Psychische, Belastung

Psychische Belastung: 48 Prozent der Unter-25-Jährigen in Risikogruppe

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 00:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Internationale Daten belegen häufige psychische Belastungen bei unter 25-Jährigen; Jugendliche nennen schulische Ansprechpersonen und Eltern als hilfreiche Unterstützung.
Symbolbild: ruhiger See bei Sonnenaufgang Illustration mit AI erstellt.

Das seelische Wohlbefinden Heranwachsender gerät zunehmend unter Druck. Erhebungen zeichnen ein deutliches Bild verunsicherter Jugendlicher: 62 Prozent der jungen Menschen fühlen sich wenig attraktiv, und 58 Prozent zweifeln an ihrer eigenen Intelligenz. Diese Selbstzweifel fügen sich in ein größeres Muster psychischer Probleme ein, das sich durch zahlreiche internationale und nationale Untersuchungen zieht.

Verschwinden der klassischen Glückskurve

Eine im Fachjournal PLOS ONE veröffentlichte internationale Untersuchung, die Daten von 1,7 Millionen Personen der Generation Z aus 44 Ländern im Zeitraum von 2020 bis 2025 auswertete, belegt eine ausgeprägte Schieflage.

Demnach weisen 48 Prozent der unter 25-Jährigen ein negatives Ergebnis auf dem Mental Health Quotient auf und fallen damit in eine klinische Risikogruppe. Bei jungen Frauen unter 25 Jahren liegt dieser Anteil bei 53 Prozent, während er bei jungen Männern 41 Prozent beträgt.

Besonders schwer betroffen sind 13,4 Prozent der unter 25-Jährigen, die der höchsten Belastungskategorie zugeordnet werden – in der Gesamtstichprobe liegt dieser Vergleichswert bei lediglich 5,6 Prozent.

Die Wissenschaftler stellen fest, dass die historisch beobachtete U-Kurve des Lebensglücks, bei der junge Menschen typischerweise hohe Zufriedenheitswerte aufweisen, verschwindet. Als wesentliche Treiber werden tiefgreifende wirtschaftliche und technologische Transformationen, anhaltende Pandemiefolgen sowie erschwerte Bedingungen beim Übergang in den Arbeitsmarkt identifiziert.

Körperliche Symptome und digitaler Stress

Der psychische Druck manifestiert sich auch körperlich. Daten aus dem TK-Report zeigen signifikante Belastungen im Vergleich zu weniger gestressten Gleichaltrigen: 38 Prozent der Betroffenen klagen über Schlafprobleme (Vergleichsgruppe: 14 Prozent), 37 Prozent über Kopfschmerzen oder Migräne (gegenüber 12 Prozent) und 30 Prozent über Muskelverspannungen oder Rückenschmerzen (gegenüber 17 Prozent).

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Zudem berichten 39 Prozent über innere Unruhe (Vergleichsgruppe: 17 Prozent) sowie 39 Prozent über Erschöpfungszustände (Vergleichsgruppe: 22 Prozent).

In Mitteldeutschland gaben Jugendliche im selben Bericht konkrete Belastungsfaktoren an. 50 Prozent fühlen sich durch Fake News gestresst, 36 Prozent durch eine zu hohe Verweildauer auf sozialen Plattformen und 32 Prozent durch Beleidigungen sowie Mobbing. Studien weisen zudem darauf hin, dass soziale Medien gezielt Ängste bezüglich des eigenen Aussehens bei Studierenden verstärken.

Niedrigschwellige Hilfen und frühe Prävention

Als unterstützend bewerten betroffene Jugendliche vor allem direkte Kontakte: 50 Prozent nennen ausgebildete Ansprechpersonen an Schulen als hilfreich, 47 Prozent Workshops oder Kurse und ebenso viele den Austausch mit den Eltern.

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Gleichzeitig bleibt die Hemmschwelle für externe Unterstützung hoch. Beim Beratungsdienst krisenchat gehen die meisten Hilferufe zwischen 18 und 2 Uhr ein; etwa 32 Prozent der Ratsuchenden sind zwischen 18 und 25 Jahre alt. Mehr als die Hälfte der Hilfesuchenden hatte zuvor noch nie über die eigenen Nöte gesprochen.

Eine gemeinsame Befragung der Organisation mit der Universität Leipzig unter 247 Jugendlichen verdeutlichte, dass Angst vor Stigmatisierung und ein Mangel an Wissen über seelische Erkrankungen zentrale Barrieren darstellen. Rund jede fünfte Anfrage betrifft grundlegende Fragen nach Zuständigkeiten, Fristen oder Kosten einer Behandlung.

Fachleute fordern angesichts dieser Entwicklungen ein strukturiertes Gegensteuern. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Michael Kölch, plädiert für eine nationale Präventionsstrategie, da die Hälfte aller längerfristigen psychischen Erkrankungen bereits im Kindes- oder Jugendalter ihren Ursprung nehme.

Erprobte Ansätze aus der Interventionsforschung, die von gezielter Mediennutzung bis hin zu therapeutisch begleiteten Entspannungsübungen reichen, deuten darauf hin, dass strukturierte Gegenmaßnahmen das Körperbild und den Selbstwert junger Menschen messbar stabilisieren können.

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