Protonentherapie, Italien

Protonentherapie: 38,5-Millionen-Anlage in Italien startet 2027

Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 04:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Italien erweitert Präzisionsonkologie: Das CRO Aviano erhält eine Protonenanlage für 38,5 Mio. Euro. Erste Behandlungen sind für Herbst 2027 geplant.

Protonentherapie Aviano: Schwere Gantry installiert, Inbetriebnahme 2027
Ein hochmoderner Linearbeschleuniger für die Strahlentherapie in einem klinischen Behandlungsraum. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Installation der schweren Bauteile für die Protonentherapie-Anlage am Centro di Riferimento Oncologico (CRO) in Aviano markiert einen weiteren Schritt in einer Entwicklung, die derzeit onkologische Zentren auf mehreren Kontinenten prägt: den Ausbau präziser, gewebeschonender Bestrahlungstechnologien.

In Aviano wurde die 75 Tonnen schwere Gantry in den dafür vorgesehenen Bunker abgesenkt, das rund 50 Tonnen schwere Sincrociclotrone sollte am Folgetag folgen. Die Investition für die Anlage beläuft sich auf 38,5 Millionen Euro.

Aviano wird fünftes Protonenzentrum Italiens

Mit der Anlage wird das CRO Aviano zum ersten öffentlichen onkologischen IRCCS-Institut Italiens, das über Protonentherapie verfügt, und landesweit zum fünften Zentrum dieser Art – nach Einrichtungen in Trient, dem CNAO in Pavia, Catania und Humanitas Rozzano. Erste Behandlungen werden voraussichtlich im Herbst 2027 aufgenommen.

Die zuständige Abteilung unter Leitung von Maurizio Mascarin behandelt derzeit rund 2.300 neue Patienten pro Jahr; etwa zehn Prozent von ihnen, also schätzungsweise 150 bis 200 Patienten jährlich, gelten als Kandidaten für eine Protonentherapie, die im Vergleich zur konventionellen Strahlentherapie gesundes Gewebe stärker schont.

Deutschland: Kürzere Wege durch zweiten Linearbeschleuniger

Auch in Deutschland setzen Kliniken auf technische Aufrüstung. Am Krankenhaus Buchholz ging ein zweiter Linearbeschleuniger für die Strahlentherapie in Betrieb – das baugleiche Vorgängergerät läuft seit November 2025. Die neue Anlage ermöglicht eine millimetergenaue stereotaktische Photonenbestrahlung bei einer Behandlungszeit von fünf bis zehn Minuten pro Sitzung.

Chefarzt Dr. Günther Bohlen betonte, dass Patienten dadurch nicht mehr für Behandlungen nach Hamburg fahren müssen – ein praktischer Vorteil gerade für ältere und in ihrer Mobilität eingeschränkte Betroffene.

Zertifizierungen als Qualitätssignal

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Parallel zu Neuinvestitionen rücken Qualitätszertifizierungen in den Fokus. Am Johanniter-Krankenhaus Oberhausen wurde die Thoraxchirurgie erneut als Kompetenzzentrum der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie bestätigt – die Klinik gehörte 2010 zu den ersten vier Einrichtungen in Deutschland mit dieser Auszeichnung, die alle drei Jahre überprüft wird. Chefarzt Dr. Feras Al-Shahrabani hob die Bedeutung von Qualität und interdisziplinärer Zusammenarbeit hervor.

In Italien erhielt die radiologische Abteilung des Ospedale di Borgo Trento in Verona als erste Einrichtung im Triveneto und als eine der ersten zehn landesweit die IASIOS-Akkreditierung für interventionelle Onkologie.

Die Zertifizierung bewertet Qualität, Sicherheit, klinische Angemessenheit und multidisziplinäre Zusammenarbeit; Direktor Dr. Giovanni Puppini leitet die Abteilung, in der zugleich eine neue Ambulanz für interventionelle Radiologie aktiviert wurde.

Nationale Leitlinien und internationale Entwicklungen

Auch auf nationaler Ebene entstehen neue Standards: Die Radioterapia oncologica in Chieti zählt zu 20 italienischen Zentren, die in aktuellen Empfehlungen zur bildgeführten Strahlentherapie bei gastrointestinalen Tumoren des oberen Abdomens genannt werden.

Die Leitlinien wurden in der Fachzeitschrift „Oncologie" veröffentlicht und von den Fachgesellschaften AIRO, AITRO und AIFM gefördert, unter Beteiligung von 20 Experten mit mindestens zehn Jahren Erfahrung sowie einem Beitrag von Professor Domenico Genovesi von der Universität Gabriele d'Annunzio.

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International zeigen ähnliche Entwicklungen den Trend zur Präzisionsonkologie: In Indien nahm das HCG Bengaluru den ersten Elekta-Unity-MR-Linac im Bundesstaat Karnataka in Betrieb, in Südkorea erweiterte das Yonsei Cancer Center seine Schwerionentherapie, und in den USA erhielt das Atrium Health Wake Forest Baptist Medical Center als erste Einrichtung die neue Radiopharmaceutical Therapy Accreditation, die seit Mai 2026 vergeben wird.

Diese parallelen Entwicklungen – von Neubauten wie in Aviano über technische Aufrüstungen wie in Buchholz bis zu formalen Qualitätszertifizierungen wie in Oberhausen und Verona – verdeutlichen, dass Kliniken weltweit sowohl in Hardware als auch in überprüfbare Qualitätsstandards investieren, um onkologische Versorgung präziser und für Patienten planbarer zu gestalten.

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