Psychische Belastung Jugendlicher: 116.300 stationÀre Behandlungen 2024
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der stĂ€ndige Abgleich mit inszenierten Bildwelten auf digitalen Plattformen entwickelt sich fĂŒr viele junge Menschen zu einer schweren seelischen Belastung.
Fachleute weisen darauf hin, dass die permanente Konfrontation mit scheinbar perfekten Körpern Unzufriedenheit und Essstörungen signifikant verstÀrkt. Besonders Jugendliche stehen unter Druck, auf solchen Plattformen BestÀtigung und Anerkennung zu finden, was bestehende Risiken weiter verschÀrft.
Psychotherapeutin Raffaela Vanzetta von der Fachstelle fĂŒr Essstörungen betont, dass viele Betroffene zunehmend mit dem Kopf essen, anstatt auf die natĂŒrlichen Signale des eigenen Körpers zu achten.
Um schwerwiegenden VerlĂ€ufen entgegenzuwirken, fordert die Expertin ein aufmerksames Umfeld: Junge Menschen mĂŒssten genau beobachtet werden, damit Anzeichen von Essstörungen rechtzeitig erkannt und behandelt werden können. Berichte heben hervor, dass sich die Zahl der MĂ€dchen, die wegen Essstörungen im Krankenhaus behandelt werden mĂŒssen, im Vergleich zu vor 20 Jahren verdoppelt hat.
Verzerrte Wahrnehmung und der Druck des Vergleichs
Die psychologischen Mechanismen hinter dieser Entwicklung sind vielschichtig. Die Modepsychologin Paola Pizza erklĂ€rt in diesem Zusammenhang das Krankheitsbild der Körperdysmorphie, die seit 2013 im Diagnosemanual DSM-5 als Zwangsstörung eingestuft wird. Die Ursache liege meist in einem Zusammenspiel aus individuellen Faktoren, kulturellen EinflĂŒssen und dem Gruppendruck, wobei die Störung vor allem in der Adoleszenz auftritt.
VerstĂ€rkt wird das Problem durch verzerrte Nutzungsmuster und ĂŒbersteigerten Perfektionismus in sozialen Netzwerken. Nach der Selbstdiskrepanz-Theorie von Higgins wachsen EnttĂ€uschung und Depression mit der GröĂe der LĂŒcke zwischen dem realen und dem idealen Selbstbild. Zur BewĂ€ltigung empfiehlt Pizza, den inneren Fokus neu auszurichten: Statt einzelne vermeintliche Makel zu fixieren, gelte es, die eigene Person wieder ganzheitlich zu betrachten.
StationÀre Behandlungen und emotionale Belastung nehmen zu
Dass der Druck auf Heranwachsende generell wÀchst, belegen auch bundesweite Erhebungen. Einem Impulspapier des BKK Dachverbands zufolge gab es im Jahr 2024 rund 116.300 stationÀre Behandlungen bei Zehn- bis 19-JÀhrigen aufgrund psychischer Erkrankungen. Im Rahmen der COPSY-Studie zeigten 13 Prozent der Kinder und Jugendlichen depressive Symptome.
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Zudem sind 15,4 Prozent der Drei- bis 17-JĂ€hrigen ĂŒbergewichtig und 5,9 Prozent von Adipositas betroffen. Der Verband fordert daher, das Thema Gesundheit stĂ€rker in der Bildungspolitik zu verankern und SchulgesundheitsfachkrĂ€fte flĂ€chendeckend einzusetzen. In Deutschland leben derzeit rund 14 Millionen Kinder und Jugendliche.
Auch internationale Untersuchungen spiegeln den Ernst der Lage wider. Laut dem HBSC-Report der UniversitÀt Utrecht und des Trimbos-instituuts weisen zwölf- bis 16-jÀhrige MÀdchen inzwischen so viele emotionale Probleme auf wie wÀhrend der Coronazeit.
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Die Lebenszufriedenheit von MĂ€dchen liegt demnach bei einem Wert von 6,8, wĂ€hrend Jungen auf 7,7 kommen â im Jahr 2001 lag der Wert noch bei 7,8. Eine problematische Nutzung sozialer Medien betrifft der Erhebung zufolge 7,2 Prozent der MĂ€dchen und 4,6 Prozent der Jungen.
Initiativen zur StÀrkung der Medienkompetenz
Angesichts dieser Herausforderungen rĂŒcken GegenmaĂnahmen in den Fokus. Das Land Niederösterreich stellte etwa die Initiative âMedienfit in Niederösterreichâ vor. BildungslandesrĂ€tin Christiane Teschl-Hofmeister plĂ€diert dafĂŒr, Schutz und Bildung im digitalen Zeitalter gemeinsam zu betrachten, und kritisiert, dass Plattformbetreiber bislang zu wenig in die Pflicht genommen wĂŒrden.
Das zugrunde liegende europĂ€ische Modell stĂŒtzt sich auf vier SĂ€ulen: das Hinauszögern der Nutzung sozialer Medien, altersgerechte Angebote, Schutz vor unerwĂŒnschten Kontakten sowie die Vermeidung ungewollter Lokalisierung. Als zentrales Element fungiert ein Webportal fĂŒr LehrkrĂ€fte mit Unterrichtseinheiten und Impulsen, flankiert von Informationsangeboten fĂŒr Eltern.
