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Psychische Leiden: Erstmals häufigster Grund für Krankschreibungen

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 00:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studie belegt massiven Rückgang wirksamer Gesundheits-Apps. Neues Gesetz und Therapie-Budgetdeckelung verschärfen die Versorgungskrise.

Psychische Leiden: Krankschreibungen auf Rekordniveau in Deutschland
Ein Smartphone mit einer Gesundheits-App auf einem Schreibtisch neben einem Stethoskop in einer modernen Arztpraxis. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Psychische Leiden sind erstmals der häufigste Grund für Krankschreibungen in Deutschland. Gleichzeitig kippt der Markt für digitale Gesundheitsanwendungen – und die Politik verschärft den Druck auf Psychotherapeuten.

Jede zweite wirksame App ist vom Markt verschwunden

Eine im Juli 2026 in npj Digital Medicine veröffentlichte Studie zeigt: Von 81 evidenzbasierten Selbsthilfe-Apps sind nur noch 42 in den Stores verfügbar. Gerade mal 52 Prozent haben also überlebt.

Die Forscher fanden keinen Zusammenhang zwischen der wissenschaftlich belegten Wirksamkeit einer App und ihrer dauerhaften Verfügbarkeit. Hauptgründe für das Verschwinden: hohe Wartungskosten, fehlende Geschäftsmodelle und auslaufende Fördergelder nach Studienende.

Immerhin: Rund 79 Prozent der verbliebenen Apps laufen auf iOS und Android, etwa 40 Prozent sind kostenlos.

Bundeskabinett beschließt Digitalgesetz – doch die Lücken bleiben

Die Bundesregierung reagiert. Am 15. Juli verabschiedete das Kabinett das Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG). Es soll die elektronische Patientenakte (ePA) und digitale Assistenzsysteme stärken. Geplant sind unter anderem eine digitalisierte Überweisung bis Herbst 2029 und eine digitale Impfübersicht bis Mitte 2027.

Doch in anderen Bereichen hakt es. Seit Anfang 2026 gibt es für Pflegebedürftige einen Zuschuss von bis zu 70 Euro monatlich für digitale Pflegeanwendungen (DiPA) – sofern das BfArM sie zugelassen hat. Die Nachfrage ist mau. Grund: Es gibt kaum zertifizierte Angebote.

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Psychotherapie unter Budget: Bis zu 25 Prozent weniger Plätze

Noch härter trifft die Versorgung das Beitragsstabilisierungsgesetz vom 10. Juli. Ab Januar 2027 wird die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen gedeckelt.

Die Rechnung ist brutal: Statt 65 Patienten pro Quartal könnten Therapeuten nur noch 59 behandeln. Zuschläge für Kurzzeittherapien und Vermittlungen über Terminservicestellen entfallen. Die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung (DPtV) und das Aktionsbündnis Psychotherapie warnen: Das Angebot an Therapieplätzen könnte um bis zu 25 Prozent sinken, Wartezeiten auf bis zu 1,5 Jahre steigen.

Ausgenommen vom Budget sind nur Behandlungen für Kinder, Jugendliche und schwer psychisch Kranke.

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Neue Hoffnung aus der Forschung

Parallel zur Krise gibt es Fortschritte. Eine Studie in JAMA Network Open untersuchte die Positive-Affect-Therapie bei 98 Patienten mit Depressionen und Angststörungen. Ergebnis: Der Fokus auf positive Gefühle kann Freudlosigkeit nachhaltiger reduzieren als klassische Verhaltenstherapie.

Auch praktisch tut sich etwas. Das Uniklinikum Dresden setzt seit Ende 2025 auf stationsäquivalente Behandlung (StäB). Schwer kranke Patienten werden zu Hause betreut – mit geringeren Wiederaufnahmeraten als nach stationärer Therapie, wie erste Auswertungen bei rund 60 Patienten zeigen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) empfahl zudem, das Telemedizin-Projekt „Tele-Kasper“ in die Regelversorgung zu überführen. Es berät kleine Kinderkliniken beim Antibiotika-Einsatz – ein Beispiel, wie digitale Infrastruktur Versorgungsqualität sichert.

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