Projekt Pontes startet September: EZB verbindet DLT mit TARGET
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 03:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen des Jackson-Hole-Symposiums am 28. August 2026 hat Isabel Schnabel, Direktorin bei der Europäischen Zentralbank (EZB), eine weitreichende Modernisierung der zentralbanklichen Reservehaltung gefordert.
Die Expertin sprach sich dafür aus, staatliche Reserven auf Basis der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) abzubilden. Die Tokenisierung von Zentralbankgeld sei angesichts der technologischen Entwicklung nicht länger optional, sondern eine notwendige Anpassung an moderne Finanzstrukturen.
Vorteile von Programmierbarkeit und Atomizität
In ihrer Argumentation hob Schnabel hervor, dass die Blockchain-Technologie entscheidende Vorteile wie Atomizität und Programmierbarkeit biete. Diese Eigenschaften könnten die Effizienz im Zahlungsverkehr und in der Verwaltung von Staatsreserven deutlich steigern.
In Bezug auf Stablecoins vertrat die EZB-Direktorin die Ansicht, dass diese privatrechtlichen Digitalwährungen Zentralbankgeld nicht ersetzen könnten. Aufgrund ihrer elastischen Liquidität seien sie jedoch als Ergänzung zum staatlichen Geldwesen vorstellbar.
Unterstützung erhielt diese Position von Agustín Hernández de Cos, dem Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der sich den Ausführungen Schnabels anschloss. Die EZB kann hierbei bereits auf erste praktische Erfahrungen zurückgreifen: Im Jahr 2024 wurden DLT-Pilotversuche mit 64 Teilnehmern durchgeführt, bei denen ein Transaktionsvolumen von 1,6 Mrd. Euro abgewickelt wurde.
Start des Projekts Pontes im September 2026
Um die theoretischen Forderungen in die Praxis umzusetzen, verfolgt das Eurosystem spezifische Projekte zur On-Chain-Abwicklung. Während das Projekt Appia weiterhin die Grundlagen erforscht, steht der Start des Nachfolgeprojekts Pontes unmittelbar bevor. Ab September 2026 soll Pontes die bestehenden TARGET-Services der Zentralbanken mit externen DLT-Plattformen verknüpfen, um eine nahtlose Integration digitaler Assets zu ermöglichen.
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Internationale Bestrebungen für Krypto-Reserven und Stablecoins
Die Vorstoß der EZB erfolgt in einem Marktumfeld, in dem auch Nationalstaaten und Institutionen zunehmend die Integration von Krypto-Assets prüfen. In Taiwan forderte der Gesetzgeber Ko Ju-chun während der Bitcoin Asia, dass die Schaffung einer nationalen Bitcoin-Reserve ein Ziel für die nahe Zukunft sein müsse, wenngleich Details zur Finanzierung noch ausstehen.
Ähnliche Bestrebungen zeigt Pakistan, wo Bilal Bin Saqib, Vorsitzender der PVARA, vorschlug, eine strategische Bitcoin-Reserve aus beschlagnahmten Vermögenswerten aufzubauen. Pakistan hat zudem mit dem Virtual Assets Act 2026 einen Regulierungsrahmen geschaffen und verzeichnete bereits im Februar 2026 wichtige Fortschritte in der Governance digitaler Assets.
Parallel dazu bereitet ein Konsortium aus mehr als zwölf internationalen Großbanken, darunter die Deutsche Bank, Santander, Barclays und die Bank of America, die Emission eigener Stablecoins auf öffentlichen Blockchains vor.
Ermöglicht wird dies durch den GENIUS Act vom 18. Juli 2025. Während die beteiligten Institute auf diese neue Kooperation setzen, hat JPMorgan entschieden, sich nicht zu beteiligen und stattdessen den hauseigenen JPM Coin weiter zu forcieren.
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Kommerzielle Nutzung und regulatorische Rahmenbedingungen
Auch im privaten Bankensektor schreitet die Adaption voran. Die Sberbank, Russlands größtes Kreditinstitut, plant nach einer entsprechenden Zulassung durch die Zentralbank die Vergabe von Krediten gegen Kryptowährungen als Sicherheiten. Dabei sollen Bitcoin, Ethereum und Tether (USDT) als Pfand dienen. Ein Pilotprojekt im vergangenen Jahr nutzte bereits selbst geschürfte Kryptobestände als Sicherheit.
Die Sberbank wartet derzeit auf die finale Autorisierung durch die Bank von Russland. Ab dem 1. September 2026 tritt zudem das Gesetz 282-FZ in Kraft, das eine Meldepflicht für im Ausland gehaltene Kryptobestände einführt. Die russische Zentralbank verschärfte bereits im ersten Halbjahr 2026 die Aufsicht und markierte in diesem Zeitraum rund 2.600 Wallets.
Zusätzlich verfolgen börsennotierte Unternehmen wie die Genius Group langfristige Strategien: Das Unternehmen plant bis zum Geschäftsjahr 2031 den Aufbau eines Bitcoin-Treasury im Wert von 827 Mio. US-Dollar sowie eines KI-Portfolios über 800 Mio. US-Dollar. Nach der Rückzahlung von Schulden in Höhe von 8,5 Mio. US-Dollar beabsichtigt die Gruppe, im vierten Quartal 2026 wieder aktiv Bitcoin anzukaufen.
