Proteinbedarf: Maximal 50 Gramm pro Mahlzeit sinnvoll
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 00:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Protein-Pasta, Eiweiß-Brot, High-Protein-Schokoriegel – die Regale quellen über mit Lebensmitteln, die mit dem „Protein“-Label locken. Dahinter steckt oft mehr Marketing als echter Mehrwert.
Das Geschäft mit dem Gesundheitsimage
Marktbeobachter sprechen von „Protein-Washing“: Stark verarbeitete Produkte werden durch Proteinzusätze und entsprechende Aufmachung als gesund vermarktet. Die Folge: deutliche Preisaufschläge. In manchen Fällen verdoppelt sich der Verkaufspreis im Vergleich zu konventionellen Varianten.
Die Kritik richtet sich vor allem gegen den hohen Verarbeitungsgrad. Während natürliche Proteinquellen wichtige Mikronährstoffe und Ballaststoffe liefern, basieren viele Protein-Snacks auf isolierten Inhaltsstoffen aus dem Labor. Ein bloßes Protein-Label ist kein Garant für ein ausgewogenes Nährwertprofil.
Was der Körper wirklich braucht
Neue Richtlinien empfehlen eine tägliche Zufuhr von 1,2 bis 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Einen erhöhten Bedarf haben vor allem ältere Menschen und Patienten, die bestimmte Medikamente zur Gewichtsreduktion einnehmen.
Doch der Körper kann pro Mahlzeit maximal etwa 50 Gramm Protein effektiv aufnehmen. Alles darüber hinaus bringt keinen zusätzlichen Nutzen. Fachleute raten daher zu natürlichen Quellen wie Hülsenfrüchten, griechischem Joghurt oder Fleisch – statt zu hochverarbeiteten Supplementen.
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Werbelügen und teure Versprechen
Foodwatch kürte im Juli ein bekanntes Saftkonzentrat zur „dreistesten Werbelüge des Jahres“. Das Problem: Gesundheitsbezogene Angaben gelten oft nur für isolierte Einzelvitamine, werden aber auf das Gesamtprodukt übertragen. Mit rund 100 Euro pro Liter sind die Kosten zudem unverhältnismäßig hoch.
Die Verbraucherzentrale Berlin warnt vor unkritischem Konsum. Während bis zu 20 µg Vitamin D täglich als unbedenklich gelten, sollten höhere Dosen nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden. Bei Kollagendrinks, die Hautglättung versprechen, fehlen belastbare Belege – entsprechende Werbeaussagen sind rechtlich untersagt.
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Rechtsstreit und neue Regeln
Die Branche steht auch juristisch unter Druck. Die Produktionsfirma The Quality Group, hinter den Marken More Nutrition und ESN, verlor einen jahrelangen Rechtsstreit mit Beschäftigten am Standort bei Hamburg.
Gleichzeitig zeichnen sich neue Regulierungen ab: Ein großer Lebensmitteleinzelhändler kündigte an, Kindermarketing künftig nur noch für Eigenmarken zuzulassen, die strikte Nährwertkriterien der WHO erfüllen. Produkte, die diese Kriterien verfehlen, dürfen keine spezielle Optik für Kinder mehr auf der Verpackung tragen.
Die Diskrepanz zwischen massivem Marketing und tatsächlichem Mehrwert wird immer deutlicher. Proteine bleiben essentiell – doch Experten raten zur Skepsis gegenüber hochverarbeiteten Labor-Lebensmitteln und plädieren für natürliche Nährstoffquellen.
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