Prüfungsangst: 59 Prozent der Studierenden leiden unter Blockaden
12.06.2026 - 01:00:30 | boerse-global.de
Hauptursache ist der Prüfungsdruck – fast jeder Zweite nennt ihn als Belastungsfaktor.
Das zeigt ein aktuelles Dossier der Techniker Krankenkasse. Grundlage ist eine Forsa-Befragung unter 1.000 Probanden. Zwar sank der Wert im Vergleich zu 2023 leicht (damals 44 Prozent), liegt aber immer noch deutlich über dem Niveau von 2015 (23 Prozent).
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Neben dem Prüfungsdruck (49 Prozent) belasten die Doppelbelastung aus Studium und Beruf (34 Prozent) sowie die Angst vor schlechten Noten (28 Prozent). Die emotionale Erschöpfung stieg laut TK auf 35 Prozent – 2017 waren es erst 24 Prozent.
Jeder siebte Bachelor bricht frühzeitig ab
Die psychischen Probleme haben handfeste Folgen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes brechen rund 13 Prozent der Bachelor-Studierenden ihr Studium bereits in den ersten drei Semestern ab.
Ergänzend weisen Daten der OECD darauf hin, dass rund 59 Prozent der Studierenden unter Prüfungsangst leiden. Ein Teufelskreis: Wer Angst hat, lernt schlechter – und scheitert häufiger.
Was gegen Prüfungsangst wirklich hilft
Pädagogen und Psychologen empfehlen einen strukturierten Ansatz. Für die diesjährigen Abiturprüfungen – über 1,22 Millionen Kandidaten traten an – formulierten Experten der Akademie für Bildungsmanagement konkrete Regeln.
Der Leistungsdruck führt oft dazu, dass wichtige Aufgaben bis zum letzten Moment aufgeschoben werden, was die Prüfungsangst zusätzlich verstärkt. Erfahren Sie in diesem kostenlosen PDF-Ratgeber, mit welchen 4 Methoden Sie Prokrastination dauerhaft überwinden und produktiver arbeiten. Kostenlosen Ratgeber gegen Aufschieberitis anfordern
Der wichtigste Punkt: den Schlaf-Wach-Rhythmus stabilisieren. Acht Stunden Schlaf pro Nacht sind das Ziel. Kurz vor der Prüfung sollten Lernende auf neuen Stoff verzichten und stattdessen vorhandenes Wissen festigen.
Während der Prüfung gilt die „3-Minuten-Regel“: Fragen zunächst überfliegen, dann mit den einfachsten Aufgaben beginnen. Gegen akute Prüfungsangst helfen kurze Pausen von 10 bis 15 Sekunden und Atemtechniken – etwa vier Sekunden einatmen, sechs Sekunden ausatmen.
Lehrer betonen zudem: Ausgewogene Ernährung und ausreichend Erholung können bis zu 30 Prozent zum Prüfungserfolg beitragen. In Fachprüfungen wie Biologie (oft 24 Fragen in 50 Minuten) ist gezieltes Unterstreichen von Schlüsselwörtern eine effektive Methode gegen Punktverlust.
Hochschulen reagieren mit neuen Angeboten
Die Universitäten Stuttgart und Hohenheim haben Vorbereitungskurse in MINT-Fächern sowie Propädeutika eingeführt. Ziel: den Übergang von der Schule zur Hochschule erleichtern.
An der Universität Hohenheim gibt es zudem ein Frühwarnsystem. Es kontaktiert Studierende, die in den ersten drei Semestern zu wenige Prüfungsleistungen erbracht haben. Der Rektor betont: Nicht das Vorwissen der Studierenden sei gesunken – die wissenschaftlichen Anforderungen seien gestiegen.
Reformdruck in der Juristenausbildung
Auch in der juristischen Ausbildung wächst der Reformdruck. Der Deutsche Anwaltverein (DAV) sprach sich im Juni 2026 für eine modernisierung aus. Ziel: den Umfang des Pflichtstoffes reduzieren und studienbegleitende Prüfungen ermöglichen.
Der Verband plädiert zudem für eine stärkere Gewichtung von Schlüsselkompetenzen wie Verhandlungsmanagement, Rhetorik und Mediation. Der reine Stoffdruck helfe niemandem – weder den Studierenden noch später den Mandanten.
Digitale Lerntools setzen Sprachkurse unter Druck
Der Markt für Bildungsangebote verändert sich. Die Münchner Volkshochschule bietet im Sommer 2026 verschiedene Kurse an – von der Last-Minute-Vorbereitung für die Mittlere Reife (60 Euro) bis zum CAE-Kompaktkurs (495 Euro). Sogar Jonglieren als Gehirntraining gibt es als strukturierten Onlinekurs für rund 30 Euro.
Im Bereich Spracherwerb gewinnen KI-gestützte Anwendungen an Bedeutung. Laut Daten des Bundesamtes für Statistik lernte 2024 fast ein Viertel der Schweizer Bevölkerung ab 25 Jahren eine Sprache – 40 Prozent aus beruflichen Gründen.
Während klassische Reise-Sprachkurse an Nachfrage verlieren, investieren Anbieter in KI-Integrationen. Duolingo nutzt in einer kostenpflichtigen Version für 180 Franken pro Jahr KI-Rollenspiele, um Konversationspraxis zu simulieren. Das setzt herkömmliche Sprachkurse zunehmend unter Wettbewerbsdruck.
