Psychische Erkrankungen: Fehlzeiten in Niedersachsen auf Rekordniveau
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 20:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Immer mehr Beschäftigte leiden unter Stress – und die Büros passen sich nur langsam an.
Homeoffice: Große Wünsche, wenig Spielraum
Eine aktuelle WSI-Studie zeigt: 64,5 Prozent der Arbeitnehmer arbeiten ausschließlich im Betrieb. Dabei gibt es große Unterschiede beim Bildungsgrad. Nur ein Drittel der Akademiker ist ständig vor Ort, bei Beschäftigten mit Berufsausbildung sind es zwei Drittel.
Die Folge: Wer sich mehr Homeoffice wünscht, als er bekommt, leidet doppelt so häufig unter gesundheitlichen Problemen. Die Arbeitsbelastung ist sogar dreimal so hoch wie bei Kollegen, deren Wünsche erfüllt werden. Dabei würden sich rund 40 Prozent aller Tätigkeiten für mobiles Arbeiten eignen. Aktuell wird dieses Potenzial nur zur Hälfte genutzt.
Bürogestaltung beeinflusst die Präsenzbereitschaft
Die Konstanzer Studie vom März 2026 zeigt: Die Art des Arbeitsplatzes entscheidet mit, wie oft Beschäftigte ins Homeoffice gehen wollen. 35 Prozent der über 1.000 Befragten vermissen soziale Begegnungsflächen im Büro.
Die Unterschiede sind deutlich:
- Einzelbüro-Nutzer wünschen sich im Schnitt 2,34 Homeoffice-Tage pro Woche
- Großraumbüro-Beschäftigte (über 24 Plätze) streben 3,56 Tage an
- Desk-Sharing-Nutzer (24 Prozent der Befragten) wollen 3,4 Tage mobil arbeiten
Die Fehlzeiten durch psychische Erkrankungen steigen rasant – in Niedersachsen auf 105 Tage je 100 Beschäftigte. Wer jetzt nicht gegensteuert, riskiert Produktivitätseinbußen und steigende Kosten. Dieser kostenlose Report liefert die wichtigsten Hebel: von der BAuA-Gefährdungsbeurteilung bis zu Strategien gegen KI-bedingten Stress. Jetzt Report anfordern
Die Büros verändern sich rasant. Laut CBRE stiegen die Flächen für Zusatzangebote seit 2021 um 120 Prozent. Feste Einzelarbeitsplätze gibt es nur noch zu 35 Prozent – 2021 waren es 56 Prozent. 83 Prozent der Unternehmen planen ihre Flächen mittlerweile tätigkeitsbasiert.
Psychische Erkrankungen auf Rekordniveau
Die DAK-Gesundheit meldet für das erste Halbjahr 2026 eine Zäsur: Psychische Leiden haben Atemwegserkrankungen als häufigsten Krankschreibungsgrund abgelöst. In Nordrhein-Westfalen stiegen die Ausfälle um 9 Prozent.
In Niedersachsen erreichten stressbedingte Fehlzeiten ein Rekordniveau von 105 Tagen je 100 Versicherte. Das ist ein Plus von 42 Prozent gegenüber der Zeit vor Corona. Das BAuA-Handbuch betont: Psychische Belastungen müssen im Arbeitsschutz zwingend berücksichtigt werden. Wichtige Stellschrauben sind Handlungsspielräume, eine ausgewogene Arbeitsmenge und soziale Unterstützung.
Kosten in Milliardenhöhe – und neue Belastungen durch KI
Die volkswirtschaftlichen Schäden sind enorm. Die Betriebskrankenkassen beziffern die Kosten durch psychische Erkrankungen auf über 140 Milliarden Euro jährlich. Auch der „Mental Load“ vor Arbeitsbeginn – etwa durch Kinderbetreuung oder Pflege – rückt stärker in den Fokus.
Homeoffice-Wunsch und Realität klaffen auseinander – das belastet Ihre Mitarbeiter doppelt. 64,5 % arbeiten ausschließlich im Betrieb, obwohl sich 40 % der Tätigkeiten für mobiles Arbeiten eignen. Erfahren Sie im Report, wie Sie flexible Modelle gesundheitsfördernd gestalten und gleichzeitig die Bindung Ihrer Fachkräfte stärken. Report jetzt sichern
Dazu kommen neue Belastungsfaktoren: Die CBRE-Studie prognostiziert einen Anstieg der KI-Nutzung um 327 Prozent im kommenden Jahr. Erste Daten zeigen: Beschäftigte mit intensiver KI-Nutzung arbeiten bereits jetzt 2,75 Stunden pro Woche mehr als ihre Kollegen.
Der Wunsch nach Entlastung ist groß. Eine Statista+-Umfrage vom Juni/Juli 2026 ergab: 66 Prozent der Erwerbstätigen wollen ihre Arbeitszeit reduzieren. Hauptgrund für 47 Prozent der Befragten: mehr Zeit für das Privatleben.
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