PRIMAvera-Studie, Sehvermögen

PRIMAvera-Studie: 81 Prozent verbesserten ihr Sehvermögen nach 12 Monaten

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 17:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

In der PRIMAvera-Studie verbesserte sich das Sehvermögen bei 26 von 32 ausgewerteten Teilnehmenden nach zwölf Monaten klinisch relevant.

PRIMA-Netzhautchip: Erste Implantation nach EU-Zulassung in Lübeck
Ein steriler, moderner Operationssaal in der Augenheilkunde mit reflektierenden Edelstahloberflächen und klinischer Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt.

Mit dem Netzhautchip PRIMA steht der Augenheilkunde eine neue technologische Behandlungsoption für Menschen mit schwerem Sehverlust zur Verfügung. Nach der im Juli 2026 erteilten CE-Kennzeichnung fand am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) am Campus Lübeck die weltweit erste Implantation dieses Systems nach der EU-Zulassung statt.

Der Eingriff wurde bei der 80-jährigen Patientin Gisela Sudhop vorgenommen, die infolge einer geographischen Atrophie, der fortgeschrittenen trockenen Form der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD), erblindet war. Durchgeführt wurde die Operation von Prof. Dr. Salvatore Grisanti. Laut Berichten vom Herbst 2026 war der Chip der Patientin im September implantiert worden.

Funktionsweise und technische Grundlagen

Das miniaturisierte Implantat misst lediglich 2 mal 2 Millimeter, ist etwa 30 Mikrometer dünn und verfügt über 378 photovoltaische Pixel. Der Chip wird operativ direkt unter die Netzhaut gesetzt.

Das Gesamtsystem funktioniert kabellos und benötigt keine implantierte Batterie: Eine eigens entwickelte Spezialbrille mit integrierter Mikrokamera nimmt die visuelle Umgebung auf und projiziert die Bildinformationen mittels Nahinfrarotlicht auf den Chip im Auge. Zur individuellen Justierung und Einstellung des Bildsignals wird die Brille an einen Laptop angeschlossen.

Klinische Ergebnisse aus der PRIMAvera-Studie

Die wissenschaftliche Grundlage des Verfahrens liefert die multizentrische PRIMAvera-Studie, deren Resultate im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden. Auf einer Kongress-Pressekonferenz der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) verwies Prof. Lars-Olof Hattenbach auf die publizierten Studiendaten, wie Berichte von Anfang Oktober 2026 festhielten.

Im Rahmen der Untersuchung erhielten 38 Patientinnen und Patienten das Implantat. Von 32 Personen, deren Verläufe nach einem Zeitraum von 12 Monaten ausgewertet werden konnten, verzeichneten 26 Teilnehmende – dies entspricht einem Anteil von 81 Prozent – eine klinisch relevante Verbesserung des Sehvermögens.

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Konkret gewannen sie eine Sehschärfe von mindestens 10 ETDRS-Buchstaben hinzu, was etwa zwei Zeilen auf der Sehtafel entspricht. Zugleich blieb die natürliche Sehfunktion außerhalb der behandelten Netzhautareale im Durchschnitt unverändert erhalten.

Grenzen des Verfahrens und aktuelle Versorgungssituation

Trotz der technologischen Fortschritte bedeutet der Netzhautchip keine vollständige Wiederherstellung des natürlichen Sehsinns. Das System bietet kein Farbsehen, zudem bleiben Auflösung und Gesichtsfeld technisch begrenzt. Fachärzte erwarten nach der Operation vorrangig eine Lesefähigkeit für mittelgroße Buchstaben, wofür Betroffene ein intensives Rehabilitationstraining über viele Monate hinweg absolvieren müssen.

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Die Altersabhängige Makuladegeneration gilt als die häufigste Ursache für Erblindungen in Deutschland. Bundesweit leben rund 1 Million Menschen mit einer diagnostizierten AMD, wobei der Anteil der fortgeschrittenen trockenen Form mit geographischer Atrophie auf etwa 400.000 Betroffene geschätzt wird.

Die Verfügbarkeit des PRIMA-Systems ist derzeit auf spezialisierte Studien- und Netzhautzentren beschränkt, da verbindliche Erstattungsmodelle im regulären Gesundheitssystem bislang noch nicht geklärt sind.

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