Psychische, Gesundheit

Psychische Gesundheit in Österreich: 75 Prozent schweigen am Arbeitsplatz

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Malmöer Untersuchung berichtet von individuellen Entlastungseffekten; zugleich bleiben Gespräche über psychische Belastungen am Arbeitsplatz selten.
Ein ruhiger, minimalistischer Raum mit natürlichem Lichteinfall und einem leeren Sessel als Rückzugsort. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Berichte und Schulungsformate widmen sich verstärkt der Frage, wie Achtsamkeitstechniken und Coaching-Ansätze Beschäftigten dabei helfen können, beruflichen Stress zu bewältigen und ihre Konzentration zu steigern. Angesichts anhaltender Arbeitsverdichtung rücken sowohl wissenschaftliche Untersuchungen als auch innerbetriebliche Präventionsangebote in den Mittelpunkt der Debatte.

Forschung zeigt individuelle Effekte und kulturelle Hürden

Dass kurze Entlastungsphasen den Arbeitsalltag spürbar beeinflussen können, veranschaulicht eine Untersuchung der Universität Malmö. Beschäftigte aus drei Unternehmen praktizierten dabei nach einem vorbereitenden Workshop zu Mindfulness und Selbstführung über einen Zeitraum von acht Wochen täglich zehn Minuten Achtsamkeit während der Arbeitszeit.

In einer anschließenden Umfrage zeigten sich zwar keine größeren Veränderungen im selbst eingeschätzten Gewahrsein, in qualitativen Freitextantworten und Interviews berichteten viele Teilnehmende jedoch von weniger Stress, einer höheren Präsenz, besserem Fokus sowie einem leichteren Abschalten nach Feierabend.

Die an der Universität Malmö tätige Forscherin Lovisa Broms betonte in diesem Zusammenhang, dass Zeitpunkt und Ausgestaltung von Achtsamkeitspausen stark individuell seien. Entscheidend sei, dass solche Pausen von der betrieblichen Kultur getragen und ausdrücklich erlaubt würden. Zudem seien Rückzugsorte mit begrenzter Einsicht hilfreich; empfohlen werden etwa wenige Minuten geführte Meditation, Musik oder gezielter Atemfokus.

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Wie groß die Hürden im Unternehmensalltag weiterhin sind, unterstreicht eine Erhebung des Gesundheitsanbieters Mavie. Demnach sprechen 75 Prozent der arbeitenden Bevölkerung in Österreich an ihrem Arbeitsplatz nicht über die eigene psychische Gesundheit und arbeitsbedingte Belastungen.

Zwei Drittel der Befragten würden dieses Thema nicht gegenüber der eigenen Führungskraft thematisieren, und lediglich 14 Prozent nehmen bei psychischer Belastung professionelle Unterstützung in Anspruch.

Zugleich wünscht sich mehr als die Hälfte der Beschäftigten psychosoziale Angebote im Betrieb. Für 54 Prozent stellt die psychische Gesundheit zudem ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl einer neuen Arbeitsstelle dar.

Präventionsangebote von Seminaren bis zu KI-Anwendungen

Um diesen Anforderungen zu begegnen, greifen Organisationen und Anbieter auf unterschiedliche Konzepte zurück. Mavie Work stellt beispielsweise ein Mitarbeiterunterstützungsprogramm bereit, das vertrauliche persönliche, telefonische oder digitale Beratung über eine rund um die Uhr erreichbare Hotline in 16 Sprachen umfasst und neben Österreich und Deutschland in sechs osteuropäischen Ländern aktiv ist.

Die AOK Bayern stellt für Versicherte im Alter von 18 bis 65 Jahren seit Anfang September einen zwölfmonatigen, kostenfreien Präventionskurs namens „Ally“ bereit, der dialogbasierte künstliche Intelligenz mit Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie sowie Achtsamkeits- und Entspannungsübungen verbindet.

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Auch spezialisierte Weiterbildungsformate greifen die Belastungsfaktoren auf. Das Unternehmen Teamplan bietet für Mitarbeitende der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft ein vierstündiges Online-Webinar zum Thema Resilienz im digitalen Zeitalter mit dem Psychologen Alexander von Kiedrowski an, unter anderem für den 3. Dezember 2026 zum Preis von 295,00 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer.

Ein lokales Kompaktseminar zur Stressbewältigung und Körperwahrnehmung richtet der TSV Süßen 1883 im FITplus am 24. Oktober 2026 unter der Leitung der systemischen Beraterin Nadine Liebscher aus.

Ergänzend thematisieren Kurse an der Universität zu Köln agiles Arbeiten und Resilienz, während auf Juist für Anfang November 2026 Achtsamkeitstage mit Modulen für mentale und körperliche Regeneration geplant sind.

Etablierte Ansätze wie das Programm zur stressbasierten Stressreduktion werden seit Jahren von zertifizierten Trainern praktiziert, etwa von Sabine Lang in Trippstadt, die Übungen zu Körperwahrnehmung, achtsamer Bewegung und Verhaltensreflexion anbietet.

Fachleute wie die Psychologin Stephanie Wiegand weisen darauf hin, dass Überlastung oft an Anzeichen wie schlechtem Schlaf, nachlassender Konzentration oder Gereiztheit erkennbar wird. Als grundlegende Gegenmaßnahmen gelten im betrieblichen Kontext eine offene Kommunikation, das bewusste Setzen von Prioritäten und eine kontinuierliche Selbstfürsorge im Arbeitsalltag.

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