Psychotherapie-Reform: Wartezeiten könnten auf 15 Monate steigen
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 20:42 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Juli das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. Mit 318 Ja-Stimmen der Koalition gegen bis zu 286 Nein-Stimmen soll es ein prognostiziertes Defizit von 18,5 bis 19 Milliarden Euro für 2027 schließen. Das Paket trifft Kliniken, Apotheken – und vor allem die ambulante Psychotherapie.
Streichung der Extrabudgetierung trifft Praxen hart
Bisher wurden psychotherapeutische Leistungen außerhalb der gedeckelten Budgets vergütet. Das sicherte eine bedarfsgerechte Versorgung. Künftig wird die Vergütung innerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung abgewickelt. Die Angemessenheitsprüfung entfällt, die Extrabudgetierung wird gestrichen.
Branchenvertreter schlagen Alarm. Kassenärztliche Vereinigungen und Psychotherapeutenkammern warnen vor einer Schwächung der ambulanten Versorgung. Zwar sieht das Gesetz Ausnahmen für Schwerkranke und Kinder- und Jugendpsychotherapie vor. Auch begonnene Behandlungen bleiben abgesichert. Doch Fachleute befürchten eine allgemeine Verschlechterung der Zugangsmöglichkeiten.
Wartezeiten könnten auf 15 Monate steigen
Schon jetzt warten Patienten im Schnitt sechs bis zwölf Monate auf einen Therapieplatz. Bei Kindern und Jugendlichen sind es teils bis zu anderthalb Jahre. Experten aus Ostwestfalen-Lippe und Sachsen-Anhalt prognostizieren eine deutliche Verschärfung.
Die Wartezeiten könnten von aktuell neun auf bis zu 15 Monate ansteigen. In Regionen wie OWL droht laut Befürchtungen jeder vierte Therapieplatz wegzufallen. Viele Praxen könnten unter dem veränderten Vergütungsdruck nicht mehr wirtschaftlich arbeiten.
Am 11. Juli organisierten Therapeuten in 17 Städten Protestaktionen – darunter Bielefeld und Karlsruhe. Sie wiesen auf die steigende Zahl von Suizidopfern hin: 2024 lag sie laut offiziellen Daten bei 10.372 Personen.
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Regionale Differenzen und Industrie-Folgen
Die Reaktionen auf die Reform fallen regional unterschiedlich aus. Regierungsvertreter in Rheinland-Pfalz befürworteten das Gesetz teilweise. Die dortige Gesundheitsverwaltung kritisierte hingegen eine Erschwerung der medizinischen Versorgung. Der Bundesrat ließ das Paket passieren, nachdem ein Antrag auf Anrufung des Vermittlungsausschusses scheiterte.
Die Sparmaßnahmen haben bereits Konsequenzen im Industriesektor. In Rheinland-Pfalz reagierten große Pharmaunternehmen:
- Ein internationaler Konzern reduzierte seine geplanten Investitionen in Alzey von 2,3 Milliarden auf 1,15 Milliarden Euro.
- Ein weiteres forschendes Pharmaunternehmen strich Investitionen in Höhe von 900 Millionen Euro.
Höhere Zuzahlungen ab Januar 2027
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Für Versicherte bringt das Sparpaket ab Januar 2027 höhere Zuzahlungen zwischen 7,50 und 15 Euro. Zudem ist ein Teilkrankengeld geplant, das zum 1. Juli 2028 wirksam werden soll.
Kommunale Spitzenverbände warnen vor einer finanziellen Überlastung durch drohende Klinikinsolvenzen. Auch Krankenkassenvertreter kritisieren das Gesetz. Die Zugeständnisse an die Bundesländer könnten neue Finanzlücken von rund 550 Millionen Euro reißen. Die Bundesregierung stellt zusätzliche 450 Millionen Euro für Krankenhäuser und 100 Millionen Euro für Universitätskliniken bereit. Fachverbände sehen darin lediglich eine unzureichende Kompensation für die strukturellen Defizite.
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