Psychische Erkrankungen: 77% suchen keine professionelle Hilfe
Veröffentlicht am: 05.07.2026 um 18:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Peer-Support könnte die Lücke schließen.
Eine Studie der Duke-NUS Medical School in Singapur zeigt das Ausmaß des Problems. Von 350 befragten Erwachsenen mit Angst- oder Depressionssymptomen hatte rund 77 Prozent keine professionelle Hilfe in Anspruch genommen. Die Ergebnisse wurden Anfang Juli 2026 im Singapore Medical Journal veröffentlicht.
Hohe Akzeptanz für Unterstützung von Betroffenen
Gleichzeitig sind viele Menschen offen für alternative Hilfe: 62 Prozent der Befragten würden Peer-Support annehmen. Dabei bevorzugt knapp die Hälfte Einzelgespräche, 43 Prozent wünschen sich virtuelle Formate. Besonders bei jüngeren Erwachsenen und Führungskräften ist die Akzeptanz überdurchschnittlich hoch.
Peer-Support bedeutet: Menschen mit ähnlichen Lebenserfahrungen unterstützen sich gegenseitig. Sie ersetzen keine Therapeuten, senken aber die Hemmschwelle für Hilfesuchende.
Gruppentherapie ist wirksam – wird aber selten genutzt
Die Wirksamkeit von Gruppenangeboten ist wissenschaftlich belegt. Metaanalysen zeigen, dass Gruppentherapien der Einzeltherapie in nichts nachstehen. Trotzdem werden in Deutschland rund 97 Prozent aller ambulanten Psychotherapien als Einzelbehandlungen durchgeführt.
Dabei sind Gruppenformate für viele Störungsbilder geeignet – solange keine akute Krise vorliegt. Peer-Angebote ergänzen diesen Ansatz: Sie sind niedrigschwellig, oft ohne Wartezeiten und formale Diagnosen zugänglich.
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Digitale Angebote erweitern den Aktionsradius
Moderne Technologien helfen, Selbsthilfe-Initiativen zu vernetzen. Im Juli 2026 stellte der Verein wir pflegen e.V. in Berlin die App „mitpflegeleben“ vor. Sie soll pflegende Angehörige durch Austausch und Information entlasten.
Auch das Recovery College Berlin in Spandau setzt auf einen neuen Ansatz. Dort leiten Betroffene selbst die Kurse – Menschen, die psychische Krisen, Sucht oder Persönlichkeitsstörungen erlebt haben. Sie vermitteln Strategien zur Bewältigung, die Angebote sind kostenlos. Der Rahmen ist pädagogisch, nicht klinisch.
Zielgruppenspezifische Angebote wachsen
Die Peer-Unterstützung wird immer spezifischer:
- Gerontopsychiatrie: Die Selbsthilfegruppe „HERZ ASZ“ in Magdeburg und das Erinnerungscafé „Vergiss mein nicht“ in Naumburg bieten Anlaufstellen für Menschen mit Demenz und deren Angehörige.
- LGBTQ+-Community: In Colchester (Großbritannien) schaffen die „Tuesday Socials“ geschützte Räume für Austausch über Identität und psychische Gesundheit.
- International: Die US-Organisation NAMI bietet wöchentliche Peer-Programme an – kostenlos und standardisiert im 90-minütigen „NAMI Connection“-Format.
Neben dem Austausch in Gruppen kann auch die Gestaltung des eigenen Umfelds helfen, mentalen Ballast abzuwerfen und Stress zu reduzieren. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden, wie ein bewussterer Lebensstil Ihnen hilft, wieder mehr Freiheit und Klarheit im Kopf zu gewinnen. Minimalismus-Ratgeber jetzt kostenlos als PDF entdecken
Peer-Support ersetzt die professionelle Versorgung nicht. Aber er erweitert sie dringend nötig. Die Kombination aus wissenschaftlich belegter Wirksamkeit, digitaler Erreichbarkeit und gelebter Erfahrung schafft eine robustere Versorgungslandschaft.
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