ProduktivitĂ€t: Deutsche Firmen wachsen um 0,3% â zu wenig fĂŒr Wettbewerb
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 16:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Analysen zur wirtschaftlichen Verfassung deutscher Familienunternehmen zeichnen ein kritisches Bild der Standortbedingungen. Eine Untersuchung der Stiftung Familienunternehmen von Ende August 2026 identifiziert den Abbau von BĂŒrokratie als den wesentlichen Hebel, um der anhaltenden ProduktivitĂ€tskrise zu begegnen.
Die Daten fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2025 belegen die angespannte Lage: Die 100 gröĂten Familienunternehmen verzeichneten einen inflationsbereinigten UmsatzrĂŒckgang von 2 Prozent, wĂ€hrend die BeschĂ€ftigtenzahl um 1 Prozent sank.
Sinkende UmsÀtze und geringes ProduktivitÀtswachstum
In den vergangenen sechs Jahren lag das ProduktivitÀtswachstum der Familienunternehmen bei lediglich 0,3 Prozent. Nach EinschÀtzung von Experten wÀre jedoch eine Steigerung auf 1,6 Prozent notwendig, um die WettbewerbsfÀhigkeit nachhaltig zu sichern.
Ein wesentlicher Faktor fĂŒr diese Entwicklung ist der RĂŒckstand bei der Digitalisierung. WĂ€hrend in DĂ€nemark bereits 42 Prozent der Unternehmen KĂŒnstliche Intelligenz (KI) nutzen, liegt dieser Anteil bei deutschen Familienunternehmen laut Berichten vom August 2026 bei nur 26 Prozent, was lediglich dem EU-Mittelfeld entspricht.
ErgĂ€nzend dazu zeigen Auswertungen des McKinsey Global Institute, dass Deutschland im internationalen Vergleich bei Zukunftsinvestitionen zurĂŒckfĂ€llt. Unter 34 untersuchten Industrie- und SchwellenlĂ€ndern belegte die Bundesrepublik den letzten Platz.
Die produktiven Nettoinvestitionen beliefen sich im Jahr 2024 auf lediglich 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung. Zum Vergleich: In den USA lag dieser Wert bei 4 Prozent, in der EU bei 2 Prozent und in China bei 23 Prozent. Seit 2008 sind die produktiven Nettoinvestitionen in Deutschland von einem Niveau von 2 Prozent kontinuierlich gesunken.
Standortfaktoren und regulatorische Hemmnisse
Namhafte Wirtschaftsvertreter kritisieren die Rahmenbedingungen am Standort Deutschland deutlich. Markus Miele, Gesellschafter des HausgerĂ€teherstellers Miele, bemĂ€ngelte Ende August 2026 eine fehlende Konsequenz in der Politik sowie Defizite beim BĂŒrokratieabbau und in der Infrastruktur.
Die ArbeitsproduktivitĂ€t entwickle sich rĂŒcklĂ€ufig, wĂ€hrend die Sozialabgaben auf eine Marke von 50 Prozent zusteuerten. Miele erwĂ€ge vor diesem Hintergrund den Bau eines neuen Werks in den USA. FĂŒr das Jahr 2025 wies das Unternehmen bei 23.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 5,2 Milliarden Euro aus.
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Auch Siemens-Chef Roland Busch sieht die europĂ€ische Regulierung kritisch. Das zweijĂ€hrige Gesetzgebungsverfahren fĂŒr den EU AI Act sei angesichts einer sechs- bis achtmal schnelleren Entwicklung der KI-Technologie zu langwierig. Diese regulatorische TrĂ€gheit fĂŒhre zu InvestitionszurĂŒckhaltung. Gleichzeitig verwies Busch darauf, dass Siemens massiv von KI-Rechenzentren profitiere, insbesondere in den USA.
ZusÀtzlich belasten hohe Energiekosten die Betriebe. Daten des Portals Verivox zufolge weist Deutschland mit 35,6 Cent pro Kilowattstunde die höchsten Strompreise unter den G20-Staaten auf. Mehr als 60 Prozent dieses Preises entfallen auf Steuern, Umlagen, Abgaben und Netzentgelte.
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Politische Reformvorhaben und fiskalische Herausforderungen
Die Politik reagiert mit verschiedenen Initiativen auf die wirtschaftliche EintrĂŒbung. Die Koalition aus CDU/CSU und SPD hat fĂŒr den Zeitraum bis zum Jahresende 2026 ein Reformpaket angekĂŒndigt, das unter anderem eine flexibilisierung des Arbeitsmarktes und einen gezielten BĂŒrokratieabbau vorsieht.
Geplant sind zudem MaĂnahmen zum Schutz der heimischen Industrie vor unfairer Konkurrenz, insbesondere durch beschleunigte Anti-Dumping-Verfahren gegenĂŒber chinesischen Importen.
Die fiskalische Situation bleibt jedoch angespannt. FĂŒr das Jahr 2027 plant der Bund eine Kreditaufnahme von 203 Milliarden Euro inklusive Sondervermögen.
Die Zinsausgaben werden fĂŒr 2027 auf 41,9 Milliarden Euro taxiert und könnten bis 2030 auf 80,7 Milliarden Euro steigen. Das ifo-Institut merkte hierzu kritisch an, dass 95 Prozent der Kredite aus Sondervermögen nicht investitionswirksam seien.
WĂ€hrend die Erbschaft- und Schenkungsteuer im Jahr 2025 mit 21,4 Milliarden Euro einen deutlichen Anstieg um 60,8 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr verzeichnete, warnen WirtschaftsverbĂ€nde wie der BDI vor einer fortschreitenden Deindustrialisierung. Aktuell verliere Deutschland monatlich durchschnittlich 15.000 IndustriearbeitsplĂ€tze.
