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Psychische Erkrankung: 18 Millionen Betroffene, doch Gewalt bleibt Ausnahme

31.05.2026 - 15:09:21 | boerse-global.de

Studie zeigt: Psychisch Kranke werden selten gewalttätig. Armut und Isolation sind stärkere Risikofaktoren. Behörden fordern bessere Vernetzung.

Psychische Erkrankung: 18 Millionen Betroffene, doch Gewalt bleibt Ausnahme - Foto: ĂĽber boerse-global.de
Psychische Erkrankung: 18 Millionen Betroffene, doch Gewalt bleibt Ausnahme - Foto: ĂĽber boerse-global.de

Nur ein verschwindend geringer Teil von ihnen wird gewalttätig.

Das belegen Forschungsergebnisse der Uniklinik Aachen. Als eigentliche Risikofaktoren für Delinquenz gelten demnach antisoziale Persönlichkeitsstörungen und Schizophrenie – und selbst die lassen sich durch konsequente Behandlung deutlich entschärfen.

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Externe Faktoren wie Armut, soziale Isolation, niedriges Bildungsniveau oder eigene Gewalterfahrungen spielen statistisch eine weit größere Rolle als die psychische Verfassung allein. Das betonen Experten immer wieder.

Wenn Behörden aneinander vorbeireden

Ein zentrales Problem in der Prävention: Der Informationsfluss zwischen Sicherheitsbehörden und Kliniken ist stark eingeschränkt. Fachleute kritisieren, dass Informationen meist nur in eine Richtung fließen – zur Polizei.

Behandelnde Psychiater haben keinen Zugriff auf Justizakten oder Vorstrafenregister. Eine umfassende Gefährdungsbeurteilung wird so massiv erschwert.

Das zeigt der Fall eines Messerangriffs am 28. Mai 2026 am Bahnhof Winterthur. Der 31-jährige Täter war nur wenige Tage zuvor wegen wirrer Aussagen in die Integrierte Psychiatrie Winterthur (IPW) eingewiesen worden – eine Klinik, die jährlich rund 1000 fürsorgerische Unterbringungen verzeichnet.

Obwohl die Kantonspolizei Zürich die Bundeskriminalpolizei am 26. Mai über den psychischen Zustand des Mannes informierte, erfolgte die Entlassung bereits einen Tag später. Forensiker Jérôme Endrass betont: Zum Zeitpunkt des Austritts lag eine schwere Erkrankung mit Anzeichen für einen psychotischen Schub vor. Eine akute Fremdgefährdung wurde jedoch nicht erkannt.

Die Grauzone zwischen Ideologie und Krankheit

In der Extremismusforschung gewinnt ein Phänomen an Bedeutung: die Vermischung von politischer Ideologie, persönlicher Frustration und psychischer Vulnerabilität. Experten des King’s College London sprechen von „Grauzonen-Phänomenen“. Die Täter sind oft Einzeltäter, stark beeinflusst durch Online-Medien.

Die Biografie des Winterthur-Täters passt ins Bild. Der schweizerisch-türkische Doppelbürger war den Behörden seit 2015 im Zusammenhang mit IS-Propaganda bekannt. Bis Mai 2026 hielt er sich in der Türkei auf.

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Türkische Anti-Terror-Experten geben an, allein im April 2026 über 500 IS-Verdächtige festgenommen zu haben – einige davon im Umfeld des Täters. Winterthur galt zudem bereits früher als Dschihadismus-Hotspot. Trotzdem blieb die psychische Instabilität des Mannes für die Sicherheitsbehörden ein schwer greifbarer Faktor.

Prävention beginnt früh – und scheitert oft an Bürokratie

Um den Zusammenhang zwischen frühen Traumatisierungen und späterer Delinquenz besser zu verstehen, setzen Institutionen verstärkt auf Fortbildung. Anfang Juni 2026 beschäftigt sich ein Seminar der Hochschule Landshut genau mit dieser Schnittstelle: Bindungstraumata und spätere Gewalt- oder Sexualdelinquenz.

Zielgruppe sind Fachkräfte der Jugendgerichtshilfe und Jugendämter. Sie sollen bereits in frühen Entwicklungsphasen eingreifen können.

Die aktuelle Debatte zeigt: Effektive Prävention braucht mehr als klinische Behandlung. Sie erfordert eine bessere Vernetzung aller Akteure. Während Sicherheitsdirektionen teilweise von ärztlichen Fehleinschätzungen sprechen, fordern Mediziner und Forensiker gesetzliche Rahmenbedingungen für einen kontrollierten Austausch relevanter Informationen – ohne die ärztliche Schweigepflicht grundlegend auszuhebeln.

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