Psychische, Belastung

Psychische Belastung: 39% der Teilzeitkräfte betroffen

07.06.2026 - 20:30:46 | boerse-global.de

Studien zeigen hohe psychische Belastung bei Beschäftigten. Bewegung und Selbstmitgefühl gelten als vielversprechende Ansätze zur Stressbewältigung.

Psychische Belastung am Arbeitsplatz: Neue Strategien gegen Stress
Psychische - Eine Hand ruht auf einer Laptoptastatur, die andere Hand drückt einen Stressball. Büroatmosphäre. 07.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Arbeitswelt, das Bildungssystem und die Gesundheitsversorgung stehen unter Druck. Wissenschaftler setzen deshalb auf neue Strategien – von Bewegung bis zu mehr Selbstmitgefühl.

Betriebe in der Pflicht

Seit 2013 schreibt das Arbeitsschutzgesetz vor, dass Unternehmen psychische Belastungen berücksichtigen müssen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat dazu ein Handbuch veröffentlicht. Entscheidend sind demnach der Handlungsspielraum der Mitarbeiter, die Arbeitsmenge, soziale Unterstützung sowie die Gestaltung von Pausen und Arbeitszeiten.

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Die Realität sieht anders aus. Der AXA Mental Health Report zeigt: 39 Prozent der Teilzeitkräfte fühlen sich psychisch belastet, bei Vollzeitbeschäftigten sind es 26 Prozent. Experten erklären das so: Arbeitszeitreduzierungen sind oft eine Reaktion auf Überlastung durch Pflege oder Kinderbetreuung – die zugrunde liegenden Strukturen bleiben aber unverändert.

Hinzu kommt: Das Versorgungssystem steht vor dem Kollaps. Geplante Honorarkürzungen für Psychotherapeuten von 20 bis 30 Prozent könnten die Zahl der Therapieplätze drastisch reduzieren. Die Psychotherapeutenkammer Hessen warnt vor noch längeren Wartezeiten – aktuell liegen sie bei rund vier Monaten.

Was im Gehirn passiert

Die Neurowissenschaftlerin Friederike Fabritius schlägt ein einfaches Modell vor: „Fun, Fear & Focus“ – Freude, Aufregung, Fokus. Wer in diesen Zuständen balanciert, erreicht die beste Gehirnleistung. Ihre Empfehlung: Feste Schlafenszeiten, bewusster Verzicht auf zusätzliche Belastungen.

Ein weiterer Trend heißt „Impathie“ – also Empathie mit sich selbst. Die Psychologin Dr. Stefanie Neubrand beschreibt drei Schritte: eigene Bedürfnisse wahrnehmen, eine Metaposition zum eigenen Erleben einnehmen und eine annehmende Haltung entwickeln. Das soll gegen digitalen Stress helfen – den sogenannten Techno-Stress.

Bewegung als Medizin

Eine Meta-Analyse aus dem British Medical Journal (2024) zeigt: Aerobes Training wirkt bei Depressionen ähnlich gut wie Medikamente. In Großbritannien gibt es bereits Radfahrprogramme im staatlichen Gesundheitssystem – mit messbaren Einsparungen.

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Die Gendermedizin zeigt zudem: Frauen verarbeiten Stress anders. Die Herzchirurgin Prof. Dr. Sandra Eifert erklärt, dass 95 Prozent der Fälle des Broken-Heart-Syndroms bei Frauen auftreten. Östrogen biete zwar biologische Vorteile, emotionaler Stress treffe Frauen aber häufiger. Ihre Empfehlung: Regelmäßige Herzuntersuchungen ab dem mittleren Lebensalter.

Für schwere Depressionen bleibt die stationäre Therapie zentral. Prof. Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe betont: Bei Suizidalität oder therapieresistenten Zuständen sind klinische Strukturen unverzichtbar. Eine Zwangsbehandlung ist rechtlich an die Zustimmung eines Richters gebunden.

FrĂĽh ansetzen

Auch im Bildungswesen steigen die Belastungen. Pädagogen schätzen, dass bereits ein Drittel der Oberstufenschüler psychisch belastet ist. Workshops zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen sollen frühzeitig helfen.

Eine Studie im Fachjournal Science mit über 100.000 Personen aus 125 Ländern liefert positive Nachrichten: Die globale Kooperationsbereitschaft ist hoch. In Deutschland liegt die tatsächliche Kooperation bei 86 Prozent – deutlich über der durchschnittlichen Erwartung der Probanden. Experten sehen darin einen wichtigen Faktor für gesellschaftlichen Zusammenhalt und psychische Gesundheit.

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