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Psychische Gesundheit: Schlafmangel erhöht das Unfallrisiko um 30 Prozent

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Psychische Erkrankungen verursachten 2025 mehr Fehltage; Fachleute empfehlen Erholung, klare Grenzen und bessere Arbeitsbedingungen.
Ein ruhiger, leerer Raum mit einem ergonomischen Stuhl und sanftem Sonnenlicht, der eine Atmosphäre der Erholung vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Berichte aus verschiedenen Medien beleuchten verstärkt Ansätze, wie Beschäftigte ihre Leistungsfähigkeit sichern und negativen Stimmungen sowie Schlafproblemen am Arbeitsplatz begegnen können. Die Auseinandersetzung mit diesen Themen erfolgt vor dem Hintergrund wachsender psychischer Anforderungen und veränderter Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt.

Steigende Fehlzeiten und psychische Belastungsfaktoren

Nach Daten des DAK-Psychreports 2026 stellten psychische Erkrankungen im Jahr 2025 mit 18,7 Prozent die zweithäufigste Ursache krankheitsbedingter Fehltage dar, nachdem sie im Vorjahr noch auf Rang drei gelegen hatten.

Die durchschnittliche Krankheitsdauer erhöhte sich dabei von 32,9 auf 34,2 Tage. Sieben Prozent der bei der Kasse versicherten Beschäftigten waren 2025 mindestens einmal wegen einer psychischen Diagnose arbeitsunfähig.

Im Gesundheitswesen wurden 474 Fehltage je 100 Versicherte registriert, verglichen mit einem Gesamtdurchschnitt von 366 Tagen. Frauen wiesen 456 Fehltage auf, Männer 288 Tage. Zudem waren 55 Prozent der psychisch bedingten Ausfälle auf Depressionen zurückzuführen, was rund 202 Fehltagen je 100 Versicherte entsprach.

In Österreich verzeichnete die Statistik Austria bei ihrer Gesundheitsbefragung einen Anstieg depressiver Symptome von 5,6 Prozent im Jahr 2019 auf 9,3 Prozent im Jahr 2025. Eine Erhebung der TU Dresden ergab zudem, dass 34 Prozent der Beschäftigten in Deutschland über Veränderungsmüdigkeit klagen, wobei Beschäftigte in Großunternehmen signifikant häufiger betroffen sind als in kleineren und mittleren Betrieben.

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Die Psychologin Birgit Artner sieht als Treiber für diese Entwicklungen eine hohe Dynamik, Unsicherheiten, ständige Erreichbarkeit sowie steigende Berufsanforderungen und Informationsfluten.

Als Warnsignale für eine akute Überlastung gelten ausbleibende Erholung, Erschöpfung und mehrwöchige Schlafprobleme. Zur Prävention verweist Artner auf feste Erholungsphasen, klare Grenzziehungen, Bewegung und das Hinterfragen von eigenem Perfektionismus.

Auf internationaler Ebene zeigt eine im Fachjournal Social Indicators Research veröffentlichte Untersuchung mit rund 50.000 Teilnehmenden aus 92 Ländern unter Beteiligung von Matthias Burghart, dass sich die psychische Gesundheit weltweit verschlechtert hat, insbesondere bei jüngeren Menschen. Erwerbstätigkeit, ein höheres Einkommen sowie hybride Arbeitsmodelle gehen der Studie zufolge mit besserem Wohlbefinden einher.

Schlafdefizite und ihre Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit

Schlafprobleme sind weit verbreitet: Einer Forsa-Umfrage im Auftrag des AOK-Bundesverbandes zufolge leidet die Hälfte der Menschen in Deutschland darunter, vor allem bedingt durch Alltagsstress.

Der Schlafmediziner Hans-Günter Weeß weist darauf hin, dass eine Stunde weniger Schlaf als genetisch bedingt das Unfallrisiko um 30 Prozent steigere; bei weniger als vier Stunden Schlaf pro Nacht liege das Risiko laut US-Studiendaten sogar elffach höher.

Medizinisch wird eine Schlafstörung definiert, wenn Ein- oder Durchschlafprobleme mindestens dreimal wöchentlich über mehr als vier Wochen auftreten und den Tag spürbar beeinträchtigen. Nach Weeß sind Frauen, Personen zwischen 45 und 60 Jahren, Schichtarbeitende, Frühstarter und stark Stressbelastete besonders oft betroffen. Als Orientierungswert für gesunden Schlaf gelten sieben bis neun Stunden.

Die Schlafforscherin Christine Blume betont, dass übermäßige Aufmerksamkeit für den eigenen Schlaf diesen oft verschlechtere. Anstelle einer starren Acht-Stunden-Regel empfiehlt sie die Ermittlung des individuellen Chronotyps.

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Zudem verweist sie darauf, dass moderne Bildschirme mit Blaulichtfiltern verhältnismäßig gut vor einer Unterdrückung von Melatonin schützen, dessen Rolle oft überschätzt werde. Bei chronischer Insomnie gelte die Kognitive Verhaltenstherapie als Mittel der Wahl vor Medikamenten.

Handlungsempfehlungen für Arbeitsalltag und Unternehmenskultur

Um den Teufelskreis aus Anspannung und Schlaflosigkeit zu durchbrechen, empfiehlt die Arbeitspsychologin Jette Völker feste Feierabendrituale wie das Aufräumen des Arbeitsplatzes, das Erstellen einer To-do-Liste für den Folgetag und verbindlich eingeplante Termine.

Weeß rät ergänzend zur Methode eines festen Grübelstuhls abseits des Betts, zum Führen eines Grübeltagebuchs, zu Achtsamkeitsübungen sowie kurzen Erholungsphasen von 10 bis 20 Minuten am Tag.

Der Organisationsforscher Hans Rusinek fordert, die Rahmenbedingungen der Arbeit selbst anzupassen, anstatt die Belastung allein auf Beschäftigte abzuwälzen. Laut seinen Untersuchungen sehen knapp die Hälfte der Deutschen den Beruf als Hauptauslöser für Lebensfrust, und weniger als die Hälfte gibt an, im Job das Bestmögliche zu leisten.

Führungskräfte stünden daher in der Pflicht, motivierende Rahmenbedingungen zu etablieren. Wie die Randstad-ifo-HR-Umfrage für das dritte Quartal 2026 zeigt, schätzen 68 Prozent der Verantwortlichen ihre Führungskultur als kooperativ und teamorientiert ein, zugleich prägt in 44 Prozent der Betriebe wirtschaftlicher Druck das Verhältnis zu den Vorgesetzten.

Psychiaterin Petra Beschoner warnt davor, Leistungszweifel durch ständige Mehrarbeit kompensieren zu wollen, da dieser Kreislauf das Risiko für Erschöpfung und Depressionen maßgeblich verstärke.

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