Prostatakrebs, Blutproteine

Prostatakrebs: Sieben Blutproteine deuten frĂŒh auf aggressive VerlĂ€ufe hin

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 12:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Langzeitstudie verknĂŒpft mehrere Blutproteine mit spĂ€teren Prostatakrebsdiagnosen; fĂŒr klinische Vorhersagen sind die Marker noch nicht geeignet.
Leere ReagenzglÀser in einem MetallstÀnder in einem sterilen, klinischen Laborumfeld. Illustration mit AI erstellt.

VerĂ€nderungen bestimmter EiweißmolekĂŒle im Blut können bereits mehr als ein Jahrzehnt vor dem Ausbruch von aggressivem Prostatakrebs auf ein erhöhtes Erkrankungsrisiko hinweisen. Das zeigt eine im Oktober 2026 im Fachjournal European Urology publizierte Untersuchung der UniversitĂ€t Oxford.

Angesichts der weltweiten Belastung durch die Krankheit besitzen solche FrĂŒhindikatoren ein hohes Forschungsinteresse: Nach Angaben der Internationalen Agentur fĂŒr Krebsforschung (IARC) wurden im Jahr 2022 weltweit rund 1,5 Millionen Prostatakrebs-Diagnosen sowie knapp 400.000 TodesfĂ€lle registriert.

Langzeitanalyse der EPIC-Kohorte

FĂŒr die Studie untersuchte ein Team um Erstautor Zhe Huang und Seniorautor Prof. Karl Smith-Byrne von Oxford Population Health Blutproben aus der europĂ€ischen EPIC-Kohorte. Die teilfinanzierte Forschungsarbeit von Cancer Research UK stĂŒtzte sich auf die Daten von 982 MĂ€nnern, die spĂ€ter an Prostatakrebs erkrankten, sowie auf 1.573 Kontrollpersonen. Die mediane Nachbeobachtungszeit der Probanden lag bei rund 16,5 Jahren.

In den Proben erfassten die Wissenschaftler ĂŒber 6.000 Proteine. Insgesamt zwölf dieser Proteine wiesen eine Assoziation mit Prostatakrebs-Diagnosen auf, die mehr als 15 Jahre nach der ursprĂŒnglichen Blutentnahme gestellt wurden. Dazu zĂ€hlte unter anderem das von Immunzellen gebildete Protein GZMK. Höhere Konzentrationen dieses Markers waren dabei mit einem geringeren Krankheitsrisiko verbunden.

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Spezifische Proteine bei schweren VerlÀufen

Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Forscher aggressiven Krankheitsformen. Sie definierten dafĂŒr 290 FĂ€lle, die hochgradig oder fortgeschritten waren, einen PSA-Wert von ĂŒber 20 bei Diagnosestellung aufwiesen oder tödlich endeten. Sieben Proteine zeigten einen statistischen Zusammenhang mit derartigen VerlĂ€ufen.

Als besonders auffĂ€llig erwies sich das Protein ANKRD1, das konstant mit metastasierten und tödlichen Erkrankungen verknĂŒpft war. DarĂŒber hinaus standen Proteine der Gene ERBB3, KRAS und NRAS mit aggressivem Prostatakrebs in Verbindung, der etwa zehn Jahre nach der Blutentnahme diagnostiziert wurde.

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Klinische Grenzen und offene Fragen

Trotz der Befunde existiert bislang kein klinisch validierter Test auf Basis dieser Marker. Die Forscher der UniversitĂ€t Oxford betonten, dass die beobachteten ZusammenhĂ€nge grĂ¶ĂŸtenteils moderat ausfielen; zudem ließen sich einige Signale in weiterfĂŒhrenden Zusatzanalysen nicht bestĂ€tigen.

Der Nachweis der Proteine bedeute zudem keineswegs, dass zum Zeitpunkt der Blutentnahme bereits Tumoren vorhanden waren, noch sei eine biologische UrsÀchlichkeit nachgewiesen.

Externe Fachleute ordnen die Ergebnisse ebenfalls zurĂŒckhaltend ein. Prof. Mieke Van Hemelrijck vom King’s College London erklĂ€rte, dass eine verlĂ€ssliche individuelle Prognose anhand der identifizierten Marker derzeit nicht möglich sei.

Prof. Prabhakar Rajan von der Queen Mary University London wies darauf hin, dass die Assoziation mit dem Protein KLK3 beziehungsweise dem PSA-Wert teilweise auf routinemĂ€ĂŸige Screening-Tests zurĂŒckgehen könnte, wĂ€hrend die vorliegenden Tumordaten in Teilen unvollstĂ€ndig blieben.

FĂŒr einen praktischen Nutzen in der Patientenversorgung sind die Proteine gegenwĂ€rtig noch nicht geeignet. KĂŒnftige Schritte sollen im Rahmen des von Cancer Research UK geförderten PCAP-Programms folgen. Dort soll gezielt ĂŒberprĂŒft werden, ob eine Einbindung dieser Biomarker die Vorhersage klinisch relevanter VerlĂ€ufe tatsĂ€chlich verbessern kann.

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