Prostatakrebs bei jungen MĂ€nnern: Diagnosen in England fast vervierfacht
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 01:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Auswertung des World Cancer Research Fund (WCRF) auf Basis von Daten aus England, den USA und den Niederlanden zeigt eine auffĂ€llige Entwicklung bei Krebserkrankungen in jĂŒngeren Altersgruppen. Besonders deutlich fĂ€llt die Zunahme beim Prostatakarzinom aus: In England haben sich die Diagnosen bei MĂ€nnern unter 50 Jahren seit dem Jahr 2001 fast vervierfacht.
WĂ€hrend im Jahr 2001 noch 158 FĂ€lle registriert wurden, stieg die Zahl bis 2023 auf 640 Neuerkrankungen. Dies entspricht einem Anstieg von rund 360 Prozent innerhalb von 22 Jahren, womit die Rate von 1 auf 3,6 FĂ€lle pro 100 MĂ€nner kletterte.
Hohe Fallzahlen und regionale Unterschiede in England
In GroĂbritannien gilt Prostatakrebs mittlerweile als die am hĂ€ufigsten diagnostizierte Krebsart. Mit ĂŒber 68.000 Neudiagnosen pro Jahr wird rechnerisch alle acht Minuten ein Fall festgestellt. Die WCRF-Analyse verdeutlicht zudem ausgeprĂ€gte regionale Unterschiede bei den 25- bis 49-JĂ€hrigen in England.
In North Central London stieg die Rate zwischen 2013 und 2022 um 440 Prozent von 2,4 auf 12,9 FĂ€lle pro 100.000 Personen. In South East London wurden im Jahr 2022 insgesamt 15 FĂ€lle pro 100.000 MĂ€nner erfasst, was einem Zuwachs von 79 Prozent binnen eines Jahrzehnts entspricht.
In Sussex verdreifachten sich die Werte beinahe, wÀhrend in Hertfordshire und West Essex ein Plus von 150 Prozent verzeichnet wurde. Zudem zeigt die Erhebung ethnische DisparitÀten: Etwa jeder vierte schwarze Mann erkrankt im Laufe seines Lebens an Prostatakrebs.
Zunahmen bei weiteren Krebsarten und internationale Trends
Die WCRF-Analyse beschrÀnkt sich nicht allein auf das Prostatakarzinom. Bei Personen unter 50 Jahren in England legten zwischen 2001 und 2023 auch andere Tumorerkrankungen zu. Darmkrebs stieg von 1.289 auf 2.989 FÀlle (Rate von 3,9 auf 8,4 pro 100.000).
Nierenkrebs verdoppelte sich von 510 auf 1.065 FĂ€lle, GebĂ€rmutterkrebs nahm von 335 auf 698 zu, Leberkrebs stieg von 160 auf 278, BauchspeicheldrĂŒsenkrebs von 255 auf 346 und Brustkrebs wuchs um 24 Prozent von 6.886 auf 8.507 FĂ€lle.
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Bei den Inzidenzraten pro 100 verzeichnete Darmkrebs bei Frauen einen Anstieg von 3,8 auf 8,3 und bei MÀnnern von 4 auf 8,4. GebÀrmutterkrebs stieg auf 3,9 pro 100 Frauen, Nierenkrebs kletterte bei Frauen auf 2,3 sowie bei MÀnnern auf 3,6, wÀhrend Brustkrebs von 42 auf 47,5 pro 100 Frauen zulegte.
Ăhnliche Tendenzen zeigen sich in den USA, wo Nierenkrebs von 2,5 im Jahr 2000 auf 5,3 im Jahr 2023 stieg, wĂ€hrend Darm-, GebĂ€rmutter- und BauchspeicheldrĂŒsenkrebs jeweils um 50 Prozent und Brustkrebs um 20 Prozent zulegten.
In den Niederlanden stiegen die Raten bei Darm-, Nieren-, Leber- und GebĂ€rmutterhalskrebs. DemgegenĂŒber gingen die Lungenkrebsraten bei unter 50-JĂ€hrigen in allen drei LĂ€ndern zurĂŒck.
Diskussion ĂŒber Ursachen und Risikofaktoren
Das Medianalter bei einer Krebsdiagnose liegt nach wie vor bei ĂŒber 60 Jahren. Mark Lawler von der Queen's University Belfast stufte die Entwicklung bei jĂŒngeren Patienten dennoch als eine tickende Zeitbombe ein.
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Fachleute verweisen darauf, dass rund 40 Prozent aller Krebserkrankungen mit modifizierbaren Risikofaktoren wie Fettleibigkeit, ungĂŒnstiger ErnĂ€hrung, Bewegungsmangel, Alkohol, Tabak sowie Umweltbelastungen und frĂŒheren Diagnosezeitpunkten verknĂŒpft sind.
Professor Roger Kirby nannte verarbeitetes Fleisch mit Nitraten und Nitriten als Risikofaktor, wÀhrend Professor Prabhakar Rajan betonte, dass die Analyse Trends aufzeige, jedoch keine direkten Ursachen beweisen könne.
Weitere Erhebungen untermauern den Einfluss des Lebensstils: Eine finnische Studie ermittelte bei einem Konsum von ein bis vier alkoholischen GetrÀnken pro Woche eine um 18 Prozent höhere Prostatakrebs-Inzidenz im Vergleich zu Nichttrinkern.
Daten einer Studie aus Oxford verknĂŒpften zudem jeweils vier Zoll mehr Taillenumfang bei ĂŒbergewichtigen MĂ€nnern mit einem um sieben Prozent erhöhten Sterberisiko an Prostatakrebs.
FĂŒr die Schweiz zeigt die Analyse hingegen ein differenziertes Bild: Dort lassen sich 73 Prozent des Anstiegs bei jungen Patienten durch Bevölkerungswachstum und Alterung erklĂ€ren, wĂ€hrend sich die bereinigten Krebssterberaten etwa halbierten.
