Psychische Erkrankungen: Fehlzeiten steigen laut AOK-Report um 42 Prozent
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Belastung am Arbeitsplatz nimmt zu, und psychische Erkrankungen verursachen immer längere Fehlzeiten in den Betrieben. Aktuelle Erhebungen und wissenschaftliche Analysen verdeutlichen, dass neben organisatorischen Maßnahmen vor allem regelmäßige körperliche Aktivität und gezielte Bewegungsimpulse einen wirksamen Schutzfaktor gegen emotionale Erschöpfung darstellen können.
Steigende Ausfallzeiten durch mentale Belastungen
Dass der Handlungsbedarf in Unternehmen hoch ist, belegen Daten der Krankenkassen. Laut dem am 8. Oktober 2026 vorgestellten Fehlzeiten-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), der auf Daten von 14,9 Millionen erwerbstätigen Versicherten basiert, stiegen die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen in zehn Jahren um knapp 42 Prozent.
Während 2016 noch 284 Arbeitsunfähigkeitstage je 100 Mitglieder verzeichnet wurden, waren es 2025 bereits 403 Tage. Psychische Erkrankungen führten 2025 im Schnitt zu 28,5 Ausfalltagen je Fall, während Atemwegserkrankungen bei 5,7 Tagen lagen. Bei Burnout-Zusatzdiagnosen gab es ein Plus von 77 Prozent von 11,0 Ausfalltagen je 100 Mitglieder im Jahr 2016 auf 19,5 Tage im Jahr 2025.
Auch für DAK-versicherte Beschäftigte wurden für 2025 rund 366 Arbeitsunfähigkeitstage je 100 Versicherte registriert, was einem Anstieg von 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, bei einer durchschnittlichen Falldauer von 34,2 Tagen.
Eine Untersuchung der Universität Bielefeld zeigte zudem, dass sowohl die Zunahme als auch die Abnahme sogenannter illegitimer, also rollenfremder Aufgaben mit höherer emotionaler Erschöpfung einhergeht, ausgelöst durch Unsicherheit über künftige Rollenerwartungen.
Bewegung als wirksamer Puffer gegen Stress
Vor diesem Hintergrund rückt die ausgleichende Funktion von Sport in den Fokus. Die Untersuchung „Wellbeing Compass“ von Urban Sports Club mit über 5.000 Befragten zeigt, dass Personen, die zwei- bis dreimal pro Woche Sport treiben, ihr Wohlbefinden höher einschätzen – in Deutschland liegt das Plus bei 0,7 Punkten auf einer Skala von 0 bis 10. Rund 50 Prozent der Befragten nannten Bewegung einen natürlichen Stresskiller, und ein Drittel nutzt Sport für Struktur und Routinen.
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Dass entsprechende Förderungen wirken, stützt auch die „Great Employee Benefits Studie 2026“: 90 Prozent der Nutzenden gaben an, dass Fitness-Benefits ihr Wohlbefinden positiv beeinflussen. 87 Prozent werden dadurch zu mehr Aktivität motiviert, und 59 Prozent fühlen sich produktiver.
Allerdings klafft eine Lücke im Angebot: Während laut Urban Sports Club 88 Prozent der Befragten erwarten, dass Unternehmen aktiv zur Gesundheit beitragen, bieten in Deutschland bislang lediglich 24 Prozent der Betriebe Zugang zu Sportangeboten oder Fitnessstudios.
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Eine im Oktober 2026 im Fachjournal Frontiers in Adolescent Medicine veröffentlichte Studie hebt zudem hervor, dass die Kombination aus Bewegung und sozialem Rückhalt Alltagsstress am besten bewältigt.
Impulse für den Büroalltag und betriebliche Verantwortung
Ergänzend zu Sportprogrammen rücken kurze Unterbrechungen sitzender Tätigkeiten in den Mittelpunkt. Eine am 7. Oktober 2026 veröffentlichte Studie verweist darauf, dass ununterbrochenes Sitzen gesundheitliche Risiken signifikant steigert; das Ersetzen einer Stunde Sitzen durch leichte Aktivität senkt diese Risiken messbar.
Fachleute empfehlen Büroangestellten 20 bis 30 Minuten tägliche Bewegung, aufteilbar in Einheiten von dreimal zehn Minuten, sowie Gehpausen alle 45 bis 60 Minuten. Studien aus dem Jahr 2026 zeigen zudem, dass fünfminütige Bewegungspausen alle 30 Minuten Blutzuckerspitzen dämpfen und die kognitive Leistung verbessern.
Untersuchungen der Mayo Clinic belegen, dass auch aktive Arbeitsstationen wie höhenverstellbare Tische oder Walking Pads die Sitzzeit verringern, ohne die Arbeitsleistung zu mindern.
Individuelle Fitnessangebote allein genügen jedoch nicht. Dr. Gustav Wirtz von der SRH RPK Wiesloch gab zu bedenken, dass Stress nicht nur als Problem Einzelner behandelt werden dürfe. Persönliche Angebote können eine gesundheitsgerechte Arbeitsgestaltung nicht ersetzen; vielmehr lägen realistische Arbeitsmengen, Personalbesetzung und verlässliche Arbeitszeiten in der Verantwortung der Betriebe.

