PROGRESS-Studie: Frühe TAVR senkt Risiko bei 744 Patienten um 33 Prozent
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deKlinische Daten zur Behandlung der Aortenklappenstenose deuten auf einen möglichen Wandel bei der Betreuung von Patienten im mittelschweren Krankheitsstadium hin.
Wie Berichte von Anfang November 2026 über die beim Fachkongress TCT 2026 in San Diego vorgestellte und im New England Journal of Medicine veröffentlichte PROGRESS-Studie zeigen, war eine frühzeitige Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVR) der reinen klinischen Überwachung bei Betroffenen mit zusätzlichen Risikomerkmalen überlegen.
Ergebnisse der PROGRESS-Studie zu früher TAVR
In der von Edwards Lifesciences finanzierten PROGRESS-Studie untersuchten Forschende an 74 Zentren in den USA, Japan, Australien, Europa und Kanada insgesamt 744 Patienten ab 65 Jahren. Das mittlere Alter lag bei 78 Jahren, der Frauenanteil bei 39,1 Prozent und 45,6 Prozent wiesen ein niedriges chirurgisches Risiko auf.
Über 95 Prozent der Teilnehmenden waren symptomatisch, über 90 Prozent hatten eine Ejektionsfraktion von mindestens 50 Prozent, die mittlere Klappenfläche lag bei 1,2 cm² und die mittlere Spitzengeschwindigkeit bei 3,3 m/s.
Die Probanden wurden auf eine frühe TAVR mit SAPIEN-3-Ventilen (373 Patienten) oder eine klinische Überwachung (371 Patienten) randomisiert. Den Berichten zufolge erreichte die frühe TAVR beim primären zusammengesetzten Endpunkt aus Tod oder Herzinsuffizienz-Ereignis nach zwei Jahren eine Rate von 16,7 Prozent gegenüber 23,9 Prozent unter Überwachung. Dies entspricht einer Risikodifferenz von –7,2 Prozentpunkten (95 % CI –13,1 bis –1,3; p=0,02) sowie einer relativen Risikoreduktion von 33 Prozent.
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Beim sekundären Endpunkt aus Tod, Schlaganfall oder herzinsuffizienzbedingter Hospitalisierung standen 17,7 Prozent in der TAVR-Gruppe 23,3 Prozent in der Kontrollgruppe gegenüber. Krankenhausaufenthalte wegen Herzinsuffizienz traten bei 7,4 Prozent (26 Patienten) unter früher TAVR und bei 14,9 Prozent (52 Patienten) unter Überwachung auf.
Die Gesamtmortalität nach zwei Jahren blieb in beiden Armen ähnlich. Hinsichtlich der Lebensqualität (KCCQ) zeigte sich nach 30 Tagen ein Zuwachs von 15,5 Punkten unter TAVR; eine KCCQ-Verbesserung um mindestens 10 Punkte erreichten 39 Prozent gegenüber 23,2 Prozent der überwachten Patienten.
In der Kontrollgruppe wechselten 27 Prozent binnen eines Jahres und 57 Prozent binnen zwei Jahren zum Klappenersatz; von diesen 204 Patienten wiesen rund 80 Prozent ein Fortschreiten zur schweren Stenose auf.
Registerdaten und klinische Einordnung
Die Bedeutung von Risikofaktoren unterstreicht auch eine in JACC publizierte Untersuchung des US-amerikanischen egnite-Registers, das seit Januar 2022 Daten aus 48 Institutionen erfasst.
Von 53.994 erfassten Patienten litten 35.343 an einer mittelschweren und 18.651 an einer schweren Stenose. 78,7 Prozent der Patienten mit mittelschwerer Ausprägung wiesen mindestens ein Risikomerkmal wie Symptome, eine Ejektionsfraktion unter 60 Prozent, diastolische Dysfunktion ab Grad 2, einen niedrigen Schlagvolumenindex, Vorhofflimmern oder erhöhte natriuretische Peptide auf; bei asymptomatischen Betroffenen waren es 69,9 Prozent.
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Im Register lag die Zwei-Jahres-Mortalität mit Risikomerkmalen bei 20,1 Prozent gegenüber 9,0 Prozent ohne solche Faktoren. Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz betrafen 44,6 Prozent mit gegenüber 21,9 Prozent ohne Risikomerkmale.
Bemerkenswert ist, dass 86 Prozent der Herzinsuffizienz-Aufenthalte und 90 Prozent der Todesfälle noch im mittelschweren Stadium eintraten. Einen Klappenersatz erhielten binnen zwei Jahren 20 bis 23 Prozent der Patienten mit mittelschwerer, aber 50,1 Prozent mit schwerer Stenose.
Die Aortenklappenstenose gilt als häufigste Herzklappenerkrankung in den USA und betrifft bis zu 3,7 Prozent der Allgemeinbevölkerung, wobei transthorakale Echokardiographien zur Einstufung dienen. Spezifische medikamentöse Therapien zur Umkehrung fehlen bislang.
Catherine M. Otto merkte in einem begleitenden Editorial an, dass TAVR nicht für die Mehrheit der Erwachsenen mit mittelschwerer Stenose geeignet sei, bei ausgewählten älteren Hochrisikopatienten jedoch erwogen werden könne.
Da SAPIEN-3-Ventile für mittelschwere Fälle noch investigational sind, stehen Langzeitdaten zur Ventilhaltbarkeit und zum Überleben über die geplante zehnjährige Nachbeobachtung der PROGRESS-Studie noch aus.
