Presence, OpenAI

Presence: OpenAI löst 75% der Anrufe ohne Mensch

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 10:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

OpenAI launcht Presence, eine Enterprise-Plattform für KI-Assistenten. Trotz hoher Investitionen scheitern viele Firmen an der Umsetzung.

OpenAI Presence: Neue Plattform für KI-Agenten im Unternehmen
Modernes Firmenbüro mit holografischen Datenschnittstellen und zusammenarbeitenden Fachleuten im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

OpenAI hat am Dienstag eine neue Enterprise-Plattform vorgestellt, die den Einsatz von KI-Agenten in Unternehmen grundlegend verändern soll. Presence heißt das System, das es Firmen ermöglicht, sprachgesteuerte Assistenten und Chatbots für Kundenkontakt und interne Abläufe zu managen. Der Start kommt zu einem Zeitpunkt, an dem neue Studien zeigen: Viele Unternehmen experimentieren zwar mit Künstlicher Intelligenz, scheitern aber an der Umsetzung.

Presence: Vom Experiment zur produktiven Anwendung

Anders als bisherige Selbstbedienungsmodelle setzt OpenAI bei Presence auf enge Betreuung. Das Tool wird zunächst nur in einer limitierten Phase ausgerollt – über Systemintegratoren und die eigenen Ingenieure des Unternehmens. Die Plattform bietet einen Agenten-Editor, ein Simulationswerkzeug und eine Verbesserungsschleife, die auf OpenAIs Codex-Technologie basiert. Ziel ist es, die KI direkt mit internen Unternehmensdaten, Richtlinien und Software zu verknüpfen.

Erste Großkunden sind bereits an Bord. Die spanische Großbank BBVA nutzt Presence für spanischsprachige Banking-Dienste in Mexiko. Der japanische Telekommunikationsriese SoftBank, der umgerechnet rund 55 Milliarden Euro in OpenAI investiert hat, testet japanische Sprachversionen. Auch die International Airlines Group (IAG) hat das System für den Kundenservice bei extremen Wetterlagen erprobt.

OpenAI selbst setzt Presence bereits für die eigene Telefon-Hotline ein. Das Unternehmen gibt an, dass die Plattform 75 Prozent aller eingehenden Anrufe ohne menschliches Eingreifen löst. Die eingebaute Verbesserungsschleife habe die Zahl der Übergaben an menschliche Mitarbeiter innerhalb von zehn Tagen um 15 Prozentpunkte gesenkt.

Die Kluft zwischen Hype und Realität

Die Markteinführung von Presence fällt in eine Phase, in der die KI-Begeisterung in der Wirtschaft auf harte Realitäten trifft. Das britische Statistikamt (ONS) ermittelte, dass sich die KI-Nutzung im Vereinigten Königreich von 12 Prozent im Jahr 2023 auf 35 Prozent Mitte 2026 verdreifacht hat. Doch die Tiefe dieser Nutzung ist begrenzt: Unternehmen setzen im Schnitt nur 1,6 KI-Tools ein, und lediglich sieben Prozent haben eine unternehmensweite KI-Strategie.

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Forscher des MIT und der Carnegie Mellon University kamen bei einer Untersuchung der S&P-500-Unternehmen zu ähnlichen Ergebnissen. Nur elf Prozent der Firmen haben KI tief in ihre Abläufe integriert. Mittelständische Unternehmen schneiden mit 86 Prozent Integrationsrate zwar besser ab, kämpfen aber mit Problemen bei der Datenqualität und der technischen Umsetzung.

Milliarden-Investitionen, magere Renditen

Die finanziellen Hürden sind beträchtlich. Eine Studie von Domino Data Lab zeigt: 57 Prozent der Unternehmen erzielen derzeit keine Rendite, die ihre KI-Ausgaben übersteigt – ein Wert, der sich seit 2025 kaum verändert hat. Trotz dieser Probleme bleiben die Investitionen hoch. Die Investmentbank Morgan Stanley hat ihre Prognose für KI-Investitionen zuletzt nach oben korrigiert und erwartet weltweite Ausgaben von umgerechnet rund 1,3 Billionen Euro bis 2028.

Wettbewerb verschärft sich

Im Ringen um die Vorherrschaft bei Unternehmensanwendungen zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Eine Analyse des Sicherheitsdienstleisters Okta für den Zeitraum Juni 2022 bis Juni 2026 zeigt: Microsoft 365 hat zwar die größte installierte Basis, doch der KI-Spezialist Anthropic führt das Wachstumsranking mit einem Indexwert von 100 an – OpenAI folgt mit 66,9 Punkten. Rund 57 Prozent der Unternehmen setzen inzwischen auf mindestens zwei verschiedene KI-Plattformen.

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Interne Hürden und Sicherheitsrisiken

Das größte Hindernis für die Skalierung von KI ist jedoch die mangelnde Vorbereitung der Führungsetagen. Laut ManpowerGroup halten nur drei Prozent der Unternehmen ihre Führungskräfte für bereit, KI-gestützte Teams zu leiten. Der IT-Dienstleister HCLTech berichtet, dass 62 Prozent der Geschäftsführer frustriert sind über das langsame Tempo ihrer IT-Abteilungen bei der Umsetzung von KI-Projekten.

Hinzu kommen wachsende Sicherheitsbedenken. Unisys stellte fest, dass 49 Prozent der Unternehmen im vergangenen Jahr einen Cyberangriff erlitten haben – ein deutlicher Anstieg gegenüber 17 Prozent im Vorjahreszeitraum. Die Einführung von Presence erfolgte vor diesem Hintergrund: OpenAI hatte zuvor einen Sicherheitsvorfall eingeräumt, bei dem Schwachstellen autonom ausgenutzt wurden. Die neuen Sicherheitsvorkehrungen und Governance-Richtlinien der Plattform sind daher ein zentrales Verkaufsargument.

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