Prostatakrebs, Diagnosen

Prostatakrebs: Knapp 80.000 Diagnosen jÀhrlich, doch Vorsorge bleibt selten

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 08:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Leitlinien setzen auf PSA-Messung, doch geringe Vorsorgebeteiligung und Selbstzahlerkosten erschweren die FrĂŒherkennung.
Ein heller, minimalistisch eingerichteter medizinischer Untersuchungsraum mit einem leeren Patientenstuhl. Illustration mit AI erstellt.

Mediziner weisen verstĂ€rkt auf die Bedeutung der urologischen FrĂŒherkennung fĂŒr MĂ€nner ab 50 Jahren hin. RegelmĂ€ĂŸige Untersuchungen sollen helfen, bestehende SchamgefĂŒhle zu ĂŒberwinden und durch eine rechtzeitige Diagnostik die langfristige LebensqualitĂ€t zu sichern.

Da bösartige Erkrankungen der Prostata im frĂŒhen Stadium meist ohne spĂŒrbare Beschwerden verlaufen, bleibt die frĂŒhzeitige Konsultation eines Facharztes ein zentraler Faktor in der MĂ€nnergesundheit.

Scham abbauen und Symptomlosigkeit erkennen

Urologe JosĂ© Julio Sicard verweist darauf, dass Prostatakrebs im lokalisierten Stadium meist symptomlos bleibt. Angst, Scham sowie Vorurteile fĂŒhrten jedoch hĂ€ufig dazu, dass MĂ€nner den Gang zum Urologen meiden.

Die europĂ€ische Empfehlung sieht ein BeratungsgesprĂ€ch inklusive PSA-Test ab dem 50. Lebensjahr fĂŒr MĂ€nner ohne Risikofaktoren vor. Liegt eine familiĂ€re Vorbelastung oder eine afrikanische Abstammung vor, wird der Schritt bereits ab 45 Jahren angeraten, bei Vorliegen einer BRCA2-Mutation sogar ab 40 Jahren.

Auch Urologe Atiqullah Aziz von der MĂŒnchen Klinik Bogenhausen empfiehlt den Gang zum Facharzt ab dem 45. Lebensjahr sowie ab dem 40. Lebensjahr bei familiĂ€rer Vorbelastung. Zugleich ordnen Mediziner Laborbefunde vorsichtig ein: Eine Erhöhung des PSA-Werts bedeutet keineswegs automatisch Krebs. Bei Tumoren mit niedrigem Risiko reicht in bestimmten FĂ€llen eine aktive Überwachung anstelle einer direkten Operation aus.

PSA-Wert verdrÀngt die klassische Tastuntersuchung

In der medizinischen Praxis verlagert sich der Schwerpunkt der Untersuchungsmethoden. FachĂ€rzte weisen darauf hin, dass die rein rektale Tastuntersuchung fĂŒr die FrĂŒherkennung von Prostatakrebs kaum noch einen Stellenwert besitzt.

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Die aktualisierte Leitlinie von 2025 rĂ€t MĂ€nnern ab 45 Jahren vorrangig zur Bestimmung des PSA-Werts im Blut, wĂ€hrend die Tastuntersuchung nicht mehr empfohlen wird. Eine moderne AbklĂ€rung verlĂ€uft in der Regel dreistufig: ZunĂ€chst erfolgt der PSA-Bluttest, dem sich bei AuffĂ€lligkeiten ein MRT und gegebenenfalls eine Biopsie anschließen.

Zwischen den Leitlinien und dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen besteht in Deutschland jedoch eine Diskrepanz. Die Kassen finanzieren weiterhin die jÀhrliche Tastuntersuchung ab dem 45. Lebensjahr. Der empfohlene PSA-Test gilt hingegen in der Regel als Selbstzahlerleistung und kostet zwischen 25 und 50 Euro.

Niedrige Beteiligung trotz hoher Fallzahlen

In Deutschland wird Prostatakrebs jĂ€hrlich bei knapp 80.000 MĂ€nnern diagnostiziert und bildet die hĂ€ufigste Krebserkrankung des mĂ€nnlichen Geschlechts. Dennoch nutzen in der Bundesrepublik lediglich etwa 25 Prozent der anspruchsberechtigten MĂ€nner die FrĂŒherkennung von Prostata und Genital.

Auch den allgemeinen Gesundheits-Check-up ab dem 35. Lebensjahr nehmen nur gut 44 Prozent der berechtigten MĂ€nner wahr, wĂ€hrend der Anteil bei den Frauen bei rund 50 Prozent liegt. Insgesamt geht weniger als die HĂ€lfte der MĂ€nner regelmĂ€ĂŸig zur Krebsvorsorge.

Diese ZurĂŒckhaltung spiegelt sich auch in der Lebenserwartung wider. In Österreich leben MĂ€nner im Schnitt viereinhalb Jahre kĂŒrzer als Frauen. In Bayern lag die Lebenserwartung der MĂ€nner im Zeitraum von 2023 bis 2025 bei durchschnittlich 79,7 Jahren, gegenĂŒber 84 Jahren bei den Frauen. Bayerns Gesundheitsministerin Gerlach rief vor diesem Hintergrund MĂ€nner zu einem geschĂ€rften Gesundheitsbewusstsein und zu regelmĂ€ĂŸiger Vorsorge auf.

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Warnsignale und weitere Vorsorgeangebote

FĂŒr die rechtzeitige Erkennung von Erkrankungen der Harn- und Geschlechtsorgane nennt die Urologie des Katholischen Klinikums Koblenz-Montabaur fĂŒnf typische Warnzeichen:
- Blut im Urin,
- hÀufiges nÀchtliches Wasserlassen,
- ein abgeschwÀchter Harnstrahl,
- VerÀnderungen am Hoden sowie
- ungewollter Urinverlust.

Treten plötzlich starke Schmerzen im Hoden oder ein akuter Harnverhalt auf, ist eine sofortige Ă€rztliche AbklĂ€rung zwingend erforderlich. Neben der Prostata betrifft die urologische Vorsorge auch jĂŒngere Altersgruppen: FĂŒr MĂ€nner von der PubertĂ€t bis zu einem Alter von 45 Jahren wird das regelmĂ€ĂŸige Selbstabtasten der Hoden empfohlen, da Hodenkrebs die hĂ€ufigste Tumorart bei 20- bis 40-JĂ€hrigen darstellt.

ErgĂ€nzend dazu ĂŒbernehmen die Krankenkassen ab 50 Jahren Maßnahmen zur DarmkrebsfrĂŒherkennung sowie ab 65 Jahren einen einmaligen Ultraschall der Bauchschlagader.

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