PSNV-B in Sachsen: Görlitz stellt erste Staffel für Betroffene in Dienst
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 01:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bewältigung schwerer Krisen und Katastrophen erfordert von Führungskräften und Einsatzorganisationen neben technischer Routine vor allem mentale Stabilität und ein eingespieltes Krisenmanagement. Zahlreiche Fachberichte und Übungsszenarien verdeutlichen, dass Handlungsfähigkeit im Ernstfall maßgeblich von klarer Kommunikation, psychologischer Sicherheit und strukturierter Notfallversorgung abhängt.
Führungsverhalten als Basis für psychologische Sicherheit
Im professionellen Krisenmanagement kommt der Führungskultur eine zentrale Rolle zu. Die Leadership-Expertin Karin Lausch verweist auf typische Verhaltensmuster, die das Vertrauen und damit die Sicherheit in Einsatz- oder Arbeitsteams gefährden können.
Als besonders problematisch gilt eine kontrollierende Führung, die in übermäßiges Detailmanagement abgleitet. Ebenso erschweren passive Verhaltensweisen, bei denen Entscheidungen aus Unsicherheit vermieden werden, oder ein vordergründig freundliches, aber diktatorisches Auftreten ein funktionierendes Miteinander.
Als Warnsignale in Teams nennt Lausch Anzeichen wie übertriebene Harmonie, gegenseitige Schuldzuweisungen sowie Schweigen oder Rückzug der Beteiligten. Führungskräften wird geraten, eigene Wissenslücken und Fehler offen zu thematisieren, das Team gezielt um Unterstützung zu bitten und persönliche Nahbarkeit zu zeigen.
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Auch gesetzliche Unfallversicherungsträger messen der mentalen Verfassung am Arbeitsplatz hohe Priorität bei. Die bundesweite Woche der Seelischen Gesundheit, terminiert vom 10. bis 20. Oktober 2026 unter dem Motto „Miteinander statt nebeneinander – für eine Gesellschaft, in der jede Psyche zählt“, rückt praxiserprobte Lösungen in den Bulletins Mittelpunkt.
Wie Dr. Stephan Fasshauer als Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung betont, bündelt die Plattform „Erfahrungsschatz Arbeitsgestaltung“ entsprechende Beispiele für die Gefährdungsbeurteilung.
Psychosoziale Notfallversorgung im Einsatzalltag
Neben der Führungsvorbereitung gewinnt die psychosoziale Begleitung unmittelbar Betroffener sowie der Einsatzkräfte an Bedeutung. Im Landkreis Görlitz wurde die erste Staffel für Psychosoziale Notfallversorgung Betroffener (PSNV-B) in Sachsen in Dienst gestellt.
Die in Kodersdorf-Wiesa präsentierte Katastrophenschutzeinheit steht Menschen nach schweren Unglücken und belastenden Ereignissen zur Seite und vermittelt weiterführende Kontakte zu Angehörigen oder längerfristigen Hilfsstrukturen.
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Auch bei maritimen Großlagen wird diese Komponente integriert. Bei einer Übung auf dem Kreuzfahrtschiff MEIN SCHIFF 3 in Bremerhaven erprobten rund 50 Einsatzkräfte unter Regie des Havariekommandos und der Reederei TUI Cruises die Versorgung zahlreicher Verletzter.
Neben medizinischen Rettungsgruppen und Polizeikräften übernahmen Fachberater der Deutschen Seemannsmission die maritime psychosoziale Versorgung an Bord des 293,2 Meter langen Schiffes.
Praxisnahe Übungen für komplexe Gefahrenlagen
Um die Handlungsfähigkeit über Behörden- und Organisationsgrenzen hinweg sicherzustellen, trainieren Einsatzdienste regelmäßig Großschadenslagen:
- Regionaler Katastrophenschutz: Im baden-württembergischen Mühlingen-Schwackenreute übten mehr als 450 Einsatzkräfte unter Koordination des Regierungspräsidiums Freiburg und des Landratsamts Konstanz Führungsorganisation, Gefahrstoffmessungen und Personensuchen.
- Klinische Notfallkonzepte: Das Elisabeth-Klinikum Schmalkalden simulierte in Breitungen die Notfallversorgung nach dem Unfall eines Fahrzeugs in einem Festzelt. Das Haus versorgte dabei 16 eingelieferte Darsteller unterschiedlicher Sichtungskategorien, wobei Chefärztin Dr. Alexandra Finn auf die notwendige strukturierte Aufarbeitung solcher Massenanfälle von Verletzten hinwies.
- Rettungsdienstlicher Nachwuchs: In Mittelhessen probten 28 angehende Notfallsanitäter des DRK Rettungsdienstes Mittelhessen und kooperierender Dienste Szenarien wie eine Gewalttat an einer Schule sowie ein Brandereignis.
- Schutz kritischer Infrastruktur: In Österreich trainieren das Bundesministerium für Inneres und die VERBUND AG von Mitte Oktober 2026 an schwerpunktmäßig Führungs- und Stabsabläufe zum Schutz systemrelevanter Einrichtungen.
Solche praxisnahen Trainingsmodule stellen sicher, dass Einsatzstäbe fachliche Standards wahren und auch unter extremem psychischem Druck handlungsfähig bleiben.
