Prognosemärkte: US-Gericht erlaubt Regulierung als Glücksspiel
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein US-Berufungsgericht hat am 28. August 2026 entschieden, dass US-Bundesstaaten Prognosemärkte als Glücksspiel regulieren dürfen. Das Urteil des 9. Bezirksgerichts, das mit einer 3:0-Stimmenmehrheit gefällt wurde, lehnt Versuche ab, Verträge auf Sportergebnisse als Finanzderivate (Swaps) zu klassifizieren. Damit wird die Position mehrerer Bundesstaaten gestärkt, die eine strengere Aufsicht über digitale Plattformen fordern.
Grundsatzurteil im Konflikt um die Regulierungshoheit
Die Entscheidung der Richter Nelson, Bade und Lee bestätigt das Vorgehen des Bundesstaates Nevada gegen die Handelsplattform Kalshi. Das Gericht stellte fest, dass es sich bei Verträgen über Sportereignisse rechtlich um Sportwetten und nicht um Swaps handelt. Damit wurde eine einstweilige Verfügung gegen ein Einschreiten der Behörden in Nevada aufgehoben. Von der Entscheidung sind neben Kalshi auch Anbieter wie Crypto.com und Robinhood betroffen.
Das Urteil steht im direkten Widerspruch zu einer Entscheidung des 3. Bezirksgerichts vom April 2026, welches alle Ereignisverträge als Swaps eingestuft hatte.
Durch diesen sogenannten „Circuit Split“ zwischen verschiedenen Berufungsgerichten gilt eine Klärung durch den Supreme Court der Vereinigten Staaten als wahrscheinlich. Auf der Plattform Polymarket stieg die Wahrscheinlichkeit für eine Überprüfung durch das oberste Gericht nach dem Urteil auf 64 Prozent.
Rechtliche Konsequenzen für Plattformbetreiber
Das Gericht wies die Argumentation zurück, dass der Commodity Exchange Act (CEA) eine vorrangige Regulierung durch die Bundesbehörden erzwinge und einzelstaatliche Glücksspielgesetze aushebele. Während Kalshi eine weitere Überprüfung des Urteils ankündigte, verwies die Gegenseite auf bestehende Richtlinien wie die CFTC-Regel 40.11, die Glücksspielverträge untersagt.
Parallel zum Verfahren in Nevada reichte der Generalstaatsanwalt von Connecticut, William Tong, am 28. August 2026 eine Klage gegen Kalshi ein. Tong begründete dies damit, dass Sport-Ereignisverträge sich faktisch nicht von herkömmlichen Sportwetten unterschieden.
Jovy Dedaj, Leiter der Rechtsabteilung bei Kalshi, kritisierte hingegen eine ungleiche Durchsetzung der bestehenden Vorschriften. Laut Angaben der American Gaming Association (AGA) entgingen den Bundesstaaten durch unregulierte Prognosemärkte bereits Steuereinnahmen von mehr als 1 Milliarde US-Dollar.
Das jüngste Urteil des 9. Bezirksgerichts erlaubt Bundesstaaten, Prognosemärkte als Glücksspiel zu regulieren – ein Gamechanger für Plattformbetreiber. Wer jetzt nicht handelt, riskiert Bußgelder und den Verlust der Betriebslizenz. Jetzt kostenlosen Leitfaden zur Regulierung anfordern
Politischer Druck und regulatorische Neuausrichtung
Die Debatte über die Einordnung dieser Märkte beschäftigt auch die Bundespolitik. Anfang August 2026 äußerten Vertreter indigener Gemeinschaften vor dem Senatsausschuss für Indianerangelegenheiten Besorgnis darüber, dass Prognosemärkte den Indian Gaming Regulatory Act (IGRA) gefährden könnten.
Im Geschäftsjahr 2025 beliefen sich die Einnahmen aus dem Glücksspielbetrieb der Stämme auf 46,2 Milliarden US-Dollar, wobei jährlich rund 450 Millionen US-Dollar für die Einhaltung regulatorischer Vorschriften aufgewendet werden. In diesem Kontext wurde mit dem „Prediction Markets Are Gambling Act“ (S.4160) bereits ein parteiübergreifender Gesetzentwurf eingebracht.
Auf Behördenebene skizzierte der Vorsitzende der Commodity Futures Trading Commission (CFTC), Michael Selig, Mitte August 2026 einen Fahrplan für die künftige Regulierung. Vorgeschlagen wurden Änderungen an der Regel 40.11, um klare Kriterien für Glücksspiel und das öffentliche Interesse zu definieren.
Ein beratender Ausschuss der CFTC, dem unter anderem die CEOs von Kalshi, Polymarket, Coinbase und Robinhood angehören, diskutierte zudem über Maßnahmen gegen Marktmanipulationen bei sogenannten „Mention Markets“.
Internationale Entwicklungen
Der Circuit Split zwischen dem 9. und 3. Bezirksgericht schafft erhebliche Rechtsunsicherheit – der Supreme Court wird voraussichtlich entscheiden. Bis dahin müssen Sie Ihre Compliance-Strategie anpassen, um in allen Bundesstaaten handlungsfähig zu bleiben. Leitfaden zur Rechtslage jetzt sichern
Auch außerhalb der USA verschärft sich der regulatorische Rahmen. Die kanadischen Wertpapieraufsichtsbehörden (CSA) erklärten am 27. August 2026, dass Prognosemärkte für Sport und Unterhaltung nicht unter das Wertpapierrecht fallen sollten.
In Kanada sind derzeit Wealthsimple und Interactive Brokers die einzigen zugelassenen Plattformen, wobei deren Angebot auf wirtschaftliche, finanzielle und klimatische Themen begrenzt bleibt. In Europa leiteten bereits im Juni 2026 neun Glücksspielregulierer koordinierte Maßnahmen gegen nicht lizenzierte Betreiber ein, um die Einhaltung regionaler Standards sicherzustellen.
