Prostatakrebs, Bluttest

Prostatakrebs: Neuer Bluttest vermeidet bis zu 44% der Biopsien

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 13:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Prostate Dx/PSB erreicht laut Unternehmensdaten eine SensitivitÀt von etwa 95 Prozent und könnte bis zu 44 Prozent unnötiger Biopsien vermeiden.

Prostatakrebs: Neuer Test könnte viele Biopsien vermeiden
Moderne medizinische Laborausstattung fĂŒr die klinische Diagnostik in einer sterilen, aufgerĂ€umten Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Diagnostik des Prostatakarzinoms steht vor einem technologischen Wandel, der durch neue molekularbiologische Testverfahren und verbesserte Bildgebung geprÀgt ist. Ein zentraler Aspekt dieser Entwicklung ist die Reduzierung unnötiger invasiver Eingriffe nach einem ersten auffÀlligen Screening-Befund.

Wie aus einem Bericht vom 14.09.2026 hervorgeht, wurde auf dem Davos of Healthcare Summit in New York mit Prostate Dx/PSB ein neues Verfahren zur RisikoabklÀrung vorgestellt, das die PrÀzision nach einem erhöhten PSA-Wert signifikant steigern soll.

Effizienzsteigerung in der klinischen AbklÀrung

Das vom Unternehmen 5Q Spectra aus Vancouver entwickelte Testverfahren Prostate Dx/PSB zielt darauf ab, die LĂŒcke zwischen dem herkömmlichen PSA-Test und der DurchfĂŒhrung einer Biopsie zu schließen. Den Berichten zufolge erreicht der Test eine statistische TrennschĂ€rfe (AUC) von 0,86. In Kombination mit moderner Bildgebung und kĂŒnstlicher Intelligenz lĂ€sst sich dieser Wert laut Unternehmensangaben auf rund 0,92 steigern.

Mit einer SensitivitĂ€t von etwa 95 % ermöglicht das Verfahren eine prĂ€zise Identifizierung von Patienten, bei denen ein geringes Risiko fĂŒr klinisch signifikante Tumoren besteht. Laut den am 14.09.2026 veröffentlichten Daten könnten durch den Einsatz des Tests bis zu 44 % der derzeit durchgefĂŒhrten Biopsien vermieden werden, die sich im Nachhinein als unnötig herausstellen.

Die Entwicklung des Tests beanspruchte einen Zeitraum von 15 Jahren, wobei Investitionen in Höhe von mehr als 85 Mio. Kanadischen Dollar getĂ€tigt wurden. Das Verfahren ist derzeit als Lab-Developed Test (LDT) in CLIA-zertifizierten Laboren verfĂŒgbar.

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Neue AnsÀtze in der genomischen Forschung und Bildgebung

Trotz der EinfĂŒhrung neuer Tests bleibt der PSA-Bluttest laut Fachleuten der Mayo Clinic das am hĂ€ufigsten genutzte Werkzeug in der PrimĂ€rdiagnostik, meist gekoppelt mit Bildgebung und Biopsie. Aktuelle ForschungsansĂ€tze konzentrieren sich jedoch zunehmend auf zellfreie DNA (cfDNA) im Plasma.

Durch Zentrifugation und Sequenzierung dieser Fragmente erhoffen sich Forscher tiefere Einblicke in die Epigenomik, etwa durch die Untersuchung von Methylierungsmustern oder Histon-Acetylierungen. Ziel dieser Arbeiten ist es, den Krankheitsstatus und die AggressivitĂ€t eines Tumors individuell zu bestimmen sowie Metastasen frĂŒhzeitig nachzuweisen.

Parallel dazu belegt eine retrospektive Untersuchung mit 91 Patienten, die in einer Fachzeitschrift fĂŒr Nuklearmedizin und molekulare Bildgebung veröffentlicht wurde (Bericht vom 13.09.2026), den Nutzen des PSMA-SPECT/CT-Stagings.

Die Studie zeigt, dass bei Patienten mit einem PSA-Wert von ĂŒber 50 ng/ml die Metastasierungsrate bei 100 % lag. Bei niedrigeren Werten korrelierte insbesondere der ISUP-Grad mit dem Nachweis von Metastasen. Die statistische Auswertung ergab fĂŒr den PSA-Wert eine Signifikanz von p=0,0004 und fĂŒr den ISUP-Grad von p=0,0015.

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Grenzen medikamentöser ErgÀnzungen und genetische Varianz

WĂ€hrend die Diagnostik Fortschritte macht, zeigen klinische Studien auch die Grenzen bestimmter Therapieerweiterungen auf. Im Rahmen der PEACE-2-Studie, deren Ergebnisse Anfang 2026 thematisiert wurden, konnte fĂŒr die zusĂ€tzliche Gabe von Cabazitaxel zur Standardbehandlung (Radiotherapie und Langzeit-ADT) bei lokalisiertem Hochrisiko-Prostatakrebs kein Vorteil nachgewiesen werden.

Nach einem medianen Follow-up von 7,3 Jahren lag das klinische progressionsfreie Überleben in der Cabazitaxel-Gruppe bei 62,8 % gegenĂŒber 67,2 % in der Standardgruppe. Zudem traten in der Chemotherapie-Gruppe vermehrt Nebenwirkungen wie Neutropenien auf.

ErgĂ€nzend dazu liefert eine im Fachmagazin Nature behandelte Untersuchung (Bericht vom 13.09.2026) neue Erkenntnisse ĂŒber die Mutationsprozesse des Prostatakarzinoms.

In einer Kohorte von 1.001 Spendern wurden 1.172 Tumorproben mittels Ganzgenomsequenzierung analysiert. Dabei konnten spezifische Strukturvarianten und Signaturen identifiziert werden, darunter Tandemduplikationen, die bei ĂŒber 20 % der Proben einen signifikanten Anteil ausmachten. Diese Daten tragen dazu bei, die biologische Vielfalt der Erkrankung besser zu verstehen und kĂŒnftige Diagnoseverfahren weiter zu verfeinern.

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