Psychischer Stress: HUNT-Studie zeigt fast doppelt so viel Gebrechlichkeit im Alter
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 23:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Psychische Belastungen in jüngeren Jahren können weitreichende Konsequenzen für die körperliche Verfassung im Alter haben. Eine Auswertung der norwegischen HUNT-Studie zeigt, dass psychischer Stress in der frühen Lebensmitte zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr das relative Risiko für körperliche Gebrechlichkeit jenseits des 70. Lebensjahres nahezu verdoppelt. Die Untersuchung verdeutlicht, dass seelische Belastungen über Jahrzehnte hinweg die körperliche Widerstandskraft schwächen können.
Deutliche Unterschiede im Alterungsprozess ab 70 Jahren
Die Langzeitanalyse basiert auf einer Kohorte mit mehr als 27.000 Teilnehmern über einen Zeitraum von 35 Jahren. Durchgeführt wurde die Untersuchung von Forschern des Norwegian National Centre for Ageing and Health, des Vestfold Hospital Trust sowie der University of Oslo und im Fachjournal Archives of Gerontology and Geriatrics (Impact 4,0) veröffentlicht.
Bereits vor der Nachbeobachtung im Alter von 70 Jahren zeigte sich ein deutlicher Selektionseffekt: Die Sterblichkeit lag bei Personen mit früher psychischer Belastung bei 55,5 Prozent, verglichen mit 36,6 Prozent in der unbelasteten Gruppe.
Bei den Teilnehmenden, die das 70. Lebensjahr erreichten, führte die frühere Belastung zu einem messbaren Anstieg des Gebrechlichkeitsindex um 0,066 Punkte. Da dieser Index üblicherweise um etwa 0,03 Punkte pro Jahrzehnt ansteigt, entspricht diese Differenz einer vorzeitigen Defizitansammlung von rund zwei Jahrzehnten.
Entsprechend deutlich fielen die Unterschiede im Zustand der Senioren aus: In der Gruppe mit früherer psychischer Belastung wurden im Alter von 70 Jahren lediglich 25,7 Prozent als robust eingestuft, während dieser Anteil bei zuvor unbelasteten Personen bei 51 Prozent lag.
Wer sich mit den Folgen von Dauerstress und Erschöpfung befasst, sollte die Rolle des Nervensystems nicht unterschätzen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, wie Sie Ihren Vagusnerv als zentralen Gesundheitshebel aktivieren, um Stress abzubauen und Ihre Selbstheilungskräfte natürlich zu stärken. Kostenlosen Vagus-Therapie-Report jetzt anfordern
Eine ausgeprägte Gebrechlichkeit betraf 18,5 Prozent der Belasteten gegenüber 8,9 Prozent der Kontrollgruppe. Dieser Zusammenhang blieb auch nach statistischer Bereinigung um Einflussfaktoren wie körperliche Bewegung, Adipositas, Rauchen und Alkoholkonsum stabil.
Alltagsressourcen und körperliche Folgen von Stress
Wie psychische Anspannung im Alltag entsteht und bewältigt wird, untersuchte eine im Journal PLOS Digital Health (Impact-Faktor 7,7) erschienene Studie von Prof. Dr. Dennis John von der Evangelischen Hochschule Nürnberg, Dr. Hannah van Alebeek von der Universität Salzburg und Prof. Dr. Thomas Probst von der Universität Wien.
Anhand von 2.908 Alltagsmessungen bei 164 Personen über die Smartphone-App TrackYourStress bestätigten die Autoren die Annahmen der Transaktionalen Stresstheorie.
Belastung entsteht demnach vor allem dann, wenn eine Situation von hoher Relevanz auf knappe Ressourcen trifft. Das subjektive Gefühl eigener Handlungsfähigkeit hängt dabei am stärksten mit einem geringeren Stressniveau zusammen. Da diese Mechanismen auch im Tagesverlauf schwanken, sehen die Forscher in digitalen Anwendungen eine Chance für bedarfsgerechte Unterstützung im Alltag.
Auf die physiologischen Konsequenzen verweist auch der Bochumer Kardiologe Dr. Nana Bimpong-Buta. Chronischer Stress sei ein unterschätzter Risikofaktor, der oft indirekt als Verstärker wirke, indem er die Schlafqualität mindere und zu Bewegungsmangel führe.
Um der körperlichen Schwächung im Alter vorzubeugen, ist neben der Stressbewältigung gezielte Bewegung entscheidend. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden, wie Sie mit nur sechs einfachen Übungen für zuhause Muskelschwund stoppen und Ihre Vitalität nachhaltig erhalten. Gratis PDF-Ratgeber mit 6 Kraftübungen herunterladen
Zudem handele es sich bei Arteriosklerose um einen entzündlichen Prozess, bei dem weiche Ablagerungen einreißen und Herzinfarkte oder Schlaganfälle auslösen könnten. Zur Vorbeugung rät der Kardiologe Erwachsenen zu sieben bis neun Stunden Schlaf sowie zu mindestens 30 Minuten moderater Bewegung an fünf Tagen pro Woche, ergänzt durch zwei Tage gezieltes Muskeltraining.
Biologische Mechanismen der Alterung
Dass Belastungsfaktoren eng mit zellulären Veränderungen verknüpft sind, steht auch im Fokus grundlegender Altersforschung. Der vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF geförderte Exzellenzcluster „MetAGE“ unter der Leitung von Frank Madeo von der Universität Graz sowie Thomas Scherer und Thomas Pieber von der MedUni Wien untersucht mit mehr als 70 Forschern die Stoffwechselflexibilität im Lebensverlauf.
Mit zunehmendem Alter nehmen chronische Entzündungen im Gewebe zu, während die zelluläre Selbstreinigung nachlässt und sich die Funktion der Mitochondrien verändert – Prozesse, die durch dauerhafte Belastungen zusätzlich beschleunigt werden können.

