Prokrastination: 98% der Bevölkerung schieben Aufgaben auf
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 07:11 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Das belegen Daten der Universität Münster. Die restlichen 98 Prozent kennen das Phänomen: Prokrastination ist kein schlechtes Zeitmanagement, sondern ein emotionales Problem.
Die Amygdala ist schuld
Forschende der Ruhr-Universität Bochum fanden heraus: Bei Menschen mit starker Prokrastination ist das Gefühlszentrum im Gehirn – die Amygdala – größer. Gleichzeitig ist die handlungssteuernde Region weniger aktiv. Das Aufschieben ist also eine Herausforderung der Emotionsregulation, nicht der Organisation.
Eine Studie der Universität Tokio aus dem Jahr 2024 bestätigt diesen Zusammenhang. Unter der Leitung von Saya Kashiwakura wurden knapp 300 junge Menschen befragt. Ergebnis: Optimisten schieben seltener auf. Wer eine stressfreie Zukunft erwartet, arbeitet im Hier und Jetzt effizienter.
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Konzentration hat Grenzen
Dauerhafte Konzentration ist fürs Gehirn zu anstrengend, sagt Neurowissenschaftlerin Sabine Kastner von der Princeton University. Arbeitspsychologin Anja Baethge präzisiert: Ohne bewusste Pause hält die Konzentration maximal eine Stunde.
Hinzu kommen Unterbrechungen. In der Pflege etwa werden Beschäftigte bis zu 60 Mal pro Frühschicht gestört. Niklas Johannes von der University of Oxford zeigt: Allein die Sichtbarkeit eines Smartphones steigert das Ablenkungsgefühl – auch wenn die Leistung in Tests nicht zwangsläufig sinkt.
Hilfe für Aufschieber
Die Universität Münster betreibt eine spezialisierte Prokrastinations-Ambulanz mit anonymem Selbsttest. Seit 2012 gibt es die Berliner Selbsthilfegruppe T.U.N., gegründet von Constantin Bartning.
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Hochschulen entwickeln eigene Formate. Die Bergische Universität Wuppertal plant für den 27. August 2026 die elfte „nacht.schicht“. Von 18 bis 4 Uhr stehen rund 100 Arbeitsplätze bereit, ergänzt durch Beratung, Workshops und Erholungsphasen.
Kleine Schritte, große Wirkung
Resilienz-Expertin Natalie Spalding von der ZHAW warnt: Erschöpfung wird in der Leistungsgesellschaft normalisiert. Oft schieben wir auf, weil wir zu oft „Ja“ sagen. Statt großer Vorsätze helfen kleine, kontinuierliche Anpassungen im Alltag. Sie senken den Stresspegel und geben die Handlungsfähigkeit zurück.
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