Prostatabeschwerden: Beckenbodentraining mit 5 Sekunden Anspannung lindert Symptome
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deEin gezieltes Training der Beckenbodenmuskulatur kann typische Beschwerden bei Erkrankungen der Prostata spürbar abschwächen. Vor allem bei chronischer Prostatitis, einer benignen Prostatahyperplasie (BPH) sowie im Rahmen der Rehabilitation nach einer operativen Prostataentfernung lassen sich Symptome wie unvollständige Entleerung, imperativer Harndrang, ein abgeschwächter Harnstrahl und Harninkontinenz verringern.
Fachberichte stellen jedoch klar, dass die Kräftigung der sogenannten Pubococcygeus-Muskulatur (PC-Muskulatur) eine rein symptomatische Linderung darstellt und die zugrunde liegende Erkrankung nicht heilt.
Konkreter Übungsablauf für die Muskulatur
Für das Training bei Prostatabeschwerden wird eine feste Struktur empfohlen: Die Muskulatur wird für fünf Sekunden angespannt und anschließend für zehn Sekunden gelockert. Vorgesehen sind zehn bis 15 Wiederholungen pro Durchgang bei täglich drei bis vier Durchgängen.
Das Übungsprogramm beginnt in der Regel im Liegen und wird bei fortschreitender Stabilisierung auf das Sitzen und Stehen ausgeweitet. Treten während der Übungen Schmerzen auf oder stellt sich nach mehreren Wochen oder Monaten keine Besserung ein, wird zu einer Abklärung durch einen Urologen oder spezialisierten Beckenboden-Physiotherapeuten geraten.
Das Training zeigt auch in anderen Bereichen funktionelle Relevanz: Urologe Huang Pin-jui empfiehlt Beckenbodenübungen nach dem Kegel-Prinzip bei erektiler Dysfunktion, von der in Taiwan rund 50 Prozent der Männer über 40 Jahren betroffen sind. Sein Schema sieht dabei vor, die Muskeln drei bis fünf Sekunden lang anzuspannen, bei zehn Wiederholungen in drei Sätzen pro Tag.
Einsatz nach operativen Eingriffen und bei Krebs
Besondere Bedeutung hat die Beckenboden-Rehabilitation nach operativen Eingriffen. Die Dimensionen von Krebserkrankungen verdeutlicht eine Projektion des brasilianischen Krebsinstituts INCA, das zwischen 2026 und 2028 mit jährlich 77.920 Prostatakrebs-Neuerkrankungen im Land rechnet – der häufigste bösartige Tumor bei Männern abseits des nicht-melanozytären Hautkrebses.
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Nach einer radikalen Prostatektomie kann Beckenboden-Physiotherapie, ergänzt durch Biofeedback und Elektrostimulation, Inkontinenz verringern und die sexuelle Funktion verbessern.
Ein Beginn bereits vor dem operativen Eingriff erleichtert das spätere Ansteuern der Muskelgruppen. Nach der Operation darf das Training nach der Katheterentfernung und mit urologischer Freigabe wieder aufgenommen werden.
In den ersten Wochen nach Prostataoperationen zählen Müdigkeit, Blut im Urin und Inkontinenz zu den häufigen, meist vorübergehenden Erscheinungen. Laut dem französischen Institut INCa verbleibt der Blasenkatheter nach einer radikalen Prostatektomie etwa eine Woche.
Tritt eine Belastungsinkontinenz länger als ein Jahr auf, stehen weitere medizinische Interventionen zur Verfügung. Bei Eingriffen wegen einer gutartigen Vergrößerung, wie der transurethralen Resektion (TURP), bleibt der Katheter in der Regel einen bis mehrere Tage; mögliche Begleiterscheinungen sind hier zeitweise Inkontinenz oder eine retrograde Ejakulation.
Auf eine ganzheitliche Erholung setzt das Prost-FIT-Programm der Prostate Cancer Foundation NZ, das Kraft-, Herz-Kreislauf- und Beckenbodentraining vor, während und nach einer Krebstherapie bündelt.
Der leitende Vertreter der Organisation, Peter Dickens, verweist darauf, dass Bewegung das psychische Wohlbefinden fördern und womöglich das Rückfallrisiko mindern könne. Teilnehmer Doug Cresswell berichtet nach dem Programm von Verbesserungen bei Kraft, Beweglichkeit und seelischer Verfassung.
Gutartige Vergrößerung: Diagnose und ergänzende Maßnahmen
Die benigne Prostatahyperplasie betrifft einen Großteil der älteren Männer: Mikroskopische Veränderungen sind bei etwa 40 bis 50 Prozent der Männer im Alter von 51 bis 60 Jahren nachweisbar und steigen nach dem 80. Lebensjahr auf über 80 Prozent, wenngleich nicht jeder Betroffene symptomatisch wird.
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Die BPH gilt nicht als Krebsvorstufe. Drei oder mehr nächtliche Toilettengänge ab dem 50. Lebensjahr können ein erstes Warnzeichen darstellen, ebenso wie Harndrang oder Schmerzen. Akute Harnverhaltung, sichtbares Blut im Urin oder Fieber erfordern jedoch unverzügliche ärztliche Hilfe.
Zur BPH-Diagnostik gehören der IPSS-Fragebogen, Urin- und PSA-Tests, Tastuntersuchungen und Ultraschall. Das therapeutische Spektrum reicht von Verfahren wie UroLift, Rez?m oder TURP bis hin zu Medikamenten.
Alpha-Blocker wie Tamsulosin entspannen die Muskeln an Prostata und Blasenbals, können aber Nebenwirkungen wie Schwindel oder Ejakulationsstörungen haben. 5-Alpha-Reduktase-Hemmer wie Finasterid und Dutasterid verkleinern die Drüse langsam, wobei Finasterid bis zu sechs Monate bis zur vollen Wirkung benötigt.
Das US National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases weist darauf hin, dass Anpassungen des Lebensstils – darunter regelmäßige Bewegung, das Meiden von Harnverhalt sowie der Verzicht auf Flüssigkeit zwei bis drei Stunden vor dem Schlafen und die Reduktion von Koffein – die Symptome zusätzlich entlasten können.
