Psychopharmaka-Krise, Packungen

Psychopharmaka-Krise: 74.000 Packungen tĂ€glich nicht verfĂŒgbar

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 08:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Lieferprobleme bei Psychopharmaka nehmen zu: 74.000 Packungen tĂ€glich sind betroffen, wĂ€hrend EU-Staaten ĂŒber neue Versorgungsregeln beraten.

Psychopharmaka-EngpÀsse: Lieferketten setzen Versorgung unter Druck
Ein leerer, steriler Flur in einer Klinik mit weichem Tageslicht und einer ruhigen AtmosphÀre. Illustration mit AI erstellt.

Zunehmende Schwierigkeiten bei der Bereitstellung von Psychopharmaka stellen das Gesundheitssystem vor wachsende Herausforderungen. PharmaverbĂ€nde und Ärztekammern verweisen auf erhebliche Störungen in den globalen Lieferketten und fordern tiefgreifende politische Reformen, um die therapeutische Sicherheit zu gewĂ€hrleisten.

Der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) warnt anlĂ€sslich des Welttags der Patientensicherheit vor spĂŒrbaren EngpĂ€ssen, die medizinisches Personal und Betroffene gleichermaßen belasten.

Steigende AusfÀlle im Bereich zentraler Wirkstoffe

Die LĂŒcken in den Apothekenregalen betreffen nicht mehr nur Nischenprodukte, sondern essenzielle Wirkstoffe fĂŒr die psychiatrische und neurologische Behandlung. Nach Angaben des Pharma-Großhandelsverbands Phagro waren mit Stand Ende Mai tĂ€glich 74.000 Packungen von LieferengpĂ€ssen betroffen.

Konkrete Verzögerungen schlagen sich in den behördlichen Melderegistern nieder. So weist das Register des Bundesamts fĂŒr Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) aus, dass das Psychopharmakon Quetiapin in retardierter Form nicht verfĂŒgbar ist. Als voraussichtliche Liefertermine werden darin Mitte Oktober beziehungsweise der MĂ€rz 2027 genannt, bedingt durch Verzögerungen bei der Herstellung.

FĂŒr behandelnde Mediziner bedeutet dies hĂ€ufig einen erzwungenen Wechsel auf alternative PrĂ€parate, was bei psychiatrischen Erkrankungen mit gesundheitlichen Risiken einhergehen kann. Laut einer Umfrage des Zi-Praxis-Panels unter 4.005 Ärzten und Psychotherapeuten im Zeitraum von Ende April bis Ende Juli 2026 fĂŒhlen sich rund 50% der Befragten schlecht auf eine Arzneimittel-Mangellage vorbereitet.

Globale AbhÀngigkeiten und strukturelle Ursachen

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Die Ursachen fĂŒr die prekĂ€re Lage sind struktureller Natur. Nach Angaben von Pharmig erschweren weltweite Krisen die Medikamentenversorgung im Allgemeinen, betreffen aber in wachsendem Maße auch psychotrope Arzneien. Ein zentraler Faktor bleibt die geografische Verlagerung der Wirkstoffproduktion.

Wie aus einer Studie des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) aus dem Jahr 2022 hervorgeht, werden rund 70% der in der EuropÀischen Union genutzten pharmazeutischen Wirkstoffe in Asien produziert. Kommt es an den dortigen Standorten zu ProduktionsstillstÀnden, QualitÀtsmÀngeln oder logistischen Blockaden, bricht die Versorgungskette in Europa unmittelbar zusammen.

EuropÀische ReformansÀtze und Reaktionen

Auf politischer Ebene zeichnen sich gesetzliche Anpassungen ab, um der Verwundbarkeit des Marktes zu begegnen. Zwischen dem EuropĂ€ischen Parlament, dem Rat der EU und der EuropĂ€ischen Kommission kam es zu einer vorlĂ€ufigen Einigung ĂŒber eine Reform der EU-Arzneimittelgesetzgebung.

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Der Kompromiss sieht vor, dass die Datenschutzfrist fĂŒr neue Arzneimittel bei acht Jahren verbleibt, wĂ€hrend der Marktschutz von zwei Jahren auf ein Jahr verkĂŒrzt wird. FĂŒr innovative Medikamente kann dieser Schutz um ein weiteres Jahr verlĂ€ngert werden. Zudem erhalten die Mitgliedsstaaten die Befugnis, Pharmaunternehmen rechtlich zur Belieferung zu verpflichten.

In der pharmazeutischen Industrie stoßen diese Neuregelungen jedoch nicht uneingeschrĂ€nkt auf Zustimmung. PHARMIG-GeneralsekretĂ€r Alexander Herzog stufte den europĂ€ischen Einigungskompromiss als ambivalente Signale fĂŒr den Standort ein. Branchenvertreter mahnen, dass regulatorische Verpflichtungen allein die globalen Verflechtungen nicht auflösen können, solange die Produktion maßgeblich außerhalb Europas verbleibt.

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