der gesundheitlichen Verfassung in der Bundesrepublik. Nach EinschĂ€tzung der KBV verschlechtere sich die Lebensweise vieler Menschen kontinuierlich. Die BĂŒrger seien zunehmend ĂŒbergewichtig, konsumierten mehr Tabak und betrieben weniger Sport als in der Vergangenheit. Um diesen Trends entgegenzuwirken, sieht die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung dringenden Handlungsbedarf bereits in frĂŒhen Lebensphasen.

Andreas Gassen sprach sich in diesem Zusammenhang dafĂŒr aus, PrĂ€ventionsmaßnahmen deutlich stĂ€rker in den Alltag von KindertagesstĂ€tten und Schulen zu integrieren. Nur durch eine frĂŒhzeitige Sensibilisierung und AufklĂ€rung in Bildungseinrichtungen ließen sich langfristige VerhaltensĂ€nderungen erzielen. Die derzeitigen PlĂ€ne des Gesundheitsministeriums stufte der KBV-Chef hingegen als unzureichend ein und bezeichnete die aktuelle Initiative von Minister Linnemann als eine Form von Alibiveranstaltung, die nicht die nötige Tiefe erreiche.

Steuerliche Maßnahmen und Preisgestaltung bei Genussmitteln

Ein zentraler Streitpunkt in der aktuellen gesundheitspolitischen Auseinandersetzung ist die Besteuerung von Tabak und Alkohol. Die Bundesregierung plant laut vorliegenden Informationen eine Erhöhung der Steuern auf diese Erzeugnisse um 20 Prozentpunkte. Diese Maßnahme geht der KBV jedoch nicht weit genug. Andreas Gassen kritisierte das Vorhaben als unzureichend, um eine spĂŒrbare Lenkungswirkung zu erzielen.

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Konkret forderte der KBV-Vorsitzende deutlich massivere Preisanpassungen. So mĂŒsse der Preis fĂŒr eine Flasche Wodka um 5 bis 10 Euro steigen, um den Konsum effektiv einzudĂ€mmen. Auch bei Tabakprodukten forderte er eine konsequentere Linie: Eine Anhebung der Zigarettenpreise um lediglich 2 Euro pro Packung sei zu wenig, um Raucher nachhaltig zur Entwöhnung zu bewegen oder Jugendliche vom Einstieg abzuhalten.

Divergierende Perspektiven innerhalb der Selbstverwaltung

UnterstĂŒtzung fĂŒr den Kurs einer fiskalischen Steuerung der PrĂ€vention kam teilweise vom GKV-Spitzenverband. Dessen Chef, Oliver Blatt, befĂŒrwortete in ErklĂ€rungen vom 4. August 2026 grundsĂ€tzlich höhere Steuern auf Tabak und Alkohol. DarĂŒber hinaus brachte er die EinfĂŒhrung einer Zuckersteuer ins GesprĂ€ch, um die PrĂ€vention ernĂ€hrungsbedingter Krankheiten zu stĂ€rken.

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Trotz dieser inhaltlichen Überschneidungen bei den Steuerforderungen zeigten sich deutliche Differenzen zwischen den Akteuren der Selbstverwaltung. Blatt kritisierte das Agieren der KBV in anderen Bereichen scharf. Insbesondere die Drohungen der KassenĂ€rztlichen Bundesvereinigung, das Angebot an Terminen einzuschrĂ€nken, stießen beim GKV-Spitzenverband auf UnverstĂ€ndnis. Diese Form der Interessenvertretung belaste das System zusĂ€tzlich, wĂ€hrend man gleichzeitig ĂŒber eine Verbesserung der allgemeinen Gesundheitsvorsorge diskutiere. Die weitere Entwicklung der nationalen PrĂ€ventionsstrategie wird maßgeblich davon abhĂ€ngen, ob zwischen den beteiligten Organisationen und dem Ministerium ein Konsens ĂŒber die Finanzierung und die Tiefe der Maßnahmen erzielt werden kann.

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