Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: 15–20 Jahre kürzere Lebenserwartung

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 22:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

NHS-Daten zeigen bei schweren psychischen Erkrankungen eine um 15 bis 20 Jahre verkürzte Lebenserwartung und hohe Risiken durch Folgekrankheiten.

Psychische Erkrankungen verkürzen Lebenserwartung in England deutlich
Eine einsame Parkbank in einer herbstlichen Landschaft bei Sonnenuntergang. Illustration mit AI erstellt.

Erwachsene mit schweren psychischen Erkrankungen weisen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine drastisch reduzierte Lebenserwartung auf. Eine Auswertung von Daten des National Health Service (NHS) durch die Organisation Rethink Mental Illness, über die im September 2026 berichtet wurde, zeigt für England eine Lücke von 15 bis 20 Jahren.

Die vorzeitigen Todesfälle sind dabei überwiegend nicht auf die psychischen Leiden selbst zurückzuführen, sondern auf vermeidbare körperliche Folgeerkrankungen.

Vermeidbare körperliche Leiden als Hauptursache

Die Erhebungen auf Basis der NHS-Daten verdeutlichen, dass chronische organische Erkrankungen die Hauptlast der vorzeitigen Sterblichkeit tragen. Im Zeitraum von 2022 bis 2024 wurden bei den 18- bis 74-Jährigen über 24.000 Todesfälle registriert. Die vier Diagnosegruppen Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen und Lebererkrankungen machten zusammen 56,5 Prozent aller Todesfälle in dieser Altersgruppe aus.

Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren für jeweils knapp 19 Prozent der Todesfälle verantwortlich. Atemwegserkrankungen machten 11 Prozent aus, während Lebererkrankungen für 8 Prozent der Fälle erfasst wurden.

Verglichen mit der Allgemeinbevölkerung wiesen Betroffene ein 6,3-fach erhöhtes Risiko auf, an Lebererkrankungen zu sterben. Bei Atemwegserkrankungen lag das Risiko 6-fach höher, bei Herz-Kreislauf-Leiden 3,8-fach und bei Krebserkrankungen 2,3-fach.

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Erhöhte Mortalität und Suizidrisiko vor dem 75. Lebensjahr

Besonders ausgeprägt zeigt sich die Sterblichkeit bei Personen unter 75 Jahren, die an spezialisierte psychiatrische Dienste überwiesen wurden. Für diese Gruppe ergaben die NHS-Daten ein 4,8-fach erhöhtes Risiko, vor dem Erreichen des 75. Lebensjahres zu versterben.

Neben körperlichen Begleiterkrankungen stellt das Suizidrisiko einen gravierenden Faktor dar: Die Suizidrate lag laut der Analyse von Rethink Mental Illness 14,6-fach über dem Durchschnitt der Allgemeinbevölkerung. Im Zeitraum 2022 bis 2024 entfielen 7 Prozent der registrierten Todesfälle bei den 18- bis 74-Jährigen auf Suizide.

Defizite bei Früherkennung und Versorgung

Die Zahlen spiegeln grundlegende Probleme an den Schnittstellen zwischen psychiatrischer und somatischer Medizin wider. Körperliche Warnsignale und Symptome werden bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen häufig verzögert diagnostiziert oder unzureichend therapiert, was zu einer Häufung vermeidbarer Todesfälle führt.

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Dass Defizite in der Versorgung erhebliche Auswirkungen auf die Mortalität haben, belegen auch Beobachtungen aus anderen Ländern. Nach Angaben der Deutschen Depressionshilfe erkranken in Deutschland jährlich etwa 5,3 Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen unipolaren Depression.

Bei jährlich rund 10.000 Suiziden und etwa 150.000 Suizidversuchen stehe der Großteil im Zusammenhang mit einer nicht optimal behandelten Erkrankung, da lediglich eine Minderheit der Betroffenen eine adäquate Versorgung erhalte.

Die Daten verdeutlichen die Notwendigkeit einer frühzeitigen, ganzheitlichen Gesundheitsüberwachung, um somatische Begleiterkrankungen rechtzeitig zu erkennen und die Sterblichkeitslücke zu schließen.

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