Prostatakrebs: 24 Wochen Training können Fatigue bei der Therapie mindern
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 09:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die frĂŒhzeitige Erkennung von Prostatakarzinomen sowie der Erhalt der LebensqualitĂ€t wĂ€hrend und nach der Therapie gewinnen in der medizinischen Versorgung zunehmend an Bedeutung. Aktuelle klinische Beobachtungen und VersorgungsansĂ€tze unterstreichen dabei den Stellenwert von PSA-Tests im Rahmen einer individuellen Diagnostik sowie das Potenzial strukturierter Trainingsprogramme im Umgang mit therapiebedingter Fatigue.
Gezielte Bewegungsprogramme gegen Erschöpfung und Nebenwirkungen
Körperliche AktivitĂ€t erweist sich als wirksames Mittel gegen therapiebedingte Belastungen. Im Vereinigten Königreich, wo rund 600.000 MĂ€nner mit Prostatakrebs leben und etwa 300.000 im Verlauf eine Androgendeprivationstherapie (ADT) erhalten, bietet die Organisation Nuffield Health gemeinsam mit NHS-Trusts das kostenlose 24-Wochen-Programm âCancer Activity Programmeâ fĂŒr MĂ€nner unter Hormonentzug an. Eine Ausweitung des Programms auf Brust- und Darmkrebspatienten des National Health Service ist fĂŒr die Zeit vor 2030 vorgesehen.
Wissenschaftlich gestĂŒtzt wird dieser Ansatz durch die STAMINA-Studie der Sheffield Hallam University. Derek Rosario vom Sheffield Teaching Hospitals NHS Trust bezeichnete die MaĂnahme als die erste Lifestyle-Intervention dieser Art, die in groĂem MaĂstab in die englische Routine-Krebsversorgung integriert wird.
Als gröĂte Untersuchung ihres Fachgebiets belegte sie verbesserte krebsspezifische Ergebnisse und eine messbare Verringerung der Fatigue bei den Teilnehmern.
Erfahrungen aus Neuseeland stĂŒtzen diesen Trend: Das Programm âProst-FITâ der Prostate Cancer Foundation NZ verbindet Kraft-, Herz-Kreislauf- und Beckenbodentraining, um Nebenwirkungen wie Inkontinenz abzumildern. Laut der Organisation können Bewegungsprogramme vor, wĂ€hrend und nach der Behandlung ErschöpfungszustĂ€nde reduzieren, die Muskelkraft sowie die Knochengesundheit fördern und die kardiovaskulĂ€re Fitness steigern.
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FrĂŒherkennung und differenzierte Diagnostik
In Europa zĂ€hlt Prostatakrebs zu den hĂ€ufigsten bösartigen Neubildungen bei MĂ€nnern. Nach Angaben von Rolando Maria D'Angelillo, PrĂ€sident der Fachgesellschaft SIUrO, erkrankt in Italien einer von acht MĂ€nnern daran; jĂ€hrlich werden dort ĂŒber 40.000 Neuerkrankungen registriert.
D'Angelillo hĂ€lt die PSA-Bestimmung ab 50 Jahren fĂŒr sinnvoll, bei familiĂ€rer Belastung bereits ab 40 bis 45 Jahren. Bereits im Jahr 2022 empfahl die EuropĂ€ische Union PSA-Screenings fĂŒr MĂ€nner bis 70 Jahre, bei Bedarf ergĂ€nzt um eine multiparametrische Magnetresonanztomographie (MRT).
Ăber 90 Prozent der Betroffenen werden geheilt oder leben jahrzehntelang mit dem Befund; dennoch verzeichnet Europa jĂ€hrlich rund 7.000 zusĂ€tzliche metastatische FĂ€lle. Italien erprobt entsprechende Screening-Modelle in Pilotprojekten in der Lombardei, der Toskana und im Piemont.
Dr. Jack Andrews von der Mayo Clinic rĂ€t MĂ€nnern, ein Screening ab etwa 45 Jahren Ă€rztlich abzuwĂ€gen; bei familiĂ€rer Vorbelastung solle der Test zehn Jahre vor dem Diagnosealter des betroffenen Verwandten erfolgen. Da rund 99 Prozent der Patienten im FrĂŒhstadium beschwerdefrei sind, ermögliche der PSA-Test die Entdeckung von Tumoren vor ersten Symptomen.
Dr. Andrews verweist zudem auf ein erhöhtes Risiko fĂŒr aggressive VerlĂ€ufe bei schwarzen MĂ€nnern. Eine multiparametrische MRT helfe, Biopsie-Entscheidungen zu prĂ€zisieren, wobei Operation und Strahlentherapie vergleichbare Heilungsraten aufwiesen.
FachĂ€rzte warnen jedoch vor voreiligen SchlĂŒssen: Prof. Dr. Cemil Ayd?n vom VM Medical Park Samsun betont, dass ein PSA-Wert allein keine Krebsdiagnose begrĂŒndet. Erhöhte Werte können auch auf EntzĂŒndungen oder gutartige ProstatavergröĂerungen zurĂŒckgehen, wĂ€hrend ein Normalwert ein Karzinom nicht völlig ausschlieĂt.
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Die Deutsche Krebshilfe hebt hervor, dass die Erkrankung im Anfangsstadium symptomlos verlÀuft. Beschwerden wie Probleme bei der Blasen- oder Darmentleerung, Blut im Urin oder Schmerzen im Becken treten meist erst bei fortgeschrittenen Tumoren auf.
Regionale Vorsorgeangebote und AufklÀrung
Zur Erhöhung der Teilnahmequote setzen regionale Institutionen auf gezielte AufklĂ€rung. In Ăsterreich startete die Wiener Ărztekammer die Kampagne âIch habâs gechecktâ. Deren VizeprĂ€sidentin Naghme Kamaleyan-Schmied empfiehlt MĂ€nnern ab 50 Jahren eine FrĂŒherkennungsuntersuchung im Rahmen individueller Beratungen.
In Deutschland organisiert das Gesundheitsdezernat des Landratsamts Ludwigsburg zusammen mit dem MVZ Labor Ludwigsburg fĂŒr MĂ€nner ab 45 Jahren eine kostenlose PSA-Messung am 11. November im örtlichen Gesundheitsamt, wofĂŒr das Anmeldetool am 2. November freigeschaltet wird.
