Psychische, Krankschreibungen

Psychische Krankschreibungen: AOK misst 28,5 Tage je Fall im Schnitt

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 23:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Österreichische Erhebungen und deutsche Krankenkassendaten zeigen mehr Stress, lĂ€ngere psychisch bedingte AusfĂ€lle und höhere Krankengeldausgaben.

Psychische Belastung im Job wÀchst: Fehltage und Kosten steigen
Ein leerer, ruhiger Aufenthaltsraum in einer medizinischen Einrichtung mit sanftem Tageslicht und einem leeren Tisch. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Erhebungen zur psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz zeichnen ein deutliches Bild wachsender Belastungen ĂŒber verschiedene Branchen hinweg. AnlĂ€sslich des Welttags fĂŒr psychische Gesundheit warnte die Arbeiterkammer Salzburg vor den steigenden Anforderungen an BeschĂ€ftigte. Laut den Erhebungen der Kammer leiden vier von zehn BeschĂ€ftigten hĂ€ufig unter Alltagsstress.

Mehr als die HĂ€lfte der Befragten gab zudem an, regelmĂ€ĂŸig unter Erschöpfung zu leiden. Zugleich blicken 53 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer pessimistisch auf die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung in Österreich – laut der Arbeiterkammer der höchste gemessene Wert seit 2016.

Hohe Belastung und Gewalt in Sozial- und Gesundheitsberufen

Besonders gravierend stellt sich die Situation im Gesundheits- und Sozialbereich dar. Wie Daten der Arbeiterkammer Salzburg zeigen, kennen fast zwei Drittel der BeschÀftigten in diesem Berufsfeld Kolleginnen oder Kollegen mit einem Burnout.

Neben der Arbeits dichte stellen zwischenmenschliche Konflikte ein erhebliches Problem dar: 39 Prozent der BeschĂ€ftigten in diesen Bereichen berichten von regelmĂ€ĂŸigen Beschimpfungen, wĂ€hrend 16 Prozent bereits körperliche Übergriffe erlebten. Vor diesem Hintergrund mahnte AK-PrĂ€sident Peter Eder verstĂ€rkte PrĂ€ventionsmaßnahmen, mehr Personal sowie verbindliche Kontrollen an.

Die Entwicklung deckt sich mit weiteren Befunden aus Österreich. Laut der sogenannten Mavie-Studie fĂŒhlen sich rund zwei Drittel der Österreicherinnen und Österreicher oft oder sehr oft gestresst. Trotz mentaler Erschöpfung arbeiten 83 Prozent der Betroffenen weiter, wobei 60 Prozent die berufliche TĂ€tigkeit als grĂ¶ĂŸten Stressfaktor nennen.

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Parallel dazu stieg der Beratungsbedarf spĂŒrbar: Die Initiative fit2work verzeichnete einen Zuwachs der Erstberatungen von knapp 14.000 im Jahr 2020 auf knapp 27.000 im Jahr 2025. Das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO hielt fĂŒr 2025 fest, dass 69,1 Prozent der unselbstĂ€ndig BeschĂ€ftigten von Fehlzeiten im Krankenstand betroffen waren, bei durchschnittlich 14,7 Kalendertagen. Psychische Erkrankungen machten dabei 11,8 Prozent aller Krankenstandstage aus, verglichen mit knapp 7 Prozent im Jahr 2010.

Steigende Fehltage und Ausgaben im deutschen Gesundheitssystem

Auch in Deutschland spiegeln Krankenkassendaten die Zunahme psychischer Beschwerden wider. Der Fehlzeiten-Report der AOK fĂŒr das Jahr 2026 erfasste fĂŒr 2025 durchschnittlich 403 ArbeitsunfĂ€higkeitstage je 100 Mitglieder aufgrund psychischer Diagnosen – ein Anstieg gegenĂŒber 284 Tagen im Jahr 2016 um knapp 42 Prozent.

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Eine weitere AOK-Auswertung wies fĂŒr 2025 durchschnittlich 470 psychisch bedingte Fehltage je 100 Versicherte aus, verglichen mit 292 Tagen vor zehn Jahren. Burnout-Ausfalltage verzeichneten binnen weniger Jahre ebenfalls deutliche ZuwĂ€chse.

AuffÀllig ist vor allem die lange Krankheitsdauer: Laut AOK-Daten dauerten psychisch bedingte Krankschreibungen 2025 im Schnitt 28,5 Tage je Fall, wÀhrend Krankschreibungen wegen Atemwegserkrankungen bei 5,7 Tagen lagen.

Auf Branchenebene zeigten sich deutliche Unterschiede: Im Dialogmarketing wurden 2025 je 100 Mitglieder 39 psychische ArbeitsunfÀhigkeitsfÀlle registriert. In der Haus- und Familienpflege waren es 25,6 FÀlle, in der Altenpflege 24,9, in der Heilerziehungspflege und SonderpÀdagogik 24,6 sowie in der Kinderbetreuung 23,0 FÀlle.

Die Entwicklung schlÀgt sich zudem in den Finanzen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nieder. Die vorlÀufigen Krankengeldausgaben erreichten 2025 rund 21,6 Milliarden Euro und machten 6,1 Prozent der gesamten GKV-Ausgaben aus, verglichen mit 11,2 Milliarden Euro zehn Jahre zuvor.

Zwischen 2021 und 2025 stiegen die KrankengeldfÀlle aufgrund psychischer Diagnosen um knapp 25 Prozent, die dazugehörigen Ausgaben kletterten im selben Zeitraum um 54 Prozent.

Betriebliche Ursachen und Versorgungsstrukturen

Neben externen Faktoren analysieren Arbeitswissenschaftler auch betriebliche EinflussgrĂ¶ĂŸen. Eine Untersuchung der UniversitĂ€t Bielefeld zeigte, dass sowohl die Zunahme als auch die Abnahme sogenannter illegitimer Aufgaben zu einer höheren emotionalen Erschöpfung fĂŒhrten, verglichen mit einem stabilen Aufgabenniveau.

Als Ursache benennen die Forscher Unsicherheiten hinsichtlich kĂŒnftiger Erwartungen und der eigenen Arbeitsrolle. FĂŒr Unternehmen folge daraus, dass Änderungen im Aufgabenbereich transparent kommuniziert werden mĂŒssten; ein reines Streichen von TĂ€tigkeiten fĂŒhre nicht automatisch zu einer wahrgenommenen Entlastung.

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