Psychische, Belastung

Psychische Belastung: 119 Krankentage – Personalwesen besonders gefährdet

Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 19:20 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fast 119 Krankentage je 100 Versicherte wegen Belastungsreaktionen 2025. Neue Methoden sollen HR-Verantwortliche gezielt vor Erschöpfungsdepressionen schützen.

Burn-out-Prävention für HR: Neue Strategien gegen steigende Belastungen
Ein minimalistischer, ruhiger Arbeitsplatz mit einer Pflanze und einem Glas Wasser in warmem Licht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz gewinnt angesichts steigender Krankheitszahlen zunehmend an Bedeutung, wobei insbesondere Mitarbeiter im Personalwesen vor spezifischen Herausforderungen stehen. Neue Best-Practice-Methoden zur gezielten Burn-out-Prävention für diese Berufsgruppe, die Anfang August 2026 vorgestellt wurden, rücken nun Strategien in den Fokus, die auf die besonderen Belastungsprofile von HR-Verantwortlichen zugeschnitten sind.

Steigende Fallzahlen und die Diagnose Burn-out

Aktuelle Daten der Krankenkasse KKH verdeutlichen die Dringlichkeit präventiver Maßnahmen. Im Jahr 2025 wurden knapp 119 Krankentage pro 100 Versicherte aufgrund akuter Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen registriert. Dies stellt einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (112 Tage) dar und markiert eine Zunahme von fast 80 % seit dem Jahr 2017, als der Wert noch bei 66 Tagen lag. Die Gesamtzahl der Fälle stieg laut KKH-Statistik von 19.658 im Jahr 2017 auf 33.425 Fälle im Jahr 2025 an. Damit gelten Belastungsreaktionen als die häufigste psychische Diagnose und der dritthäufigste Grund für Krankschreibungen insgesamt.

Medizinische Fachleute wie Gernot Langs von der Schön Klinik Bad Bramstedt definieren Burn-out dabei nicht als eigenständige Erkrankung, sondern als eine Erschöpfungsdepression, die sich oft schleichend über Jahre entwickelt. Zu den wesentlichen Warnsignalen zählen anhaltende Erschöpfung, Schlafprobleme, Reizbarkeit, Lustlosigkeit sowie ein spürbarer Leistungsabfall und Zynismus gegenüber der beruflichen Tätigkeit.

Stressoren im modernen Arbeitsumfeld

Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig. Eine im Juni 2026 durchgeführte Studie von Swiss Life und der IGBCE unter 1.153 Industriebeschäftigten zeigt, dass 54 % der Befragten steigende Anforderungen erwarten und sich 44 % bereits stärker belastet fühlen. Als Hauptstressoren werden Kosteneinsparungen (49 %), Personalabbau (48 %) und Umstrukturierungen (40 %) identifiziert – Prozesse, die im Personalwesen unmittelbar administrativ und emotional begleitet werden müssen.

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Zusätzlich identifizieren Fachärzte den sogenannten unsichtbaren Stress der Unklarheit als maßgeblichen Faktor. Dieser entstehe insbesondere durch mobiles Arbeiten, wenn klare Abgrenzungen zwischen Berufs- und Privatleben fehlen. Ergänzend weisen Analysen des manager magazins darauf hin, dass auch die Zusammenarbeit mit problematischen Führungspersönlichkeiten, etwa narzisstisch veranlagten oder überforderten CEOs, die psychische Belastung für Personalverantwortliche erhöhen kann.

Auf europäischer Ebene zeigen Erhebungen von Eurofound, dass etwa ein Fünftel der Beschäftigten in der EU mehrmals monatlich nach Feierabend kontaktiert wird. Insgesamt fühlen sich 59 % der Befragten bei der Arbeit gestresst. Während Länder wie Frankreich, Italien oder Spanien bereits gesetzliche Regeln zum Recht auf Abschalten eingeführt haben, bleibt die ständige digitale Erreichbarkeit in vielen Bereichen ein ungelöstes Problem. In Großbritannien etwa führen unbezahlte Überstunden zu einem geschätzten wirtschaftlichen Wert von 28,5 Milliarden Britischen Pfund.

Strategien zur Prävention und Absicherung

Die neuen Methoden zur Prävention setzen an verschiedenen Ebenen an. Experten der KKH empfehlen als Basis klare Regeln für die Erreichbarkeit, feste Arbeitszeiten und das konsequente Abschalten digitaler Geräte nach Dienstschluss. Für Unternehmen rückt das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) in den Fokus. So wurde beispielsweise die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft BDO im Mai 2025 für die Neuausrichtung ihres BGM mit dem Gütesiegel „Gesunder Arbeitgeber“ ausgezeichnet. Die Vorstandsvorsitzende Andrea Bruckner verwies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung einer systematischen Förderung der Mitarbeitergesundheit.

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Auf individueller Ebene wird bei ersten Anzeichen von Überlastung geraten, Belastungen frühzeitig zu thematisieren und ärztlichen Rat einzuholen. Auch die finanzielle Absicherung spielt eine Rolle: Laut der Swiss Life/IGBCE-Studie bevorzugen 31 % der Beschäftigten einen Grundfähigkeitsschutz, während ebenso viele eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) favorisieren. Tatsächlich verfügen jedoch nur 12 % über einen Grundfähigkeitsschutz und 40 % über eine BU.

Angesichts des fortschreitenden Wandels, auch durch Technologien wie Künstliche Intelligenz, fordert der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis eine aktive Gestaltung der Arbeitsbedingungen, um den steigenden Druck auf die Beschäftigten nachhaltig zu senken. Insbesondere im Personalwesen, das diesen Wandel moderiert, bleibe die Selbstfürsorge und die Anwendung erprobter Präventionsmethoden essenziell.

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