Proteinprodukte: Magerquark schlägt teure Trendmarken um 13,5g
20.06.2026 - 21:55:25 | boerse-global.de
Milchprodukte wie Quark, Skyr und Joghurt stehen hoch im Kurs. Doch aktuelle Daten zeigen: Zwischen Marketing-Hype und tatsächlichem Mehrwert klafft oft eine Lücke.
Nährstoffprofile im Vergleich
Magerquark liefert mit 13,5 Gramm Eiweiß pro 100 Gramm die höchste Proteindichte. Skyr folgt mit rund 11 Gramm. Herkömmlicher Magerjoghurt liegt mit etwa 3,5 Gramm deutlich zurück.
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Beim Calcium kehrt sich das Bild um. Magerquark bringt es auf 90 bis 92 Milligramm pro 100 Gramm. Skyr und Magerjoghurt erreichen mit 120 bis 150 Milligramm höhere Werte. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen 1.000 Milligramm Calcium täglich.
Kalorientechnisch liegen Skyr (70 kcal) und Magerquark (72 kcal) fast gleichauf. Magerjoghurt ist mit 34 kcal die leichteste Option.
„High-Protein“ oft überflüssig
Antje Gahl von der DGE sieht spezielle Proteinprodukte kritisch: Für die breite Bevölkerung seien sie meist überflüssig. Der Proteinbedarf werde oft schon durch normale Ernährung gedeckt.
Die Preise sprechen eine deutliche Sprache. Skyr kostet im Handel oft das Doppelte von Magerquark – bei geringerem Proteingehalt. Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern rät daher zum günstigeren Quark. Ihr Tipp: Naturvarianten bevorzugen, um unnötige Zuckerzusätze zu vermeiden.
Markt boomt – mit Nebenwirkungen
Der Protein-Hype hat handfeste wirtschaftliche Folgen. 2025 stieg der Umsatz mit Proteinpulver um 60 Prozent auf 229 Millionen Euro. In den ersten fünf Monaten 2026 legte die Branche nochmal um 85 Prozent zu.
Die Folge: Engpässe. Besonders bei Molkenprotein (Whey) übersteigt die Nachfrage das globale Angebot. Die Preise für Whey-Konzentrat haben sich seit Jahresbeginn verdoppelt, Isolate wurden 40 Prozent teurer. Große Marken wie ESN oder More Nutrition kämpfen mit Lieferproblemen. Eigenmarken des Handels sind derzeit noch lieferfähig.
Wieviel Protein braucht der Mensch?
Die DGE empfiehlt 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich. Bei schwerer körperlicher Arbeit – etwa im Handwerk – kann der Bedarf auf 100 bis 150 Gramm pro Tag steigen.
Doch Vorsicht: Die IKK classic warnt vor dauerhaft zu hoher Zufuhr. Überschüssiges Protein wird als Fett eingelagert. Bei bestehenden Nierenproblemen kann es Risiken bergen.
Für gezielten Muskelaufbau empfehlen Sportphysiologen 25 Gramm Protein pro Portion, verteilt auf drei bis vier Mahlzeiten. Idealerweise 30 bis 60 Minuten nach dem Training. Milchprotein bietet hier eine Kombination aus 80 Prozent Kasein und 20 Prozent Molkenprotein.
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Wirtschaftlichkeit gewinnt an Bedeutung
Die allgemeine Konsumzurückhaltung in Deutschland macht auch vor Proteinprodukten nicht halt. Laut einer Studie vom April 2026 lassen sich 74 Prozent der Kaufentscheidungen von Rabatten beeinflussen. Die Nahrungsmittelpreise sind seit 2020 um insgesamt 37 Prozent gestiegen.
Für viele Haushalte wird der Griff zum günstigeren, aber proteinreicheren Magerquark zur effizienten Alternative. Er liefert mehr Eiweiß als teure Trendprodukte – und schont den Geldbeutel.
