Psychische, Gesundheit

Psychische Gesundheit in Uruguay: Wartezeiten sinken um 15 Prozent

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 04:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein neues Onlineportal bĂŒndelt Hilfsangebote; Uruguay verzeichnet kĂŒrzere Wartezeiten und plant zusĂ€tzliche Betten sowie ÜbergangsplĂ€tze.
Ein heller, ruhiger Innenhof einer modernen medizinischen Einrichtung mit Pflanzen und HolzbÀnken in einer Architektur ohne Text oder Schilder. Illustration mit AI erstellt.

Das uruguayische Gesundheitsministerium (MSP) hat mit der PrĂ€sentation der zentralen Web-Plattform gub.uy/salud-mental am 16. Oktober 2026 einen weiteren Schritt zur BĂŒndelung staatlicher Angebote und kommunaler Hilfsressourcen fĂŒr psychische Gesundheit vollzogen. Das digitale Portal fĂŒhrt bestehende Versorgungsstrukturen und Initiativen zusammen, um Betroffenen einen direkten Zugang zu Beratungs- und UnterstĂŒtzungsdiensten zu bieten.

Die Maßnahme ist Teil einer Neuausrichtung des nationalen Gesundheitssystems, die auf den Ausbau ambulanter Hilfen und eine stĂ€rkere PrĂ€vention zielt.

VerkĂŒrzte Wartezeiten und PrĂ€ventionsmaßnahmen an Schulen

Gesundheitsministerin Cristina Lustemberg zog am 16. Oktober 2026 eine Zwischenbilanz zu den laufenden Reformen. Demnach konnten die Wartezeiten in der spezialisierten Versorgung um 15 Prozent gesenkt werden, wobei sich diese Verbesserung insbesondere bei der staatlichen Gesundheitsverwaltung ASSE bemerkbar mache. Parallel dazu laufen derzeit 42 Einzelprojekte im Rahmen der Initiative „Acción País“.

Einen Schwerpunkt bildet die Betreuung von Jugendlichen im Bildungswesen. Über 50 zusĂ€tzliche Psychologen wurden bereits an Schulen und Gymnasien eingesetzt. Zudem kĂŒndigte Lustemberg an, dass das PrĂ€ventionsprogramm „Ni Silencio Ni TabĂș“ im Jahr 2027 auf fĂŒnf weitere Departamentos ausgeweitet werden soll, um Jugendliche gezielt anzusprechen und Stigmatisierungen im Vorfeld abzubauen.

Zensus in Fachkliniken und der ASSE-Ausbauplan bis 2030

Die Notwendigkeit einer strukturellen Abkehr von großen psychiatrischen Anstalten untermauerte ASSE-PrĂ€sident Álvaro Danza mit Daten eines Zensus aus dem Jahr 2025 in den Fachkliniken Hospital VilardebĂł und Ceremos.

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Die Erhebung verdeutlichte ausgeprĂ€gte Tendenzen der Langzeitunterbringung und Isolation: Von 767 erfassten Personen waren 503 lĂ€nger als sechs Monate interniert. DarĂŒber hinaus erhielten 56 Prozent der Patienten im Hospital VilardebĂł und 76 Prozent der Untergebrachten in Ceremos keinerlei Besuche.

Als Reaktion auf diesen Befund sieht der strategische Plan der ASSE fĂŒr den Zeitraum von 2025 bis 2030 eine Verlagerung von BettenkapazitĂ€ten in regulĂ€re AllgemeinkrankenhĂ€user vor. Konkret sollen dort 26 zusĂ€tzliche Betten fĂŒr Jugendliche und 76 fĂŒr Erwachsene geschaffen werden.

Flankiert wird diese Dezentralisierung durch den Aufbau von zwei Tageskliniken sowie bis zu 32 PlĂ€tzen in betreuten ÜbergangshĂ€usern, die auf eine Reintegration in das eigenstĂ€ndige Wohnen vorbereiten sollen.

Der Kontext globaler Richtlinien zur Deinstitutionalisierung

Die ReformbemĂŒhungen in Uruguay spiegeln die PrioritĂ€ten internationaler Gesundheitsorganisationen wider. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betonte in einer am 9. Oktober 2026 vorgelegten Leitlinie zur gemeindenahen psychiatrischen Versorgung („Supporting the transition to community-based mental health and social care“), dass weltweit fast die HĂ€lfte aller Menschen in psychiatrischen Kliniken gegen ihren Willen untergebracht ist. Zudem bleiben 28 Prozent der Patienten lĂ€nger als sechs Monate in stationĂ€rer Behandlung.

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Dem Bericht zufolge haben bislang lediglich 9 Prozent aller Staaten die Deinstitutionalisierung vollstĂ€ndig bewĂ€ltigt, wĂ€hrend sich 53 Prozent noch am Anfang dieses Prozesses befinden. Der Aufbau wohnortnaher Strukturen in AllgemeinkrankenhĂ€usern und Übergangseinrichtungen, wie er in Uruguay forciert wird, folgt dem Ziel, die dauerhafte Unterbringung in isolierten Facheinrichtungen schrittweise durch integrierte Angebote abzulösen.

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