Prostatakrebs: Urintests ersetzen Biopsien – KI verbessert Diagnosen
Veröffentlicht: 18.07.2026 um 00:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Statt belastender Biopsien könnten bald Urintests, Blutanalysen und Künstliche Intelligenz die Diagnose übernehmen.
Urintests als Biopsie-Alternative
Die Gewebeentnahme gilt bislang als Standard für die Diagnosesicherung. Doch aktuelle Studien zeigen: Spezielle Urintests könnten Biopsien künftig ersetzen – besonders bei der aktiven Überwachung von Patienten.
Eine Pilotstudie mit 30 Teilnehmern untersuchte die Konzentration der Aminosäure Prolin im Urin. Die Ergebnisse legen nahe: Veränderte Prolinwerte nach einer Prostataentfernung zeigen an, ob der Tumor vollständig entfernt wurde oder ein Rückfall droht.
Parallel dazu trainieren Forscher Hunde darauf, Prostatakrebs anhand von Geruchsstoffen im Urin zu erkennen. Die Tiere identifizieren flüchtige organische Verbindungen, die auf Tumore hinweisen.
Bluttest erkennt aggressive Tumore
Der Stockholm3-Test erwies sich als deutlich empfindlicher als der herkömmliche PSA-Test. In einer Untersuchung mit 12.670 Männern zwischen 50 und 74 Jahren erreichte er eine Sensitivität von 90 Prozent bei der Erkennung aggressiver Tumore.
Bereits im März veröffentlichte Daten zeigten zudem: Ein strukturiertes PSA-Screening ist in seiner Effektivität mit der Mammografie zur Brustkrebsvorsorge vergleichbar.
Genetische Risikofaktoren im Fokus
Kanadische Forscher der University of British Columbia identifizierten eine vererbte Mutation des Gens CDK12 als Ursache für besonders aggressive Verlaufsformen. In einer Kohorte von 4.500 Teilnehmern wiesen fünf Männer diese seltene Mutation auf – bei allen waren bereits zum Zeitpunkt der Diagnose Metastasen feststellbar.
Wissenschaftler fordern daher, CDK12 in standardisierte Gentestpanels aufzunehmen.
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Die Multiomik – eine Kombination aus Genom-, Protein- und Stoffwechseldaten – rückt ebenfalls in den Fokus. Forscher wie Michael Snyder von der Stanford University zeigen, wie individuelle molekulare Muster zur Früherkennung genutzt werden können. Bei Leukämie oder bestimmten Lungenkrebsarten gehört das bereits zum Alltag. Bei Volkskrankheiten bleibt die Anwendung wegen hoher Kosten und Datenkomplexität jedoch eine Herausforderung.
KI verbessert Diagnosen in der Pathologie
Die Digitalisierung erreicht die Pathologielabore. Eine Multi-Center-Studie in Nature Digital Medicine untersuchte den Einsatz der „Paige Prostate Suite“ – einer KI-gestützten Assistenzsoftware.
An drei Standorten des britischen National Health Service wurden Daten von über 1.000 Patienten analysiert. Das Ergebnis: Bei 5 Prozent der Patienten korrigierte die KI die ursprüngliche Diagnose. 1,3 Prozent der Änderungen waren klinisch relevant.
Die Technologie verkürzte zudem die Bearbeitungszeit der Befunde um fast einen Tag und reduzierte den Bedarf an zusätzlichen immunhistochemischen Untersuchungen.
Schonendere Behandlungen zeigen Erfolge
Eine zehnjährige Studie des Imperial College London mit 3.477 Männern untersuchte fokale Therapien wie hochintensiven fokussierten Ultraschall (HIFU) oder Kryotherapie. Die Ergebnisse: Diese Verfahren bieten eine hohe Tumorkontrolle bei Patienten mit intermediärem oder hohem Risiko. Gleichzeitig ist das Risiko für schwere Nebenwirkungen wie Inkontinenz oder erektile Dysfunktion im Vergleich zu radikalen Operationen um das Fünffache niedriger.
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Trotz dieser Vorteile erhalten in Großbritannien derzeit nur etwa 1.000 von jährlich 15.000 geeigneten Patienten eine solche Behandlung. Die britische Regierung hat daraufhin 2,8 Millionen Pfund für den Ausbau der Kapazitäten bereitgestellt.
Auch bei der medikamentösen Therapie gibt es Fortschritte. Hormontherapien mittels Pflaster zeigen eine vergleichbare Wirksamkeit wie herkömmliche Injektionen – und bieten den Patienten mehr Flexibilität.
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