Psychotherapie-Krise: Wartezeiten könnten von 9 auf 15 Monate steigen
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 09:03 Uhr, Redaktion boerse-global.de
In mehreren Städten gab es in den vergangenen Tagen Protestaktionen und Mahnwachen. Angehörige des Berufsstands machen gegen das neue GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz mobil. Fachleute und Verbände warnen vor einer Verschlechterung der Patientenversorgung und wirtschaftlichen Risiken für Praxen.
Mahnwachen und schwarze Ballons
Am 13. Juli fand in Heidelberg eine Mahnwache an der Alten Brücke statt. Bereits am 11. Juli gab es ähnliche Aktionen in Bielefeld und Karlsruhe. In Karlsruhe nutzten Demonstranten 600 schwarze Ballons in 17 Städten als Symbol für die Gefährdung der Versorgungssicherheit.
Schon am 10. Juli versammelten sich in Mainz rund 300 Menschen. Die Organisatorinnen Sandra Munro und Ofra Deiglmayr wiesen auf die bereits kritische Lage hin. Nach Angaben des Aktionsbündnisses Psychotherapie sterben in Deutschland jährlich rund 10.000 Menschen durch Suizid. Für 2024 wurden 10.372 Fälle registriert – ein Anstieg von 0,7 Prozent.
Honorarkürzungen und Streichung der Angemessenheitsprüfung
Der Bundestag verabschiedete das GKV-Sparpaket am 10. Juli. Ein zentraler Kritikpunkt der Berufsverbände, etwa der Psychotherapeutenkammer des Saarlandes, ist die Streichung der sogenannten Angemessenheitsprüfung für psychotherapeutische Leistungen. Zudem sieht die Reform Honorarkürzungen von 4,5 Prozent vor. Das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg setzte diese vorerst aus.
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Der angehende Psychotherapeut Jesko Vincent Schulz kritisierte die Reformpläne als existenzgefährdend. Er argumentiert, dass Psychotherapie ein wesentlicher Faktor für die Volkswirtschaft sei. Schätzungen zufolge gehen der deutschen Wirtschaft jährlich über 20 Milliarden Euro durch die Folgen psychischer Erkrankungen verloren. Eine Schwächung der therapeutischen Infrastruktur könnte diese Kosten weiter in die Höhe treiben.
Wartezeiten könnten auf 15 Monate steigen
Branchenexperten warnen vor drastisch längeren Wartezeiten. Modellrechnungen für die Region Ostwestfalen-Lippe deuten darauf hin, dass dort jeder vierte Therapieplatz wegfallen könnte. Bundesweit wird befürchtet, dass die durchschnittlichen Wartezeiten von derzeit neun Monaten auf bis zu 15 Monate ansteigen.
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Besonders kritisch ist die Lage in der Kinder- und Jugendpsychotherapie. In Sachsen-Anhalt betragen die Wartezeiten für junge Patienten bereits jetzt bis zu 1,5 Jahre. Fachleute befürchten, dass die geplanten Einsparungen die Kapazitäten weiter reduzieren. Während CDU-Abgeordnete aus der Region dem Sparpaket zustimmten, signalisierten Vertreter von SPD, Grünen, Linken und AfD Ablehnung.
Die Protestbewegung zeigt die Sorge innerhalb der Branche: Die finanziellen Einsparungen im Gesundheitswesen könnten langfristig zu Lasten der psychischen Gesundheit der Bevölkerung gehen.
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