Prostatakarzinom: Neue Antikörper senkt PSA-Wert bei 82% der Patienten
13.06.2026 - 01:22:00 | boerse-global.de
Die Onkologie macht einen großen Schritt nach vorn: Die FDA hat eine neue Kombinationstherapie zugelassen, und ein experimenteller Antikörper zeigt beeindruckende Ergebnisse. Doch die Debatte um die Früherkennung bleibt hitzig.
FDA gibt grünes Licht für AstraZeneca-Wirkstoff
Am 12. Juni erteilte die US-Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für eine neue Kombinationstherapie von AstraZeneca. Der Wirkstoff Truqap ist für Patienten mit metastasiertem, hormonsensitivem Prostatakarzinom gedacht – vorausgesetzt, sie weisen eine spezifische PTEN-Defizienz auf.
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Die Entscheidung stützt sich auf die CAPItello-281-Studie. Sie belegte eine Reduktion des Risikos für ein Fortschreiten der Erkrankung oder den Tod um 19 Prozent. Zeitgleich ließ die FDA ein Begleitdiagnostikum zu, das geeignete Patienten identifiziert.
Antikörper VIR-5500: „Beispiellose“ Ergebnisse
Auf dem ASCO-Symposium in San Francisco sorgte ein neuartiger Antikörper für Aufsehen. VIR-5500 zeigte in einer Phase-1-Studie unter der Leitung von Johann de Bono bemerkenswerte Resultate – bei Patienten, deren bisherige Therapien versagt hatten.
In hoher Dosierung sank der PSA-Wert bei 82 Prozent der Teilnehmer um mindestens die Hälfte. Fast ein Drittel erreichte sogar eine Senkung um 99 Prozent. Der Clou: Der Wirkstoff wird erst innerhalb des Tumors aktiviert. Das verbessert die Verträglichkeit – 88 Prozent der Nebenwirkungen waren mild.
Die große Screening-Debatte
Trotz therapeutischer Fortschritte bleibt die Früherkennung umstritten. Ein aktueller Cochrane-Review mit rund 800.000 Teilnehmern zeigt die Ambivalenz des PSA-Screenings: Die Sterblichkeit sinkt zwar, aber rechnerisch müssen 500 Männer untersucht werden, um einen Todesfall zu verhindern.
Die Kehrseite: Zwischen 8 und 47 Prozent der behandelten Männer leiden unter Inkontinenz oder Impotenz. Überdiagnosen sind das große Problem.
Die Wiener Ärztekammer fordert daher ein strukturiertes, risikoadaptiertes Programm. Männer zwischen 40 und 70 Jahren sollen aktiv eingeladen werden, die Testintervalle vom initialen PSA-Wert abhängen. Shahrokh Shariat vom AKH Wien betont: Für die meisten reichen zwei bis drei Tests im Leben.
In Deutschland berät der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) über ein ähnliches Modell – unter Einbeziehung der MRT-Diagnostik.
Zombie-Zellen im Visier der Forschung
Ein neuer Ansatz zielt auf resistente Krebszellen. Eine Studie in Nature Cell Biology identifizierte das Enzym GPX4 als Schutzmechanismus für sogenannte „Zombie-Zellen“. Sie überdauern eine Chemotherapie. Blockierten Forscher das Enzym, reduzierte sich das Tumorwachstum in Mausmodellen signifikant.
GLP-1-Medikamente: Überraschender Nebeneffekt
Auf der ASCO-Tagung sorgte eine Beobachtungsstudie für Aufmerksamkeit. Bei über 12.000 Krebspatienten, die GLP-1-Medikamente einnahmen, lag das Metastasen-Risiko um bis zu 50 Prozent niedriger. Das Sterberisiko über sieben Krebsarten hinweg sank um rund ein Drittel.
Studienleiter Mark David Orland warnt jedoch vor voreiligen Schlüssen: „Das ist ein wichtiger Hinweis für künftige kontrollierte Studien.“ Eine direkte Heilwirkung sei nicht bewiesen.
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Diagnostik wird präziser
Roche erhielt am 11. Juni die IVDR-Zulassung für erweiterte Begleitdiagnostik. Für die zweite Jahreshälfte 2026 plant Pentixapharm den Start einer Phase-3-Studie mit einem speziellen Radiopharmakon.
Der Trend ist klar: Die Krebsmedizin wird immer individueller – mit dem Ziel, Therapien zielgenauer einzusetzen und Nebenwirkungen zu minimieren.
