Psychische Krise bei Jugendlichen: Suizidversuche +100% seit Covid
02.06.2026 - 23:31:16 | boerse-global.deSchüler mit psychischem Unterstützungsbedarf erhalten künftig innerhalb von 24 bis 48 Stunden einen Termin bei einem Psychologen oder Psychiater. Die regionalen Gesundheitsbehörden (ARS) organisieren die beschleunigte Terminvergabe.
Lehrkräfte und Schulkrankenschwestern können das Verfahren auslösen. In akuten Gefahrensituationen darf das Schulpersonal direkt den medizinischen Notdienst kontaktieren. Bildungsminister Édouard Geffray und Rist stellten das Vorhaben gemeinsam vor. Das System soll ab dem Schuljahr 2026 schrittweise anlaufen.
Alarmierende Zahlen bei Jugendlichen
Die Dringlichkeit der Maßnahmen untermauern aktuelle Daten von Santé publique France. 20,6 Prozent der Mittelschüler zeigen depressive Verstimmungen. Bei 19 Prozent der Gymnasiasten besteht ein hohes Depressionsrisiko. Innerhalb der letzten zwölf Monate hatten 20 Prozent der befragten Jugendlichen Suizidgedanken.
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Besonders dramatisch ist die Entwicklung bei Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren. Seit der Covid-Pandemie stiegen die Krankenhauseinweisungen aufgrund von Suizidversuchen um über 100 Prozent. Jährlich sterben in Frankreich mehr als 400 Jugendliche durch Suizid – das ist die zweithäufigste Todesursache in dieser Altersgruppe.
Personalaufbau trotz struktureller Krise
Das Gesundheitsministerium verweist auf eine Verdopplung der Psychologenstellen seit 2020. Die Zahl der ausgebildeten Psychiater stieg um fast 10 Prozent. In der Kinderpsychiatrie wuchs die Zahl der Chefärzte von drei auf 50. Doch die Branche steckt in einem strukturellen Dilemma: Die Kinder- und Jugendpsychiatrie verlor in den vergangenen zehn Jahren rund ein Drittel ihres Personals.
Die psychische Gesundheit war bereits 2025 zur „grande cause nationale“ erklärt worden. Sébastien Lecornu verlängerte diesen Status im Jahr 2026. Ende Mai wies ein Kollektiv aus Fachkräften und Politikern jedoch auf unzureichende Fortschritte hin.
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Null Fixierung bis 2030
Ein weiterer Pfeiler der Strategie betrifft die stationäre Psychiatrie. Rist kündigte an, Fixierungspraktiken bis 2030 vollständig abzuschaffen. Die „Null Fixierung“ erfordert umfassende Schulungen, angepasstes Personal und bauliche Veränderungen. Derzeit setzen erst 10 Prozent der französischen Einrichtungen entsprechende Konzepte um.
Internationale Vorbilder wie Norwegen und Spanien zeigen, was möglich ist: Dort gelang eine Reduzierung von Fixierungsmaßnahmen um mehr als 90 Prozent. Zur Koordination der Vorhaben richtete die Regierung eine interministerielle Delegation für psychische Gesundheit ein.
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