Project Kilby: Microsoft und Chevron bauen 2,67-GW-Rechenzentrum
24.06.2026 - 13:34:50 | boerse-global.de
Ein 20-Jahres-Deal zwischen Microsoft und Chevron soll eines der größten KI-Rechenzentren der Welt entstehen lassen. Das Projekt in West-Texas umgeht bewusst das öffentliche Stromnetz.
Der Energiehunger Künstlicher Intelligenz treibt ungewöhnliche Allianzen voran. Microsoft und der Ölkonzern Chevron haben eine Partnerschaft für ein gemeinsames Gas-Kraftwerk und Rechenzentrum in West-Texas besiegelt. Das Vorhaben trägt den Namen Project Kilby und setzt auf eine sogenannte „Behind-the-Meter"-Lösung: Der Strom fließt direkt vom Kraftwerk in die Server – ohne Umweg über das öffentliche Netz.
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Gigantische Dimensionen in der Wüste
Die Anlage nahe der Stadt Pecos im Reeves County ist auf eine Leistung von rund 2,67 Gigawatt ausgelegt. Das entspricht in etwa der Kapazität von zwei großen Atomkraftwerken. Microsoft plant, auf dem Gelände ein Rechenzentrum mit rund 2 GW Kapazität zu errichten – der Bau soll sich über die nächsten fünf bis sieben Jahre erstrecken.
Die Energie liefern Turbinen von GE Vernova und Solar Turbines (Caterpillar). Als Brennstoff dient Erdgas aus dem nahen Permian-Becken – darunter auch Gas, das bisher schlicht abgefackelt wurde. Chevrons Tochter Energy Forge One hat den Stromabnahmevertrag über 20 Jahre mit Microsoft unterzeichnet.
Die Kosten sind gewaltig: Branchenkreise beziffern die erste Bauphase auf rund 7 Milliarden Euro, die Gesamtinvestition könnte auf 9 Milliarden Euro steigen. Die endgültige Investitionsentscheidung fällt bis Ende 2026, der erste Strom soll 2028 fließen.
Wirtschaftlicher Boom für die Region
Die wirtschaftlichen Effekte für Texas sind enorm. Nach Angaben der Projektpartner könnten mehr als 6.000 Arbeitsplätze in der Bauphase entstehen, dazu hunderte Dauerstellen im Betrieb. Die Steuereinnahmen für den Bundesstaat und die lokalen Gemeinden werden auf rund 10 Milliarden Euro geschätzt.
Umweltschutz spielt bei dem Mammutprojekt eine wichtige Rolle. Das Kraftwerk nutzt kein Trinkwasser, sondern salzhaltiges Grundwasser aus tiefen Schichten. Die Rechenzentren arbeiten mit geschlossenen Kühlkreisläufen, um den Wasserverbrauch zu minimieren. Zudem kommen selektive Katalysatoren zum Einsatz, die Stickoxid-Emissionen drastisch reduzieren sollen.
Chevron arbeitet bei der Entwicklung mit der Investmentfirma Engine No. 1 zusammen, die eine Option auf 50 Prozent der Projektanteile hält.
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KI als Treiber des Energiebedarfs
Project Kilby ist Teil einer aggressiven Expansionsstrategie von Microsoft. Der Konzern will seine weltweite Rechenzentrumskapazität innerhalb von zwei Jahren verdoppeln – angetrieben durch die Nachfrage nach KI-Diensten wie ChatGPT und dem Microsoft-Assistenten Copilot.
Die Investitionen sprechen eine deutliche Sprache: Microsoft gibt in diesem Jahr voraussichtlich rund 190 Milliarden Euro aus – ein Anstieg um mehr als 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Löwenanteil fließt in die Dateninfrastruktur.
Der Trend zu eigenen Kraftwerken ist kein Zufall. Die Internationale Energieagentur rechnet damit, dass KI-Rechenzentren bis 2030 zusätzlich 160 Terawattstunden Strom verbrauchen werden. Immer mehr Hyperscaler wie Microsoft, Google und Amazon bauen deshalb ihre eigene Energieversorgung auf – um langfristige Versorgungssicherheit zu garantieren und die öffentlichen Netze zu entlasten.
