Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: Chronische Verläufe steigen von 42,7 auf 57,9 Prozent

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 14:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Anteil anhaltender oder wiederkehrender psychischer Störungen stieg im Vergleich zur früheren Erhebung von 42,7 auf 57,9 Prozent.
Ein minimalistischer, leerer Warteraum mit weichem Tageslicht und einem einzelnen Holzstuhl vor einer leeren Wand. Illustration mit AI erstellt.

Viele Menschen mit psychischen Erkrankungen finden über längere Zeit keinen Weg aus ihren Beschwerden. Wie eine Untersuchung im Fachjournal Psychological Medicine darlegt, weisen weit verbreitete Störungsbilder im Vergleich zu früheren Dekaden eine wachsende Tendenz zur Chronifizierung auf.

Ein Team um Artemis Gkitakou vom Universitätsklinikum Amsterdam analysierte für die wissenschaftliche Arbeit langfristige Krankheitsverläufe und stellte fest, dass sich die Persistenz solcher Leiden über die Jahre spürbar verstärkt hat.

Hohe Persistenz bei Angst, Depression und Suchterkrankungen

Grundlage der niederländischen Studie bildeten Daten von rund 4700 Personen. Diese wurden in den Jahren 2019 bis 2022 im Rahmen einer Erstbefragung erfasst und etwa drei Jahre später erneut zu ihrem Gesundheitszustand befragt. Die Ergebnisse verdeutlichen das Ausmaß anhaltender Beeinträchtigungen: Nach drei Jahren waren 42 Prozent der Personen mit einer Angststörung weiterhin oder erneut erkrankt.

Bei affektiven Störungen, zu denen unter anderem depressive Erkrankungen gehören, lag dieser Anteil bei 48 Prozent. Bei substanzbezogenen Störungen blieben 40 Prozent der Betroffenen nach drei Jahren krank oder erlitten einen Rückfall.

Im historischen Vergleich zeigt sich eine deutliche Zunahme dieser dauerhaften Belastungen. Gegenüber einer früheren Erhebung, die zwölf Jahre vor diesem Zeitraum stattfand, hat sich die Rate chronischer Verläufe erheblich gesteigert: Zwischen den zwei Messzeitpunkten wuchs der Anteil der Erwachsenen mit einer fortbestehenden oder wiederkehrenden häufigen psychischen Störung von 42,7 Prozent auf 57,9 Prozent an.

Risikogruppen und gesellschaftliche Einflussfaktoren

Die Daten weisen zudem darauf hin, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen überproportional häufig von langwierigen Krankheitsverläufen betroffen sind. Als besonders hartnäckig erwiesen sich die Störungen demnach bei jüngeren Menschen, bei der städtischen Bevölkerung sowie bei Personen, die über traumatische Kindheitserfahrungen berichteten.

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Die konkreten Gründe für diese Entwicklung gelten bislang als unklar, die Forschenden diskutieren jedoch verschiedene Erklärungsansätze. Auf der einen Seite könnten veränderte Rahmenbedingungen und wachsende gesellschaftliche Belastungen eine maßgebliche Rolle spielen; genannt werden hierbei globale Krisen wie der Klimawandel sowie bewaffnete Konflikte.

Auf der anderen Seite könnte auch ein methodischer Effekt zum Tragen kommen: Ein insgesamt größeres gesellschaftliches Bewusstsein für seelische Gesundheit und eine verringerte Stigmatisierung könnten dazu führen, dass Beschwerden heutzutage bereitwilliger berichtet und erfasst werden als in früheren Jahren.

Versorgungsdefizite begünstigen chronische Krankheitsverläufe

Neben allgemeinen Belastungsfaktoren identifiziert die niederländische Untersuchung konkrete Mängel im Gesundheitssystem als mögliche Ursachen für die zunehmende Chronifizierung. Betroffene sehen sich oft mit erheblichen Barrieren konfrontiert, wenn sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen wollen.

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Zu den Faktoren, die ein Festsetzen der Beschwerden begünstigen können, zählen ein Mangel an entsprechenden Anbietern sowie lange Wartelisten für Behandlungsplätze. Hinzu kommen finanzielle Belastungen durch anfallende Selbstkosten sowie ein zersplittertes Versorgungsnetz, das eine kontinuierliche Betreuung der Patientinnen und Patienten erschwert.

Fehlen frühzeitige und passgenaue Hilfsangebote, steigt das Risiko, dass akute Belastungen in dauerhafte oder wiederkehrende Krankheitsphasen übergehen.

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