Prostatakrebs unter 50: Diagnosen in England steigen auf das Vierfache
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 15:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zahl der Prostatakrebs-Diagnosen verzeichnet in England und Wales einen anhaltenden Anstieg. Wie Fachgesellschaften und das Royal College of Surgeons of England feststellen, erhielten im Jahr 2025 erstmals mehr als 60.000 Männer in England eine entsprechende Neudiagnose. Als wesentlicher Treiber für diesen Zuwachs gilt vor allem eine frühere Diagnosestellung im Rahmen der medizinischen Versorgung.
Verbesserte Überlebensraten bei metastasierten Verläufen
Parallel zu den steigenden Fallzahlen zeigen sich Fortschritte bei der Behandlung fortgeschrittener Erkrankungen. Nach Angaben des National Cancer Audit Collaborating Centre im Rahmen des National Prostate Cancer Audit hat sich das 3-Jahres-Überleben bei metastasiertem hormonsensitivem Prostatakrebs in England verbessert.
Die Sterblichkeitsrate ging bei Patienten mit einer Diagnose aus dem Jahr 2022 auf 35,1 Prozent zurück, verglichen mit 44,6 Prozent bei Fällen, die im Jahr 2015 diagnostiziert worden waren.
Trotz dieser therapeutischen Erfolge sieht das Prüfgremium weiteren Handlungsbedarf in der klinischen Praxis. Der National Prostate Cancer Audit empfiehlt, den Zugang zu radikalen Behandlungsverfahren auszubauen. Zudem müsse die Qualität der erhobenen Daten verbessert werden, insbesondere mit Blick auf die Erfassung des TNM-Stagings, des PSA-Wertes und des Gleason-Scores.
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Steigende Fallzahlen auch bei jüngeren Altersgruppen
Zusätzliche Daten des World Cancer Research Fund verdeutlichen, dass sich der Anstieg nicht ausschließlich auf ältere Patienten beschränkt, auch wenn Krebs weiterhin überwiegend als Alterskrankheit gilt.
Einer Analyse der Organisation auf Basis von Daten des National Health Service zufolge stieg die Zahl der Prostatakrebs-Diagnosen bei Männern unter 50 Jahren in England von 158 im Jahr 2001 auf 640 im Jahr 2023. Die Inzidenz pro 100.000 Männer in dieser Altersgruppe wuchs im selben Zeitraum von etwa 1 auf 3,6 an, was einer Vervierfachung entspricht.
Eine ähnliche Zunahme früher Krebserkrankungen beobachtet der World Cancer Research Fund auch in den USA sowie in den Niederlanden. Neben dem Prostatakarzinom verzeichneten Fachleute in England bei Patienten unter 50 Jahren von 2001 bis 2023 mehr als eine Verdopplung der Raten bei Darm-, Nieren- und Gebärmutterkrebs.
So stieg die Zahl der Darmkrebsfälle in dieser Altersspanne von 1.289 auf 2.989 (Inzidenz von 3,9 auf 8,4 pro 100.000), bei Nierenkrebs von 510 auf 1.065 und bei Gebärmutterkrebs von 335 auf 698.
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Ursachenforschung und zielgerichtete Vorsorge
Hinsichtlich der Ursachen für die Zunahme bei jüngeren Menschen verweisen Mediziner auf ein komplexes Gefüge. Dr. Jiri Kubes vom Proton Therapy Center in Prag erläuterte, dass neben einer tatsächlichen Veränderung der Risikofaktoren vor allem eine frühere Erkennung durch verbesserte Bildgebung, präzisere Diagnostik und eine gestiegene Sensibilisierung eine Rolle spielen dürften.
Für den Anstieg lasse sich kein einzelner Lebensstilfaktor verantwortlich machen, da unterschiedliche Tumorarten spezifische biologische Eigenschaften und Risikoprofile aufweisen.
Als Reaktion auf vererbbare Risiken setzt das britische Gesundheitssystem vermehrt auf gezielte Früherkennungsprogramme. Das UK National Screening Committee empfiehlt ein strukturiertes Screening für rund 1.500 Männer im Alter von 45 bis 61 Jahren, die eine bestimmte Genmutation sowie eine familiäre Vorbelastung aufweisen. Damit soll das Screening künftig noch fokussierter auf besonders gefährdete Personengruppen ausgerichtet werden.
