Psychobiotika: 90% des Serotonins entsteht im Darm
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 20:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der modernen Medizin gewinnt der Zusammenhang zwischen der Darmflora und der psychischen Verfassung zunehmend an Bedeutung. Ein aktueller Ratgeber zur Thematik der Psychobiotika verdeutlicht, dass die Ernährung als eine wesentliche Säule bei der Behandlung psychischer Erkrankungen betrachtet werden kann. Dr. Sabrina Mörkl von der Universität Graz, die intensiv zur Darmflora forscht, zeigt in ihren Arbeiten auf, wie das Mikrobiom gezielt beeinflusst werden kann, um das psychische Wohlbefinden zu fördern.
Mechanismen der Darm-Hirn-Achse
Unter Psychobiotika werden spezielle probiotische Bakterienstämme verstanden, die ihre Wirkung über die sogenannte Darm-Hirn-Achse entfalten. Diese bi-direktionale Verbindung ermöglicht eine Kommunikation zwischen dem Verdauungstrakt und dem zentralen Nervensystem. Fachleute weisen darauf hin, dass das Darmmikrobiom entscheidend für die Psyche sei, da es maßgeblich an der Produktion von Neurotransmittern beteiligt ist.
So werden schätzungsweise 90 Prozent des Serotonins im Darm produziert. Zudem beeinflussen Psychobiotika die Produktion von Gamma-Aminobuttersäure (GABA) und können zur Regulierung des Stresshormons Cortisol beitragen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Produktion von kurzkettigen Fettsäuren (SCFAs) wie Butyrat. Ein niedriger Butyrat-Spiegel wird in der Forschung häufig mit depressiven Verstimmungen assoziert, während eine ausreichende Versorgung entzündungshemmend wirken kann.
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Klinische Evidenz und spezifische Bakterienstämme
Klinische Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Einsatz spezifischer Probiotika über einen Zeitraum von 4 bis 12 Wochen zu einer signifikanten Reduktion von Angst- und Depressionssymptomen führen kann. Als besonders relevant gelten in diesem Zusammenhang Stämme wie Lactobacillus rhamnosus und Bifidobacterium longum. Diese Mikroorganismen werden ergänzend zu Standardbehandlungen eingesetzt, um neben depressiven Symptomen auch Schlafstörungen und die allgemeine kognitive Leistung zu verbessern.
Eine Dysbiose, also ein Ungleichgewicht der Darmflora, wird von Experten als ein Faktor angesehen, der zur Entstehung von Angststörungen und kognitiven Einschränkungen beitragen kann. Die gezielte Zufuhr von Psychobiotika zielt darauf ab, dieses Gleichgewicht wiederherzustellen und dadurch die Stressresistenz des Organismus zu erhöhen.
Ernährung als unterstützende Therapie
Neben der Supplementierung durch Präparate spielt die natürliche Aufnahme probiotischer Kulturen eine wichtige Rolle. Fermentierte Lebensmittel wie Kefir und Kimchi gelten als wertvolle Quellen für nützliche Bakterien. Zudem fördert die Mittelmeerdiät durch ihre Vielfalt an Ballaststoffen die Diversität des Mikrobioms.
Zur Unterstützung der psychischen Gesundheit werden im Rahmen einer ganzheitlichen Ernährungsberatung zudem folgende Nährstoffe empfohlen:
* Magnesium (enthalten in Nüssen und grünem Blattgemüse)
* B-Vitamine (aus Vollkornprodukten und Eiern)
* Omega-3-Fettsäuren (vorrangig aus fettem Fisch)
* Vitamin C
Gleichzeitig raten Fachleute dazu, den Konsum von raffiniertem Zucker und übermäßigem Koffein zu minimieren, da diese Substanzen das Mikrobiom negativ beeinflussen können. Der Ratgeber von Dr. Sabrina Mörkl führt dazu insgesamt 12 praktische Tipps für den Alltag an, um die Darmgesundheit nachhaltig zu stärken.
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Stand der Forschung und personalisierte Medizin
Obwohl die Vorteile von Psychobiotika bei Stress und Angstzuständen durch verschiedene Studien belegt sind, betonen Forscher wie Martin Walter, Dr. Abhishek Deepak und Dr. Ramesh Garg, dass sich das Feld noch in einem frühen Stadium befindet. Die Forschung zur Darm-Hirn-Achse stecke in vielen Bereichen noch in den Kinderschuhen.
Zukünftige Therapieansätze werden voraussichtlich verstärkt auf personalisierte Medizin setzen, um individuelle Unterschiede im Mikrobiom der Patienten zu berücksichtigen. Während Methoden wie der fäkale Mikrobiomtransfer (FMT) derzeit noch als experimentell eingestuft werden, ist die Anpassung der Ernährung bereits heute ein zugänglicher Weg, um die psychische Behandlung flankierend zu unterstützen.
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